Foto: Winfried Möller

Passionskonzert des Rhein-Ensembles in der Stiftskirche begeisterte

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
    schließen

Rasdorf/Fulda - Man konnte die Spannung nahezu mit Händen greifen: Die letzten Akkorde verhallten, und erst nach einem Moment der Stille setzte der Applaus ein. Der wollte dann aber beinahe kein Ende finden: Das Publikum war begeistert von den Darbietungen des Rhein Vokalensembles.

Von unserem Redaktionsmitglied Hartmut Zimmermann

Es war keine leichte Kost, die die 20 Musiker um Chorleiter Erik Reinhardt geboten hatten. Das ließ schon der Titel der Passionsmusik erwarten: „Zwischen Zerstörung und Aufbruch – Was bleibt in diesen Zeiten?“ hatte über der Musik und den Texten dieses Nachmittags gestanden.

Voller Chorklang erfüllt die Stiftskirche

Mit der Reger-Motette „Der Mensch lebt und bestehet nur eine kleine Zeit“ eröffneten die 19 Sängerinnen und Sänger das Programm. Schon bei diesem romantischen Chorwerk wurde offenbar, mit welcher Qualität das Ensemble aufwartete. Scheinbar mühelos setzten sie die harmonisch fordernden Passagen des Stücks um und gestalteten, von Erik Reinhardt bestens unterstützt und geführt, das Werk auch mit sehr einfühlsamer Dynamik: Der volle, den Raum füllende Chorklang war ebenso ein Genuss wie das feine Pianissimo, das nie seine Spannung verlor.

Auch Greta Thunberg hat einen Auftritt

Beeindruckend war auch das Wechseln in Jahrhunderte von einander entfernte Klangwelten: Nach dem Werk aus dem frühen 20. Jahrhundert erklang das „Tristis est anima mea“ von Orlando di Lasso (1532 - 1594) ebenso überzeugend wie die Motette „Wie liegt die Stadt so wüst“, in der Kreuzchor-Kantor Rudolf Mauersberger (1889 - 1971) gleich nach dem Zweiten Weltkrieg die Zerstörung seiner Heimatstadt Dresden beklagt.

Eher Ergänzungen in einer anderen Dimension als Kontraste boten die Texte, die Mitglieder des Chors rezitierten. „Ich will eure Hoffnung nicht, ich will, dass ihr in Panik geratet, dass ihr die Angst spürt, die ich jeden Tag spüre“, hieß es unter anderem in der Rede Greta Thunbergs vor dem Weltwirtschaftsgipfel 2019 in Davos. Dort appellierte sie mit den Worten „Unser Haus brennt“ an die Mächtigen aus Wirtschaft und Politik.

Verantwortung der Menschen im Mittelpunkt

Nach „Vide homo“ von di Lasso und Heinrich Schütz‘ Motette „Gib unsern Fürsten und Obrigkeit Fried und gute Regiment“ stellten Texte aus den Tischreden des Reformators Martin Luthers und eine Passage aus Dietrich Bonhoeffers in der Nazi-Haft verfassten Texten die Kraft von Glauben und Gottvertrauen in den Vordergrund. Der letzte der Texte, Auszüge aus Papst Franziskus‘ Enzyklika „Laudato si“, stellte die Bedrohtheit der Schöpfung und die Verantwortung der Menschen eindringlich in den Mittelpunkt.

Großer Beifall für Vokalensemble

Zuvor hatte der Chor sein Publikum mit dem „Miserere mei“ von Gregorio Allegri (1582 - 1652) geradezu verzaubert – nicht zuletzt durch die faszinierenden Stimmen des Favorit-Chors, der auf die Tutti-Passagen des Psalmgesangs antwortet.

Mit höchst anspruchsvollen Werken von Knud Nystedt (1915 - 2014), Josef Ahrend (1904 - 1997) und der Motette „Schaffe in mir Gott, ein reines Herz“ von Johannes Brahms (1833 - 1897) endete das Konzert. Der Chor verabschiedete sich von seinem überaus beeindruckten, ausgiebig Beifall spendenden Publikum mit Josef Gabriel Rheinbergers „Bleib bei uns Herr“.

Mit dem selben Programm hatten Reinhardt und der Chor bereits am Samstagnachmittag in Fuldas Christuskirche ihr (überschaubares) Publikum begeistert.

Das könnte Sie auch interessieren