Bis Juni 2021 werden bei Ondal nach Angaben aus dem Betriebsrat 80 Stellen wegfallen.
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Bis Juni 2021 werden bei Ondal nach Angaben aus dem Betriebsrat 80 Stellen wegfallen.

Bis Juni 2021

Personalabbau bei Ondal: Belegschaft schrumpft um fast 18 Prozent

  • Hartmut Zimmermann
    vonHartmut Zimmermann
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Der Personalabbau beim Hünfelder Medizintechnik-Hersteller wird deutlich einschneidender sein als bislang mitgeteilt:Bis zum Sommer 2021 werden insgesamt 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehen müssen. Das berichtet Betriebsratsvorsitzender Berthold Göllmann auf Anfrage unserer Zeitung.

Hünfeld - Die seitens der Geschäftsführung mitgeteilte Zahl von 30, 31 Kündigungen sei richtig, sagt Göllmann. Doch das Unternehmen werde weitaus mehr Mitarbeiter verlieren. Durch den Wegfall von Leiharbeiter-Stellen, das Auslaufen befristeter Verträge und Vorruhestands-Lösungen sei der Personalabbau deutlich stärker:Bis zum Ende des mit den Juni 2021 endenden Geschäftsjahrs würden insgesamt 80 Stellen wegfallen. Nimmt man die bis heute auf der Ondal-Internetseite verkündete Zahl von 450 Beschäftigten in Hünfeld als Basis, bedeutet das ein Schrumpfen der Belegschaft um 17,8 Prozent.

Auch wenn er die Politik der Geschäftsführung nachvollziehen könne, mit Personalverringerungen auf die Auswirkungen der „Corona-Delle“ zu reagieren, sei die Situation für den Betriebsrat belastend.

Ondal-Betriebsrat: 31 Kündigungen wegen Personalabbau besonders schmerzhaft

In Gesprächen mit der Unternehmensführung habe man einen Sozialplan für die Kolleginnen und Kollegen vereinbart, die von Kündigungen betroffen sind. Darin sind unter anderem Vereinbarungen über Abfindungen festgeschrieben. Die Geschäftsleitung sei immer zu Gesprächen bereit gewesen, sagt Göllmann, der seit zwölf Jahren Betriebsratsvorsitzender ist.

Die 31 Kündigungen seien auch deshalb besonders schmerzhaft, weil auch Kolleginnen und Kollegen betroffen seien, von denen manche schon 30 Jahre im Betrieb seien.

Mit Blick auf den Arbeitsmarkt in der Region werde es für viele der Mitarbeiter aus dem gewerblichen und kaufmännischen Bereich oder auch für Entwicklungsingenieure wohl schwierig werden, in der Region angemessene Arbeitsplätze zu finden, betont Göllmann und verweist auf Personalabbau bei den Fuldaer Gummiwerken und der Herbert KG in Hünfeld. „Wer in dieser Situation gerade einen Bauplatz gekauft oder schon gebaut hat, der steht vor einem Problem.“

Nach Übernahme: Finanz-Kennzahlen und Ergebnisse auch während der Corona-Pandemie im Blick

Auch die Leiharbeiter, von denen man sich bereits in den vergangenen Monaten getrennt habe, habe er als Betriebsrat im Blick: „Die haben hier ja auch gute Arbeit geleistet“, betont er. Das gelte auch für Kolleginnen und Kollegen mit nun auslaufenden befristeten Verträgen.

Göllmann stellt die Entwicklung aber auch in einen anderen Rahmen. „Auch wenn man das in der Geschäftsleitung wohl nicht bestätigen wird: Der Kurs hängt auch damit zusammen, dass wir einem Finanzinvestor gehören.“ Ondal, bis dahin unter dem Dach der Schweizer Capvis AG, war im Januar von der Londoner Gesellschaft IKInvestment Partners gekauft worden. „Gerade nach so einer Übernahme schaut man doch auf die Finanz-Kennzahlen und will Ergebnisse sehen.“ Die gewünschten Gewinne zu erwirtschaften, sei infolge der Corona-Auswirkungen deutlich erschwert – werde aber wohl dennoch erwartet.

Geschäftsführer Bernd Fabian bestätigt auf Fragen der Redaktion, dass Ondal, wie im Januar angekündigt, dabei sei, Produkte im Bereich Magnetresonanz-Technik (MRT) zu entwickeln. Damit werde man im kommenden Jahr auf den Markt gehen. Zudem habe man das bestehende Portfolio insgesamt überarbeitet – damit sei keines der Ondal-Produkte älter als vier Jahre.

Lesen Sie hier: IHK Fulda bedauert Stellenabbau bei Ondal: Situation kann für einzelne Branchen „sehr kritisch“ sein

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