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Point Alpha: Personalfragen und Finanzprobleme müssen gelöst werden

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Rasdorf/Geisa/Fulda - Mehr als ein Jahr nach der Trennung von Stiftungsdirektorin Ricarda Steinbach ist eine Neubesetzung in der Grenzgedenkstätte Point Alpha in Sicht. „Ziel ist es, das Besetzungsverfahren noch in diesem Jahr abzuschließen“, sagte der Stiftungsratsvorsitzende, der Fuldaer Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld (CDU).

Für die Neubesetzung habe der Stiftungsrat auf der Basis einer öffentlichen Ausschreibung einen Personalvorschlag erarbeitet, sagte Wingenfeld. Aktuell werde die Personalie mit Thüringen und Hessen abgestimmt. „Dabei geht es insbesondere um die Frage, wie für die Finanzierung qualifizierter Kräfte langfristig Planungssicherheit gewährleistet werden kann.“

Die hauptamtliche Direktorin Ricarda Steinbach hatte im Juni 2018 nach internen Differenzen ohne Angaben von Gründen in der Öffentlichkeit ihr Amt aufgegeben. Aus der Gedenkstätte hieß es, sie sei von Teilen des Stiftungsrates angefeindet worden.

Fristlose Kündigung

Es soll dabei um die inhaltliche Ausrichtung der Arbeit der Gedenkstätte gegangen sein. Die Ziele der früheren Direktorin waren unter anderem, Point Alpha zu einem Begegnungsort zu machen, neue Zielgruppen bei den Besuchern zu erschließen und Kooperationen zu gründen.

Im November 2018 wurde Steinbach fristlos gekündigt. Seither steht sie mit der Stiftung in einem juristischen Streit, wie Wingenfeld sagte. Ende 2019 komme es zu einem Termin vor dem Arbeitsgericht Suhl, bestätigte Steinbach.

Finanzen sind heikles Thema

Ihr Fortgang hatte hohe Wellen geschlagen und für Querelen gesorgt. Auch Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats, des Stiftungs- und Programmbeirates traten zurück.

Neben der Personalie sind auch die Finanzen ein heikles Thema: Die Handlungsfähigkeit der Stiftung sei gegenwärtig zwar gesichert, betonte Wingenfeld. „Allerdings leidet die Stiftung wie fast alle Stiftungen in Deutschland unter dem anhaltenden Niedrigzinsklima.“

Stärkere Unterstützung durch Hauptstifter

Bei der Gründung im Jahr 2008 erschien das Stiftungskapital von knapp zehn Millionen Euro als angemessen, wie Wingenfeld sagte. Damit sollen vielfältige Aufgaben erfüllt werden: die Bewahrung des Orts und der Gebäude, die Entwicklung der Ausstellungen, die Bildungsarbeit und die Förderung der Wissenschaft.

„Leider sieht die Realität heute anders aus. Aufgrund der niedrigen Zinsen stehen im Vergleich zu 2008 weniger als die Hälfte der Mittel zur Verfügung - und das bei gestiegenen Sach- und Personalkosten.“ Daher werde künftig eine noch stärkere Unterstützung durch die Hauptstifter erforderlich sein.

Rückgang der Besucherzahlen

Point Alpha bittet deswegen Hessen und Thüringen um mehr Geld: „Die Stiftung ist derzeit in konkreten Gesprächen mit den Landesregierungen, um Wege zu finden, diese Unterstützung auszubauen und zu verstetigen“, sagte Wingenfeld. Grundsätzlich sei der Blick auf Point Alpha aber optimistisch.

Zuletzt gingen die Besucherzahlen aber von 90.000 (2017) auf 75.000 Besucher (2018) zurück. Für das laufende Jahr rechnet Wingenfeld wieder mit einem Anstieg – und mehr Geld in der Kasse. / dpa

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