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In Nüsttal gibt es die Dorf-Nachrichten per App auf das Smartphone

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Nüsttal - Ob Handarbeitstreff, Weihnachtsbaum-Sammlung oder neue Busfahrpläne: Was gerade in Nüsttal geschieht, können die Bürger und Bürgerinnen jetzt auch über eine Smartphone-App erfahren. Die Gemeinde beteiligt sich am „DorfFunk“, einer digitalen Kommunikationszentrale, die vom Fraunhofer-Institut entwickelt wurde.

Von unserem Redaktionsmitglied Sabrina Mehler

Die neuesten Neuigkeiten wurden früher beim Bäcker, im Tante-Emma-Laden oder beim Frühschoppen in der Dorfkneipe nach dem Kirchgang geteilt. Das ist heute anders: Die einst besuchte Kneipe hat längst zu, die nächste Einkaufsmöglichkeit ist viele Kilometer entfernt und auch der Arbeitsplatz weit weg. Vom Dorfleben bekommt manch einer heute gar nicht mehr viel mit. Das ist auch in Nüsttal so, aber die Gemeinde probiert gerade eine digitale Anwendung für Smartphone oder Tablet aus, um die Kommunikation im Ort zu stärken.

Und das wird rege genutzt: Momentan plaudern rund 300 Nüsttaler*innen miteinander. Eben erst hat Peter B. ein Bild von seinem „schönen Schaukelpferdchen aus Massivholz“ hochgeladen, das er verkaufen möchte, da blinkt schon eine neue Mitteilung der Nüsttaler Verwaltung: Die Lokale Nahverkehrsgesellschaft hat ihre Busfahrpläne überarbeitet. Wer sich die neue App auf sein digitales Endgerät geladen hat, ist ab sofort mit einem Wisch über das Wichtigste informiert, was in der Gemeinde passiert.

Entwicklung vom Fraunhofer-Institut

Die App hat das Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering (IESE) entwickelt. Die Forschungsorganisation hatte sich zuvor die Frage gestellt, wie die digitale Kommunikation bei der Verbesserung des Miteinanders im Dorf helfen kann. Herausgekommen ist der DorfFunk, mit dem Informationen schnell und unkompliziert weitergegeben werden sollen.

Nüsttals Bürgermeisterin Marion Frohnapfel (CDU) war Anfang 2019 zu Besuch beim Institut in Kaiserslautern. Denn auch sie und der Gemeindevorstand hatten überlegt: Wie bringen wir die Menschen zueinander? Wie können wir moderne Medien nutzen, um die Kommunikation aufrecht zu erhalten?

Nutzer können miteinander chatten

„Ein Argument für die App war auch, dass die Verwaltung kurzfristig Meldungen einstellen kann, etwa wenn es einen Wasserrohrbruch gibt oder eine Straße gesperrt werden muss“, erklärt die Bürgermeisterin. Und die Kosten für die Anwendungen seien überschaubar. Nüsttal ist nun einer der Vorreiter-Gemeinden: In ganz Hessen hat nur noch Oberweser die App erworben. Weitere Kommunen dürften aber folgen.

In die App fließen zum Beispiel lokale Nachrichten von der gemeindlichen Webseite ein. Nutzer können miteinander chatten, Vereine ihre Veranstaltungen bekanntgegeben. Es gibt eine Art Online-Marktplatz, auf dem Käufer Waren erwerben oder Händler Waren anbieten können.

Die Möglichkeiten der Nutzung sind vielfältig: So haben zum Beispiel die Lichterfest-Freunde Morles kürzlich zum Wintergrillen eingeladen und der Heimat- und Kulturverein Mittelaschenbach zum Spielenachmittag. Außerdem sucht die Hofaschenbacher Bäckerei Fahrer für die Brötchentour.

Digitale Revolution in Nüsttal

Platz für Grüße und Glückwünsche ist auch: Die Weihnachtskapelle, der Ortsbeirat und der Heimat- und Geschichtsverein Silges wünschten neulich frohe Weihnachten. Der DorfFunk ist zur digitalen Kommunikationszentrale geworden.

Das Angebot sei frisch, die Nutzer probierten sich noch aus, sagt Frohnapfel. Zur Handhabung der App hatte es vor Weihnachten eine Informationsveranstaltung gegeben, weitere sollen folgen: „Wir wollen die Verbreitung weiter intensivieren. Je mehr Menschen wir erreichen, desto positiver ist das.“ Die Möglichkeiten der App können noch ausgebaut werden, regt Frohnapfel an: „Man kann zum Beispiel auch fragen, wer einen heute um 14 Uhr von Hünfeld mit nach Hause nehmen könnte.“ So geht digitale Revolution in Nüsttal.

Hintergrund: Die Anwendung kann im App Store oder im Google Play Store auf das mobile Endgerät wie Smartphone oder Tablet heruntergeladen werden. Nach der Installation erfolgt eine unkomplizierte Registrierung mit Klarnamen und wenn gewünscht mit Bild. Mit Auswahl der Heimatadresse und der Empfangsstärke kann jeder Nutzer sein Heimatdorf einstellen und entscheiden, aus welchem Radius er Informationen und Chats empfangen möchte. Die App ist für die Nutzer*innen kosten- und werbefrei.

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