Rührt das Vorkommen der Blauen Scilla in der Rhön aus den Zeiten der Römer?
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Rührt das Vorkommen der Blauen Scilla in der Rhön aus den Zeiten der Römer?

Der „Blaustern“ bei Geisa

Isoliertes Vorkommen der Blauen Scilla in der Rhön stellt Experten vor Rätsel

  • Harry Wagner
    vonHarry Wagner
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In der Rhön ist die Blaue Scilla eine Seltenheit, eher kommt der „Blaustern“ in südlichen Ländern vor. In der Nähe von Geisa hat sich jedoch eine Population entwickelt, die Wanderführer Rudolf Nensel nun dem gesamten Geisaer Stadtrat zeigen wollte.

Geisa - Es wurde zu einer Osterwanderung mit Besichtigung der Blauen Scilla eingeladen. Aufgrund der aktuellen Verordnung nahm stellvertretend für alle Stadtratsmitglieder dann aber nur Bürgermeisterin Manuela Henkel (CDU) mit ihrer Familie die Einladung an. 

Von der Otzbacher Kirche ging es zum kommunalen Waldstück „Im Herrenholz“, das zwischen Otzbach und Bremen liegt. Nensel hatte sich 2020 im Stadtrat stark gemacht, dass dort ein größerer Holzeinschlag seitens der Stadt vermieden wurde. Sein Anliegen war der Schutz der dort genauso wie auf dem Arzberg zahlreich vorkommenden Scilla.

Rhön: Isoliertes Vorkommen der Blauen Scilla stellt die Experten vor Rätsel

Der sogenannte „Blaustern“ steht unter Naturschutz, blüht zwischen März und April und besitzt in der Rhön ein abgelegenes, recht isoliertes Vorkommen. Das massenhafte Auftreten am Arzberg sowie eben auch „Im Herrenholz“ und das völlige Fehlen in der gesamten Umgebung ist für die Fachleute ein Rätsel. (Lesen Sie hier: Roden für den Naturschutz: Entbuschung schafft Lebensraum für Neuntöter und Co.)

Ebenso unbekannt ist, wie die Pflanze, die eher in südlichen Ländern vorkommt überhaupt dort hingekommen ist. Nensel vermutet, dass die Kelten die Pflanze von den Römern, die sie angeblich auch als Heilpflanze genutzt haben, übernommen haben. Von einer medizinischen Behandlung mit dem „Blaustern“ ist aber dringend abzuraten, da er als giftig gilt. 

Neben der schützenswerten Scilla-Population bietet das außergewöhnliche Waldstück noch mehrere Besonderheiten. Auf einem Plateau gab es dort einst eine keltische Siedlung. „Wahrscheinlich stand hier später auch ein Wachturm“, berichtete Nensel. Der Standort dafür sei als Aussichtspunkt in die Region gut und vor Ort findet man auch verkohlte Sandsteine. 

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Da es im gesamten Geisaer Land an der Grenze zu Hessen kein einziges Sandsteinvorkommen gibt, müssen sie von weiter her herangeschafft worden sein. Weiterhin wird das Waldstück „Am Herrenholz“, das direkt am Jakobusweg Richtung Bremen liegt, von einem mittelalterlichen Landwehr durchzogen. „Der tiefe Graben sollte verhindern, dass Fuhrwerke, Wagen und Karren die Grenze unberechtigt überqueren, um Zölle und Abgaben zu umgehen“, weiß Nensel zu berichten.

Ebenso kann man vor Ort einen restaurierten Vierzehnheiligen-Bildstock bewundern. Dieser konnte zu DDR-Zeiten nicht besucht werden, da er direkt an der Fünf-Kilometer- Sperrzone lag, die mit DDR-Grenzposten und Hunden bewacht wurde. Geführte Arzberg-Wanderungen (rund zwei Stunden) können, wenn dies die aktuellen Verordnungen zulassen, direkt bei Rudolf Nensel unter Telefon (036965) 64701 gebucht werden.

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