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Messer-Attacke in Rückers: Täter muss vier Jahre ins Gefängnis

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda/Rückers - Am Fuldaer Landgericht ist am Donnerstag das Urteil gegen einen 45-Jährigen aus Hünfeld-Rückers gefällt worden: Er muss für vier Jahre und drei Monate ins Gefängnis, weil er mit einem Messer auf seinen Bruder eingestochen hat und dieser beinahe gestorben wäre.

Von unserem Redaktionsmitglied Jessica Vey

Richter Josef Richter ließ den 11. September 2018 in seiner Urteilsbegründung Revue passieren, „ein Tag, an dem ein langjährig schwelender Familienzwist seinen traurigen Höhepunkt fand“: Bruder und Vater des Angeklagten wollten demnach den Traktor des Vaters holen, der sich in einer Garage auf dem Grundstück des Angeklagten befand. Dieser hatte das zuvor untersagt.

15 Zentimeter langes Survival-Messer

Als er Vater und Bruder mit dem Traktor sah, nahm er eine Stehleiter und schlug seinem Vater damit in den Rücken. Außerdem attackierte er ihn mit einer Heckenschere. Der Vater nahm eine Harke und verteidigte sich. Auch der Bruder bewaffnete sich mit einer Holzlatte, die er dem Angeklagten auf den Kopf schlug. Der wiederum trug einen Helm, weil er gerade von einer Fahrt mit dem Roller zurückkam.

Dann verschwand der 45-Jährige im Haus. Der Vater fuhr mit dem Traktor davon. Zurück blieb der Bruder, der noch seine Wohnung abschließen wollte. Er lebte mit dem Angeklagten in einem Haus. Doch bis zu seiner Wohnung kam er nicht. Der Angeklagte kehrte zurück – bewaffnet mit einem 15 Zentimeter langen Survival-Messer.

Drei Liter Blut verloren

Laut den Ausführungen von Richter Josef Richter sagte der Bruder: „Was willst du machen, willst du mich abstechen?“ Daraufhin stieß der Angeklagte seinem Bruder die 15 Zentimeter lange Klinge so tief in den rechten Oberschenkel, „dass er diesen fast durchtrennte“, so der Richter. Er stieß auch in den linken Oberschenkel, in die linke Wade in und den rechten Oberarm. Der Bruder verlor drei Liter Blut. Auf dem Nachbargrundstück waren Männer gerade bei Dachdeckerarbeiten beschäftigt. Sie hörten die Schreie des Bruders. Einer beobachtete die Messerattacke vom Dach aus.

„Nur, weil diese Männer schnell Erste Hilfe leisteten und Decken und Jacken auf die Wunden drückten, ist Ihr Bruder nicht gestorben. Er musste notoperiert werden und leidet noch heute an den Folgen der Tat – er hat immer noch Schmerzen und leidet unter Schlafproblemen“, betonte der Richter.

Kein Tötungsvorsatz erkennbar

Die Kammer ging allerdings nicht von einem Tötungsvorsatz aus. „Zwar spricht die Größe des Messers und die Wucht der Stiche dafür. Aber er hat nicht gezielt in Hals, Brust und Bauch gestochen und die Tat freiwillig abgebrochen“, begründete der Richter. Zudem sei er nicht vorbestraft und hätte sich im Laufe des Verfahrens entschuldigt.

Dass die Sachverständige, die in vorausgegangenen Sitzungen zu Wort kam, eine Psychose feststellte, floss ebenso in die Abwägung mit ein. Sie sprach auch davon, dass nicht auszuschließen ist, dass es eine „erheblich verminderte Schuldfähigkeit“ gibt – sicher konnte sie das nicht sagen, weil der Angeklagte nicht mit ihr gesprochen hatte.

Verteidigung plädierte auf Bewährung

Richter Josef Richter betonte, auch wenn die Tat „ganz nah an einem Tötungsvorsatz dran war“, gelte der Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“. Auch deshalb geht die Kammer von gefährlicher Körperverletzung aus.

Mit dem Urteil folgte der Richter der Staatsanwaltschaft, die eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten gefordert hatte. Die Verteidigung plädierte auf eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung.

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