„Gänsehöfchen“-Chefin Margarete Brehm vor Plakaten mit Bildern der Gäste der „Huthappenings“.
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„Gänsehöfchen“-Chefin Margarete Brehm vor Plakaten mit Bildern der Gäste der „Huthappenings“.

Nicht nur wegen Corona

Aus für das „Gänsehöfchen“ in Oberstoppel nach 21 Jahren - Inhaberin: Herz sagte Nein, Kopf sagte Ja

  • Hartmut Zimmermann
    vonHartmut Zimmermann
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„Wegen Corona vorübergehend geschlossen“, so kann man es noch im Aushangkasten des „Gänsehöfchens“ lesen. Doch das Schild lügt: Mit dem 31. Dezember hat Inhaberin Margarete Brehm das heimelige Café in Oberstoppel geschlossen. Auch, aber nicht allein „wegen Corona“.

Oberstoppel - „Ich habe lange mit mir gerungen – und am Ende diesen Entschluss getroffen“, sagt Margarete Brehm. Die Frage habe sie auch mit Blick auf ihr Alter – „in meiner Geburtsurkunde steht 1953!“ – schon länger im Kopf gehabt. Allerdings hätten die Corona-Einschränkungen den Entscheidungsprozess beschleunigt. Das Herz sagte „Nein“, der Kopf sagte „Ja“ – und letztlich sei sie der Stimme der Vernunft gefolgt.

Damit kam das Aus für das „Gänsehöfchen“ nach 21 Jahren. „Das Café auf die Beine zu stellen und dann zu betreiben – das hat mir viel Freude gemacht“, sagt Brehm. Aber weil sich in der Familie keine Nachfolge abzeichnete und dann vom März an massive Corona-Einschränkungen das Geschäft erschwerten, sei die Entscheidung gefallen.

Oberstoppel: Nach 21 Jahren kam das Aus für Margarete Brehms „Gänsehöfchen“ 

Wer in den vergangenen Jahren das Café und den im angrenzenden Haus gelegenen Gastraum besucht hat, der kann sich kaum vorstellen, wie das Gebäude-Ensemble vor der Café-Werdung ausgesehen hat. Ein Bilderrahmen mit „Vorher-Fotos“ erinnert daran. Das Haus hatte einer ledigen älteren Verwandten gehört. Von ihr kauften es die Brehms im Jahr 1996 und bauten es mit viel Liebe zum Detail zum heutigen Café um. Die Tatsache, dass Brehms Mann ein Baugeschäft führte, erleichterte die Entscheidung, den denkmalgeschützten Gebäudekomplex einer neuen Nutzung zuzuführen. (Lesen Sie hier: Telefonische Bestellungen im Trend: Ladeninhaber stellen sich auf Corona-Lockdown ein).

Auch für Margarete Brehm war die Entscheidung für die Gastronomie irgendwie naheliegend: Die Hauswirtschaftsmeisterin hatte vor den Jahren der Kindererziehung die Küche und Hauswirtschaft der Heimvolkshochschule Burg Fürsteneck geleitet. „Ich habe mich richtig auf das neue Kapitel vorbereitet und unter anderem eine einjährige Weiterbildung gemacht: „Frauen qualifizieren sich für den ländlichen Tourismus“, so hieß das, erinnert sie sich. Mit Besuchen in vielen anderen Häusern habe man sich zudem informiert, um den eigenen Weg zu finden.

Margarete Brehm: „Ich hatte von Anfang an zwei Frauen, die in der Küche mitgeholfen haben“

1999 wurde dann das Café eröffnet. „Ich hatte von Anfang an zwei Frauen, die in der Küche mitgeholfen haben, eine aus Unter-, die andere aus Oberstoppel. Das waren wirklich treue Seelen und jeden Sonntag präsent, wenn wir sie brauchten“, berichtet Brehm. Was im Café oder bei Feiern auf den Tisch kam, wurde auch im Haus gebacken oder gekocht – für die Hauswirtschaftmeisterin Ehrensache.

Klar, dass das Café samt dem Biergarten dahinter gerade bei Ausflugs- und Wanderwetter gut besucht war. „Wir haben sofort gemerkt, wenn der Wetterbericht im Hessen-Fernsehen schlecht war – selbst wenn draußen die Sonne schien“, berichtet Brehm. Aber auch eigene Aktionen ließen viele Besucher zu Stammgästen werden. Dazu zählen die über mehrere Jahre immer wieder angebotenen „Huthappenings“, aber auch Ausstellungen und Kleinkunst-Märkte und das beliebte „Kräppel-Essen“ am Rosenmontag. Ein Großteil der Stammgäste sei aus den nahe gelegenen Orten Steinbach, Rothenkirchen und Burghaun gekommen. Im Gegensatz zu Wanderern seien Radfahrer eher rar gewesen. „Das würde sich in Zeiten der E-Bikes vielleicht ändern“, vermutet Brehm – doch das ist jetzt nicht mehr so wichtig.

Eigene Aktionen ließen viele Besucher zu Stammgästen

Wie es nun weiter geht, ist offen: „Ich würde mich freuen, wenn sich jemand findet, der das Haus weiter betreiben möchte“, sagt Brehm und betont, ihr liege vor allem daran, eine langfristig gute Lösung zu finden.

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