Feuer in Morles: Ein Foto vom Tatabend
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2018 war in Morles Feuer gelegt worden. Jetzt ist im Prozess das Urteil gefällt worden.

Urteil gefällt

Mordanklage wegen schwerer Brandstiftung ist vom Tisch – Mann aus Nüsttal muss nicht in Haft

  • Sabrina Mehler
    vonSabrina Mehler
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Das Aufatmen im Gerichtssaal des Landgerichts in Fulda war deutlich zu hören, als der Vorsitzende Richter Josef Richter das Urteil verkündete: Der 50-jährige Nüsttaler, der der schweren Brandstiftung beschuldigt wird, erhält eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wird.

  • Im Fall einer Brandstiftung in einem Mehrfamilienhaus in Nüsttal-Morles hat das Landgericht Fulda eine Bewährungsstrafe verhängt.
  • Ursprünglich war ein 50 Jahre alter Mann wegen versuchten Mordes aus Heimtücke angeklagt.
  • Im Obergeschoss des Hauses hatte sich zum Zeit der Brandstiftung noch eine Frau mit ihren beiden kleinen Töchtern aufgehalten.

Fulda/Nüsttal - Die Anklage wegen versuchten Mordes ist vom Tisch. Der Mann aus Nüsttal-Morles hatte am 20. Oktober 2018 seine Eigentumswohnung in seinem ehemaligen Elternhaus angesteckt und dadurch eine Frau mit ihren zwei kleinen Töchtern in Gefahr gebracht.

Keine Mord-Anklage nach schwerer Brandstiftung: Bewährung für Mann aus Nüsttal 

Ursprünglich war neben der schweren Brandstiftung auch versuchter Mord angeklagt – diesen Vorwurf hatte Staatsanwalt Andreas Hellmich allerdings schon in seinem Plädoyer am Montag fallen lassen. Auch Richter Josef Richter erklärte am Mittwoch nun, dass die Strafkammer keinen Tötungsvorsatz des Angeklagten erkennen könne.

Zwar müsse der 50-Jährige zum einen gewusst haben, dass sich die Familie zum Tatzeitpunkt in dem Haus aufgehalten habe und zum anderen, dass nach oben steigende Rauchgase gefährlich sein können. Aber er sei überzeugt, dass der Angeklagte den Tod der Personen „nicht billigend in Kauf genommen“ habe, erklärte Richter.

Dies sei aber eine Voraussetzung für eine Verurteilung wegen versuchten Mordes. Das vorrangige Ziel des Beschuldigten sei es gewesen, seine Sorgen mit der sanierungsbedürftigen Wohnung loszuwerden, in der einige Tage zuvor die Decke herabgestürzt war. „Sein Tunnelblick hat ihn zu dieser Kurzschlussreaktion veranlasst.“

Für ein mildes Urteil – der Strafrahmen für schwere Brandstiftung liegt zwischen 1 und 15 Jahren – spreche neben der psychischen Ausnahmesituation („Ich bin durchgedreht“, hatte der Mann ausgesagt) auch, dass der Angeklagte zum Tatzeitpunkt stark alkoholisiert und damit vermindert schuldfähig gewesen war. Von einer starken Alkoholisierung des Mannes hatten mehrere Zeugen vor Gericht gesprochen.

Richter: „Keine konkrete Todesgefahr“ für die Geschädigten

Er sei zudem sofort geständig gewesen, stehe im Alter von 50 Jahren zum ersten Mal vor Gericht und habe bis dahin einen tadellosen Lebenswandel vorzuweisen. „Das Entscheidende war aber für die Kammer, dass er ehrliche Reue und Einsicht gezeigt hat und dass er sich für das, was er getan hat, schämt“, erläuterte der Richter.

Der 50 Jahre alte angeklagte Mann zeigte vor Gericht, so der Richter, ehrliche Reue und Einsicht.

Er verdeutlichte aber auch, dass sowohl der Angeklagte als auch die betroffene Familie großes Glück gehabt hätten: „Eine Brandlegung ist unberechenbar.“ In diesem Fall habe letztlich jedoch „keine konkrete Todesgefahr“ für die Geschädigten bestanden.

Neben Bewährungsstrafe: Angeklagter muss gemeinnützige Arbeit leisten

Denn zum einen habe die Beweisführung ergeben, dass sich der Rauch noch kaum in der Wohnung der Familie ausgebreitet hatte, und dass zum anderen neben der Leiter, die die drei nutzten, auch ein weiterer Fluchtweg über eine Terrasse möglich gewesen wäre. Die 27-Jährige hatte an einem vorherigen Verhandlungstag ihre dramatische Rettung geschildert.

2018 war in Morles Feuer gelegt worden. Jetzt ist im Prozess das Urteil gefällt worden.

Dennoch wies Richter auf die erheblichen psychischen Folgen hin, unter denen die Frau und ihre beiden kleinen Kinder bis heute leiden. Neben der Freiheitsstrafe, für die eine Bewährungszeit von fünf Jahren gilt, wurde dem Angeklagten außerdem 200 Stunden gemeinnützige Arbeit innerhalb eines Jahres auferlegt. Zudem wird er der Geschädigten noch Schmerzensgeld zahlen müssen.

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