„Jetzt wächst zusammen was zusammengehört“ und „Wir sind ein Volk“: Das Team der Point-Alpha-Gästeführer sorgt dafür, dass diese Sätze auch in Zukunft richtig verstanden und eingeordnet werden.
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„Jetzt wächst zusammen was zusammengehört“ und „Wir sind ein Volk“: Das Team der Point-Alpha-Gästeführer sorgt dafür, dass diese Sätze auch in Zukunft richtig verstanden und eingeordnet werden.

Intensive Ausbildung

Erinnerung lebendig erhalten: Point-Alpha-Stiftung schult Gästeführer-Nachwuchs

  • Hartmut Zimmermann
    vonHartmut Zimmermann
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„Erinnerung weitergeben“, „dem Vergessen entgegenwirken“, „die nächste Generation informieren“ – so oder ähnlich beschreiben Menschen, die sich derzeit zu ehrenamtlichen Gästeführerinnen und -führern ausbilden lassen, ihre Beweggründe, an dem Kursus teilzunehmen.

Point Alpha - Im Januar hatte die Stiftung eingeladen, um die Interessierten über den Lehrgang zu informieren, der eigentlich im Mai hätte beendet sein sollen. Dann kam Corona – und ein neuer Terminplan. Nun wird der Kursus, in dem 16 Menschen aus grenznahen Orten in Hessen und Thüringen ausgebildet werden, statt im Mai erst Mitte August enden.

Wissen um die Weltgeschichte und deren Auswirkung in der Region des „Eisernen Vorhangs“ sind ein Kern der inhaltlich fordernden und zeitintensiven Ausbildung. „Der Kalte Krieg und das Fulda Gap“ ist der Abend überschrieben, an dem ich in den Kursus hineinschnuppern darf. „Postdamer Konferenz“, Korea-Krieg“, Vier-Mächte-Abkommen“, „Nachrüstungsdebatte“, Friedensbewegung“ – es ist Geschichtsunterricht im Zeitraffer.

Frederic Thümel, Wissenschaftlicher Volontär der Stiftung, versorgt die Gruppe mit Fakten und hilft, diese historisch einzuordnen, verweist auf Literatur und prüfungsrelevante Fragen. Und weil jede Führung anders ist und immer wieder neue Interessenschwerpunkte wichtig werden, gehört die Entwicklung der Natur im „Grünen Band“, das früher Todesstreifen war, ebenso zum Stoff wie die Auseinandersetzung mit den Skulpturen am „Weg der Hoffnung“ .

Erinnerung lebendig erhalten: Menschen berichten, warum sie sich zu Gästeführern ausbilden lassen

Dr. Roman Smolorz, Wissenschaftliche Leiter der Stiftung, freut sich auf die neuen Gästeführer, die das Team der bereits aktiven Ehrenamtlichen verstärken werden. „Wir brauchen dieses Interesse, denn nur mit dieser Hilfe können wir unsere zahlreichen Besucher angemessen informieren.“

Celine Grosch möchte Gästeführerin auf Point Alpha werden.

Celine Grosch gehört zu denen, die sicherstellen, dass auch die nächste – und aus der Perspektive mancher bewährter Führer auch die übernächste – Generation bei den Grenz-Erklärern nicht fehlt. Die 21-Jährige stammt aus dem Geisaer Amt. „Von meinen Großeltern habe ich noch viel darüber erfahren, wie es in der Zeit der Teilung und in der DDR war. Ich finde es wichtig, dass diese Erinnerung weitergegeben wird, und dazu möchte ich beitragen“, betont sie.

Als Gästeführerin auf Point Alpha lässt sich Maria Wagner ausbilden.

Gästeführerin auf Point Alpha: Für Maria Wagner aus Hünfeld eine „sinnvolle Aufgabe für den Ruhestand“

Als „sinnvolle Aufgabe für den Ruhestand“ hat sich Maria Wagner (65) aus Hünfeld für die Teilnahme entschieden. Ihr Antrieb sei nicht zuletzt das Nicht-Wissen über die Situation an der einstigen Grenze, das sie bei jungen Leuten, aber auch bei Bekannten aus ihrer westfälischen Heimat erlebt, berichtet die früher Pflegeheim-Leiterin.

Bodo Kummert lässt sich als Gästeführer auf Point Alpha ausbilden.

Bodo Kummert (53) aus Eiterfeld hat „die Grenze“ und die Präsenz der US-Soldaten als Kind und Jugendlicher selbst erlebt. Nun möchte der Bundespolizist als Gästeführer dazu beitragen, dass die Erinnerung an jene Zeit und die Entwicklung, die zur Friedlichen Revolution und dem Fall der Mauer geführt hat, im Bewusstsein bewahrt bleibt. Dass er sein Handwerkszeug dafür in einem Kursus erwirbt, in dem neben ihm, dem einstigen Bundesgrenzschutz-Mann, auch Teilnehmer lernen, die in DDR-Zeiten als „Grenzer“ Dienst getan haben, verleiht der Ausbildung sicherlich einen besonderen Akzent.

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