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Für die Zukunft haben der Wissenschaftliche Leiter Roman Smolorz (von links) sowie die Vorstände Berthold Jost und Eberhard Fennel viele Pläne.

Nur noch bis Mitte Juni liquide

Point Alpha Stiftung erwartet finanzielle Unterstützung der Länder

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Seit mehreren Jahren kämpft die Point Alpha Stiftung mit finanziellen Problemen, die durch die Corona-Pandemie weiter verschärft werden. Ein Konzept, das die Vorstände Berthold Jost und Dr. Eberhard Fennel erarbeitet haben, nimmt nun insbesondere die Länder in die Pflicht.

Point Alpha - Eintrittsgelder, Stiftungserträge, Förderungen: Durch diese drei Säulen finanziert sich die Point Alpha Stiftung. Die Einnahmen durch den Eintritt waren bis vor kurzem noch ein Grund zur Freude, denn 2019 besuchten 75 000 Gäste Point Alpha – das ist ein Plus von sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Und in diesem Jahr kamen bis Mitte März schon 3300 Besucher mehr als im gleichen Zeitraum 2019.

Doch das Coronavirus hat diese schöne Entwicklung „auf einen Schlag kaputt gemacht“, erläutert Fennel. Die Gedenkstätte musste ihre Pforten schließen. Dabei hatte die Stiftung für dieses Jahr mit rund 400 000 Euro Eintrittsgeldern gerechnet. In starken Monaten wie März kommen sogar 50 000 Euro Eintrittsgelder zusammen. Diese fehlen nun.

Spendeneinnahmen können Verlust nicht auffangen

Zwar sind zuletzt die Spendeneinnahmen gestiegen – unter anderem sind der Förderverein und die regionalen Banken große Stützen –, aber selbst das kann den Verlust nicht auffangen. Zudem geht es der Gedenkstätte wie vielen anderen Stiftungen: Wegen der Niedrigzinsen haben sich die Stiftungserträge mehr als halbiert.

Früher lagen diese Beträge bei 400 000 Euro im Jahr, heute dümpeln sie nur noch bei rund 160 000, erklärt Eberhard Fennel, der von einem „Zusammenbruch der Finanzmärkte“ spricht, der in der Coronakrise die Situation noch verschlimmert. Der Wertverlust beim Stiftungskapital, das teilweise in Aktien angelegt ist, liege mittlerweile bei 1,6 Millionen Euro.

Antrag auf Soforthilfe bereits bewilligt

„Wir sind blank und brauchen dringend Hilfe vom Bund und den Ländern Hessen und Thüringen“, sagt Fennel. Die Stiftung sei nur noch bis Mitte Juni liquide. Immerhin sei ein Antrag auf Soforthilfe beim Land Thüringen in Höhe von 20 000 Euro bewilligt worden.

Leider sei eine Besonderheit der Point Alpha Stiftung mittlerweile zu einem Nachteil geworden: Anders als andere Stiftungen erhält sie keine Grundfinanzierung durch eine institutionelle Förderung. „Das war bei der Gründung nicht vorgesehen, um unabhängig bleiben zu können“, erklärt Fennel.

Nun führe daran kein Weg mehr vorbei. Das bedeutet aber, dass die Einflussmöglichkeiten der Länder größer werden: Künftig werden je zwei offizielle Vertreter der Länder im Stiftungsrat vertreten sein. Beide Rechnungshöfe haben Prüfungsrecht, und auch den Wirtschaftsplänen müssen Hessen und Thüringen zustimmen. „Die große Freiheit ist damit weg, die Verflechtung mit den Ländern wird enger“, urteilt Fennel. Die damit einhergehende Neufassung der Stiftungssatzung müssen die Staatskanzleien noch genehmigen.

Weitreichende Pläne für die Zukunft

Schon vor der Coronakrise hatte Stiftungsratsvorsitzender Dr. Heiko Wingenfeld die Länder um Unterstützung gebeten und den zusätzlichen Bedarf auf eine halbe Million Euro geschätzt. „Durch Corona wird dieser Betrag noch einmal erheblich steigen“, betonen Fennel und Jost.

Hinzu kommt, dass der Vorstand und der neue Wissenschaftliche Leiter, Dr. Roman Smolorz, weitreichende Pläne für die Zukunft entwickelt haben: zum Beispiel das Veranstalten von mehr wissenschaftlichen Symposien und die Intensivierung der internationalen Kontakte mit Südkorea und den USA. „Bisher hatte die Stiftung nie genug Ressourcen, um ihren Stiftungsauftrag tatsächlich komplett umzusetzen“, verdeutlicht Fennel. Voriges Jahr sei zwar ein Mitarbeiter in Südkorea gewesen, aber nur, weil das die Hanns-Seidel-Stiftung gezahlt habe. „Wir selbst können uns vieles nicht leisten.“ Das soll künftig etwas anders werden, hofft der Vorstand.

Investitionen bleiben auf Agenda - trotz Corona

Auch viele geplante Investitionen bleiben trotz Corona auf der Agenda: So soll die Gedenkstätte umfassend modernisiert werden, dazu gehören beispielsweise die Überarbeitung der Webseite, die Erneuerung des Kassenhauses im US-Camp und die Erstellung einer neuen Image-Ausstellung. Im kommenden Jahr ist eine Sonderausstellung zum 70. Gründungsjubiläum des Bundesgrenzschutzes geplant.

Und weiterhin bleibt das Ziel, dem sich Jost und Fennel seit rund zwei Jahren verschrieben haben, die Verwaltung zu ordnen. „Das war bisher ein Knochenjob“, sagen beide. Aber die größten Baustellen seien beseitigt: „Es ist Licht am Ende des Tunnels.“

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