Im Zeichen der Via Regia lockt in Hünfeld auch die Gastronomie.
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Im Zeichen der Via Regia lockt in Hünfeld auch die Gastronomie.

Miteinander statt Warenhandel

Via Regia: Eine alte Ost-West-Verbindung, die neu belebt wurde

  • Hartmut Zimmermann
    vonHartmut Zimmermann
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Ob in rund 1000 Jahren noch jemand von der großen Nord-Süd-Autobahn A 7 sprechen wird? Oder von der DB-Schnellbahnstrecke Würzburg – Hamburg? Auch wenn das nicht überprüfbar ist: Ich habe da Zweifel. Die 1000-jährige Via Regia hingegen ist heute wieder top aktuell – auch hier in der Region. Was hat es damit auf sich?

Rasdorf/Hünfeld - „Via Regia“ – die lateinischen Worte bedeuten „Königliche Straße“. Und man liegt sicherlich richtig, wenn man das „königlich“ nicht auf den Straßenzustand bezieht – der dürfte über lange Jahrhunderte eher Ochsenkarren- oder Pferdefuhrwerk-tauglich, aber bei weitem nicht „königlich“ gewesen sein. Der klangvolle Name bezieht sich vielmehr auf die geltenden Regeln des Rechts, die mit dieser Verkehrsader verknüpft waren.

Ein „Meilenstein“ der neueren Art am Rasdorfer Via-Regia-Treff.

Denn ganz gleich, ob man die Via Regia „nur“ als Verbindung zwischen Schlesien sieht oder in ganz großen Dimensionen denkt und als Endpunkte Santiago de Compostela an der Atlantikküste und Kiew setzt: Die Zahl der Territorialgrenzen, die man zu überqueren hatte, war sehr, sehr groß. Und die Wahrscheinlichkeit, dass auf jeder Seite der Grenze nach unterschiedlichen Regeln Recht gesprochen wurde, auch. Daher war eine Wegeverbindung, auf der man sich – wenn die königliche Macht nicht gerade sehr geschwächt war – auf den „Rechtsschutz“ einer mächtigeren Obrigkeit berufen konnte, sehr viel wert.

Wichtige Bundesstraßen zeichnen noch heute die Via Regia nach

Die Straße war sozusagen auf diese Weise ein Weg gewordenes Wirtschaftsabkommen, das den Austausch von Gütern, aber auch das Zusammentreffen von Menschen förderte. Große Handelsplätze wie Frankfurt und Leipzig waren so „angebunden“. Doch nicht nur Händler, auch Truppen – zuletzt die US-Army zum Ende des Zweiten Weltkriegs – nutzten diesen alten Weg. Erst mit der Entstehung der Eisenbahnnetze verlor diese uralte Verbindungslinie an Bedeutung, auch wenn heute noch viele wichtige Bundesstraßen die Via Regia nachzeichnen.

In der Region machen insbesondere Rasdorf und Hünfeld auf die Lage an der alten Route aufmerksam. Dank der Initiative des Europarats prägt heute der Geist des Austauschs und der Verständigung den Via-Regia-Gedanken: Die Tradition der Straße wird in den Dienst des europäischen Gedankens gestellt und soll erlebbar machen, wie vielfältig, aber auch wie eng verbunden Europa ist. Und dass Kiew und das Kegelspiel, Görlitz und Gelnhausen Berührungspunkte haben, die es zu entdecken und zu pflegen gilt.

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