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Londoner Unternehmen kauft Hünfelder Medizintechnikhersteller Ondal

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Hünfeld - Die Schweizer Beteiligungsgesellschaft Capvis will nach sieben Jahren die Hünfelder Ondal verkaufen. Neuer Investor wird IK Investment Partners mit Sitz in London. Ondal-Geschäftsführer Bernd Fabian nimmt die Nachricht frohen Mutes entgegen: „Wir haben vor, mit IK den erfolgreich eingeschlagenen Weg weiterzugehen – und weiter zu wachsen.“

Von unserem Redaktionsmitglied Sabrina Mehler

Die 1945 in Hünfeld gegründete Ondal entwickelt und stellt Tragesysteme für den Einsatz in Operationssälen, auf Intensivstationen und in ambulanten medizinischen Einrichtungen her. Seit 2012 gehört die Firma der Capvis AG aus der Schweiz – das soll sich aber bald ändern. Die Verhandlungen mit IK sind weit fortgeschritten, die Verträge unterschrieben. Der Prozess wird wohl noch in diesem Januar seinen Abschluss finden, sagt Bernd Fabian, der seit knapp fünf Jahren Vorsitzender der Ondal-Geschäftsführung ist. Zweiter Geschäftsführer ist Dr. Markus Schneider.

Der Verkauf ist für Fabian keine Überraschung: „Diese Engagements sind immer zeitlich begrenzt. Es war absehbar, dass Capvis hier aussteigen wird.“ Die Schweizer hätten in den vergangenen Jahren „unglaublich viel getan“, was Produktionskapazitäten, Personal und Innovation betrifft, unterstreicht er. Zuletzt sei das Portfolio komplett erneuert worden, „hohe Millionenbeträge“ seien in die Innovation geflossen. „Capvis hat verstanden, was notwendig ist, um langfristig Erfolg zu haben. Deshalb steht die Ondal im weltweiten Markt sehr gut da.“

Langsam wurde es eng bei Ondal

Jetzt soll der eingeschlagene Weg weiter beschritten werden: „IK legt seinen Schwerpunkt auf Medizintechnik und versteht diesen Bereich auch. Gemeinsam wollen wir die Wettbewerbsfähigkeit der Firma weiterentwickeln. Gemeinsam wollen wir wachsen“, betont der Geschäftsführer. Die Weichen dafür sind längst gestellt: Bereits Ende 2018 hatte Ondal ein Gebäude von der benachbarten Wella übernommen.

Bei allem Bedauern über die Schließung der alten Schwesterfirma spricht Fabian von einem „Glücksfall“: Denn damit ist die Produktionsfläche verdoppelt worden. Weil Ondal in den vergangenen Jahren stetig gewachsen ist, wurde es langsam zu eng. Jetzt konnten die Abläufe optimiert werden: „Wir haben mehr Platz für den Materialfluss – von der Montage bis zur Verpackung.“

Capvis: Hohes Potenzial

Auch das Produktportfolio wird ständig erneuert: „Wir haben uns vorgenommen zu wachsen. Diverse Produktinitiativen, die wir entwickelt haben, werden wir nun in den Markt bringen. Weitere folgen 2021.“ Das Hauptgeschäft von Ondal seien zwar nach wie vor Leuchten für die Operationssäle: „Wir müssen aber Geld in Innovation investieren, um im weltweiten Markt unsere Wettbewerbsfähigkeit weiter zu stärken.“ Das heißt auch: neue Marktsegmente zu erschließen, beispielsweise mit Magnetresonanz-Technik: „Das ist ein Bereich, in dem wir bisher noch nie aktiv waren“, sagt Fabian.

Der Geschäftsführer ist zufrieden: „Wir sind ganz gut unterwegs. Natürlich haben wir die gleichen Probleme wie andere auch, etwa dass wir nicht jeden freien Ausbildungsplatz besetzen können.“ Wichtig sei es, sich nicht auszuruhen, glaubt der gebürtige Hamburger: „sondern sich den Erfolg jeden Tag neu zu erarbeiten.“ Eric Trüeb, Partner der Capvis AG, bescheinigt dem Hünfelder Unternehmen derweil nur Gutes: „Ondal ist ein klassisches Beispiel für einen technologiegetriebenen Hidden Champion mit internationaler Aufstellung“, heißt es in einer Stellungnahme der Schweizer. Die Firma verfüge über ein hohes Potenzial.

IK: Ondal setzt weltweit Qualitätsstandards

Das sieht offenbar auch IK Investment so. Anders Petersson, Partner bei IK, lobt in einem Statement das innovative und breitaufgestellte Portfolio. Ondal setze für Tragesysteme weltweit Qualitätsstandards, was Verlässlichkeit, Funktionalität und Benutzerfreundlichkeit betreffe. „Gemeinsam mit dem Management wollen wir daran arbeiten, die Marktposition von Ondal als Technologieführer in diesem Produktsegment weiter auszubauen.“ Solche Worte dürften Bernd Fabian und die rund 440 Mitarbeiter in Hünfeld gerne hören.

Hintergrund Ondal: Ondal ist der weltweite Marktführer in der Entwicklung und Herstellung von Tragesystemen für den Einsatz in Operationssälen, auf Intensivstationen und in ambulanten Einheiten wie Diagnosezentren. Bedient werden unter anderem große Firmen wie Philipps und Canon. Hauptproduktionsstandort ist in Hünfeld, wo Ondal 1945 gegründet wurde. Ab 1995 war das Unternehmen als Teil der Wella AG rechtlich selbstständig. 2007 wurde Ondal an die Münchner Findos GmbH verkauft, 2012 kam dann Capvis. Im Ausland ist Ondal mit Standorten für Vertrieb und Montage in den USA und China vertreten. 2017 eröffnete ein Sales Office in Indien. 550 Mitarbeiter arbeiten bei Ondal, in Hünfeld sind es etwa 440.

Hintergrund IK Investment Partners: IK ist eine Gesellschaft schwedischen Ursprungs mit Sitz in London und Niederlassungen in Hamburg, Paris und Stockholm und konzentriert sich auf Investments in Skandinavien, den Benelux-Ländern, Frankreich und den deutschsprachigen Ländern. Seit 1989 hat IK mehr als zehn Milliarden Dollar in mehr als 130 europäische Firmen investiert. Laut Stellungnahme unterstützt IK Unternehmen mit großem Potenzial, um ein „robustes, gut positioniertes Business mit exzellenten Aussichten“ zu erschaffen.

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