Tollkühn? Julian Reinhard will mit „Cozy 21“ die Modewelt erobern.
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Tollkühn? Julian Reinhard will mit „Cozy 21“ die Modewelt erobern.

Mit T-Shirts Geld verdienen

Julian Reinhard bringt eigenes Modelabel an den Start 

  • Johannes Götze
    vonJohannes Götze
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Den 15. Mai 2020 wird Julian Reinhard nicht vergessen, schließlich ging für den 21-Jährigen just an diesem Tage sein Lebenstraum in Erfüllung: Der Geisaer stellte einen Shop online, in dem er von ihm entworfene Shirts verkauft. 

Geisa - Sein Modelabel trägt den Namen „Cozy 21“. Zu kaufen gibt es bislang T-Shirts aus seiner ersten Kollektion. Schlicht gehalten sind sie, kommen lediglich in schwarz und weiß daher. Und teilweise sind bei bestimmten Motiven einzelne Größen gar schon vergriffen. „Über 80 Shirts habe ich verkauft“, rechnet er nicht ohne Stolz und mit jeder Menge Selbstvertrauen vor.

So berichtet er, dass gar schon erste Folgebestellungen eingetroffen sind. „Ich will die Menschen mit Qualität und Design überzeugen. Nur wenn das gelingt, habe ich eine reelle Chance am Markt.“

Julian Reinhard gründet Modelabel, um Lebensunterhalt zu bestreiten

Denn Reinhard hat das Label gegründet, um damit später seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Er hat darauf hingearbeitet: zunächst eine Ausbildung zum Industriekaufmann absolviert, in den vergangenen Monaten bei mehreren Firmen gejobbt, „um das nötige Geld für die Gründung zu verdienen“. Ab Oktober wird es ihn nach Erfurt verschlagen: Er nimmt ein Marketing-Studium auf.

Denn neben Qualität sei die Vermarktung der Produkte entscheidend. Dass er Studium und Label parallel mit dem notwendigen Eifer betreiben kann, steht für Reinhard außer Frage. Außerdem sei das Studium ein zweites Standbein. Ein Tagträumer ist der 21-Jährige nicht. Er weiß, dass Erfolg nur ein Stück weit planbar ist. Er nimmt für die Verwirklichung seines Traums Entbehrungen in sonstigen Lebensbereichen gerne in Kauf.

Julian Reinhard gründet Modelabel: Der Weg zum ersten T-Shirt war weit

Was nicht ganz zu seinem Markennamen passt: Cozy ist englisch und heißt so viel wie gemütlich. Mit dem Markennamen verbindet er die Geschichte Gleichaltriger, denn mit 21 Jahren würden viele junge Menschen noch zu Hause leben, hätten gerade die Ausbildung absolviert und könnten sich ein gemütliches, entspanntes und unbeschwertes Leben bereiten.

So sieht „Cozy 21“ das Modelabel von Julian Reinhard, aus.

Der Weg zum ersten T-Shirt war ein weiter: Mehr als 30 Druckereien in Deutschland hätte er kontaktiert, ließ sich zahlreiche Schnitte zukommen, um für ihn das annehmbarste Produkt herauszufiltern. Gemeinsam mit einem Kumpel entwarf er am PC die erste Kollektion.

Diese wollte er zunächst zu Hause veredeln. Doch die Qualität überzeugte ihn nicht, entsprechend verwarf er diesen Gedanken. Nun also werden die Shirts auf Bestellung komplett für ihn produziert. Das Grundprodukt wird in Bangladesch gefertigt und in Deutschland bedruckt.

Julian Reinhard gründet Modelabel und möchte irgendwann in der Türkei produzieren lassen

Kopfschmerzen bereitet ihm das, denn die Arbeitsbedingungen in den überdimensionalen Textilfabriken in Bangladesch gelten nicht selten als menschenunwürdig. „Ich habe mir schon Gedanken gemacht, mir auch Videos aus der Fabrik zukommen lassen“, erklärt er und urteilt, „dass die Bedingungen vergleichsweise human sind“.

Und dennoch steht für ihn fest: „Spätestens ab der dritten oder vierten Kollektion will ich in der Türkei produzieren lassen. Vorher wird das nicht funktionieren, da meine Abnahmemenge relativ gering ist und ich das derzeit nicht anders realisieren kann.“

Julian Reinhard gründet Modelabel: Die zweite Kollektion ist in Mache

Die zweite Kollektion ist derzeit in Mache: Er wolle die erste Produktlinie spiegeln, mehr auf Farben setzen. „Noch deutlich aufwendiger wird das sein“, erklärt er. Um seine Shirts an den Mann zu bringen, konzentriert er sich ausschließlich auf Online-Kanäle. Instagram, ein Soziales Medium zum Teilen von Bildern und Videos, sei das wichtigste Instrument.

Dafür benötigt er Influencer, also Menschen, die mit ihren Bildern auf Instagram viele andere Leute erreichen. Ein befreundetes männliches Model hätte er dafür auch schon gewinnen können. 70 000 Menschen haben den Hamburger auf Instagram abonniert. Vielleicht tragen schon bald die ersten jungen Leute in der Elbmetropole Klamotten aus Geisa.

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