Zuversichtlich trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten: Roman Smolorz (links) und Sebastian Leitsch.
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Zuversichtlich trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten: Roman Smolorz (links) und Sebastian Leitsch.

Frage der Finanzierung

„Unbelastet an die Arbeit gehen“: Wie Leitsch und Smolorz die Point Alpha-Stiftung leiten wollen

  • Harry Wagner
    vonHarry Wagner
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Mit Sebastian Leitsch besitzt die Point Alpha-Stiftung wieder einen hauptamtlichen Vorstand. Leitsch als Geschäftsführer steht Dr. Roman Smolorz als Stellvertreter zur Seite. Der gebürtige Pole ist zugleich Wissenschaftlicher Leiter der Stiftung. Beide freuen sich auf die Arbeit mit einem „jungen, neugierigen Team“. Die gute Stimmung wird allerdings durch die wirtschaftliche Ungewissheit getrübt.

Geisa - Denn das Duo ist in einer Situation angetreten, in der noch immer in Frage steht, wie sich die Stiftung dauerhaft finanzieren kann. Point Alpha kämpft bei den Ländern Hessen und Thüringen um eine institutionelle Förderung und damit auch wirtschaftliche Sicherheit. „Das Überleben der Stiftung auf längere Sicht wäre andernfalls nicht möglich“, betont Geschäftsführer Sebastian Leitsch (35) erneut, was nicht zum ersten Mal aus dem Geisaer Schloss zu vernehmen ist. Schließlich sei es ja auch keine Option, Stiftungskapital zur Gewährleistung der Liquidität einzusetzen oder gar Grundbesitz, ergo die Gedenkstätte, zu verkaufen.

Sein Stellvertreter Roman Smolorz (53), als Wissenschaftlicher Leiter der Stiftung schon qua Amt an Langfristigkeit interessiert, pflichtet bei: „Es ist eine Lösung notwendig. Hier arbeiten junge, motivierte Menschen. Aber ohne die entsprechende Finanzierung wird man auf Dauer kein gutes und engagiertes Personal haben.“ 14 Vollzeitstellen bietet die Stiftung. Doch bei aller Dringlichkeit wollen die Geschäftsführer den „in Gang gekommenen Prozess“ (Leitsch) mit den Bundesländern nicht durch lärmende Lamenti unterminieren, wenngleich der satzungsgemäß verankerte Bildungsauftrag der Einrichtung die Notwendigkeit der Forderungen diktiert.

Wie Leitsch und Smolorz die Point Alpha-Stiftung leiten wollen

Zur Person

Sebastian Leitsch

Der Diplom-Staatswissenschaftler mit einem Bachelor of Public Administration wurde am 10. Januar 1985 in Fulda geboren und ist verheiratet. Sein Abitur absolvierte er 2004 am Marianum. Nach seinem Grundwehrdienst folgte eine Ausbildung zum Marineoffizier. Er studierte an der Uni der Bundeswehr in München und an der Hochschule für Polizei und Verwaltung in Kassel. Vor seinem Engagement bei der Point Alpha Stiftung (09/20) absolvierte Leitsch eine Laufbahnausbildung für den gehobenen nichttechnischen Verwaltungsdienst beim Landkreis Fulda.

Dr. Roman Smolorz

Der verheiratete Familienvater wurde am 18. September 1967 in Beuthen/Polen geboren. Die Hochschulreife erwarb er auf dem Bayernkolleg in Schweinfurt. Es folgte das Studium der Geschichts- und Rechtswissenschaft sowie der West- und Südslawischen Philologie an der Uni Regensburg, wo er später in verschiedenen wissenschaftlichen Funktionen arbeitete. Vor Point Alpha war Smolorz wissenschaftlicher Mitarbeiter der Uni Köln.

Zwei Haupt-Themenbereiche sind es, denen sich die Stiftung verpflichtet sieht: „Einmal der Sachbereich innerdeutsche Grenze und alles, was damit zusammenhängt. Und dann wollen wir auch Angebote zu den aktuellen politischen Themen machen“, erklärt Smolorz. So ist eine Abendveranstaltung zu den bevorstehenden Wahlen in den USA geplant – in der Point-Alpha-Akademie, auf deren Existenz man in Geisa und Rasdorf besonders stolz ist.

Der Stolz auf die Point-Alpha-Akademie

Smolorz: „Keine andere Gedenkstätte verfügt über eine Akademie.“ Diese von der gemeinnützigen GmbH geführte Einrichtung, verbunden mit dem von der Stadt Geisa betriebenen Hotel, richte sich an alle, die in teils mehrtägigen Veranstaltungen mit Übernachtung längerfristiger in ein Thema eintauchen wollen.

Lesen Sie hier: Festakt auf Point Alpha zu 30 Jahren Deutscher Einheit

Natürlich braucht es für die Ausarbeitung und Organisation des Bildungsprogramms auch Kooperationspartner: Stiftungen der Parteien sind im Boot, Leitsch schließt hier lediglich die Zusammenarbeit mit AfD und Linken aus. Doch auch das Fuldaer Bonifatiushaus sei ein willkommener Partner, ebenso wie Burg Fürsteneck, deren Gäste gerne ein bis zwei Tage Zeit auf Point Alpha bei den eigens zusammengestellten Seminarprogrammen verbrächten. Und natürlich die Bundeszentrale und die Landeszentralen für Politische Bildung. Letztere tragen auch zur Finanzierung des vielbeachteten Projekts der „Zeitzeugengespräche“ bei.

Noch gibt es sie, 30 Jahre nach dem Fall der Mauer, diese Zeitzeugen, die von der Stiftung nicht aktiv gesucht oder angesprochen werden, sondern von denen man hofft, dass sie sich melden – was sie derzeit auch noch tun. Sollte dies einmal nicht mehr der Fall sein, empfehle sich, so Smolorz, beispielsweise ein Gedankenaustausch mit Gedenkstätten wie Buchenwald, wo die Rekonstruktion der Ereignisse nicht mehr mithilfe der Erzählungen (Über-) Lebender gelingt und sie daher durch andere Darstellungsformen ersetzt werden muss.

Point Alpha kann Arbeit der Schulen ergänzen

Das Interesse der jungen Menschen an der Thematik sei vorhanden, auch wenn vielfach eine verblüffende Unkenntnis über die Ereignisse rund um die Wiedervereinigung herrsche. Smolorz unterstreicht, dass die Bildungsarbeit auf Point Alpha nicht die Lehrpläne der Schulen ersetzen könne. „Wenn jemand unvorbereitet kommt, können wir in zwei, drei Stunden auch nicht alles vermitteln. Wenn die Themen in der Schule behandelt worden sind, dann sind wir in der Lage, sie zu vertiefen.“ Leitsch sieht es auch als künftige Aufgabe der wissenschaftlichen Arbeit bei Point Alpha, herauszufinden, was junge Menschen besonders interessiert.

Da ist er also wieder, der Bildungsauftrag. Das Führungsduo fühlt sich ihm verpflichtet, würde dabei gerne nur nach vorne blicken und Stiftungs-Querelen der Vergangenheit ignorieren: „Damit haben wir keine persönliche Berührung. Wir wollen unbelastet und mit neuem Schwung an die Arbeit gehen“, bekräftigt der Verwaltungsexperte Leitsch, und Smolorz ergänzt: „Wir alle müssen noch dazulernen.“ Zumindest ein „alter Hase“ wird sie noch ein paar Wochen unterstützen: Berthold Jost aus dem bis dato ehrenamtlichen Vorstand. Leitsch: „Es war klar, dass die ehrenamtliche Führung nur eine Lösung auf Zeit sein konnte. Aber es verdient absolute Hochachtung und Respekt, was die Herren Fennel und Jost in diesen zwei Jahren geleistet haben.“

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