Ein gepunkteter Mundschutz liegt auf einem Tisch.
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Ab Montag tritt die Mundschutz-Tragepflicht in Kraft. Deswegen wird fleißig genäht.

Schlangestehen für Stoffe

Viele sind im Nähfieber

  • Sarah Malkmus
    vonSarah Malkmus
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Es wird fleißig genäht: Anders ist die teils 40 Meter lange Schlange, die sich gestern vor dem Lädchen „Stoffe aktuell“ gebildet hatte, nicht zu erklären. Und was wird genäht? Fast ausschließlich Mundschutz, um spätestens ab Montag gesetzeskonform einkaufen gehen zu können. Dann tritt die Tragepflicht in Kraft.

  • Ab Montag tritt die Mundschutz-Tragepflicht in Kraft.
  • Vor dem Lädchen „Stoffe aktuell“ bildete sich eine 40 Meter lange Schlange.
  • Auch die Nachfrage bei den Apotheken ist enorm.

Auch Ursula Krieg zählt zu den Geduldigen in der langen Schlange. „Eigentlich benötige ich gar keinen Nachschub, allerdings möchte mein Sohn einen schwarzen Mundschutz. Dafür benötige ich nun doch etwas Stoff“, berichtet sie.

Die Rückerserin ist bereits seit Wochen für Freunde und Verwandte am Anfertigen von Alltagsmasken, wofür sie nicht mehr genutzte weiße Bettlaken verarbeitet. „Das ist meiner Meinung nach vollkommen ausreichend, um andere Menschen zu schützen. Man kann sie waschen und bügeln. Sie haben sich bewährt.“

Etwa 25 Alltagsmasken hätte sie so bereits genäht, viele weitere sollen folgen. „Ich habe das Nähen von der Pike auf gelernt, entsprechend werde ich angesprochen und helfe gerne“, sagt Krieg und betont, „dass ich mich keinesfalls bereichere“.

Schlangen vor Apotheken

Schlangen bilden sich am Mittwoch auch vor Apotheken. „Die Nachfrage ist explodiert“, sagt Eugen Roth, Inhaber der Hünfelder Hirsch-Apotheke. In der vorvergangenen Nacht hätte er von einem großen Pharmazie-Lieferanten die Zusage erhalten, dass zeitnah Nachschub eintreffen würde.

Dementsprechend zuversichtlich ist er, seine Kunden auch in den kommenden Tagen mit einem Mundschutz versorgen zu können, gibt aber zu bedenken, „dass es auch zu Engpässen kommen kann“. Der 62-Jährige erachtet die bevorstehende Tragepflicht als sinnvoll, um zumindest andere Personen zu schützen.

Was ihm missfällt, sind die teils auch an ihn herangetragenen „unverschämten Angebote“. „Viele wollen sich nun bereichern. Das passt nicht in die Pandemie-Situation, in der wir uns befinden.“

Maske aus Indien

Das mag wie Musik in Sebastian Müllers Ohren klingen. Der 37-Jährige ist Verfechter des Mundschutzes. Seine Mutter habe ihm während einer Indien-Reise einen mit eingebautem Filter besorgt, den er nun bereits seit vier Wochen trägt – und zwar immer dann, wenn er das Haus verlässt.

„Es zeigt sich sehr gut, wer schlau und wer dumm ist. Wer jetzt nach Freiheit schreit und will, dass die Wirtschaft wieder anläuft, aber zu eitel ist eine Maske zu tragen, um die Pandemie deutlich spürbar einzugrenzen, der gehört zu den dummen Menschen.“

An Maske gewöhnt

Müller, angehender Lehrer, hätte sich über die Pandemie und deren Folgen viele Gedanken gemacht und würde die Tragepflicht noch deutlich ausweiten. Er zieht exemplarisch seinen Job heran und sagt, „wenn ein Kind keinen Schutz trägt, gefährdet es damit vor allem auch den Lehrer. Gäbe es ein Gesetz, wäre auch diese Gefahr gebannt.“ Bequem, so sagt Müller, sei die Maske sicherlich nicht, aber mittlerweile hätte er sich daran gewöhnt.

Franz-Josef Marschall gehört allein aus Altersgründen zur Risikogruppe. Einen Mundschutz besitzt er nicht. Noch nicht. „Ich habe gerade für meine Frau und mich Schutz bestellt und lasse mir professionell zwei Stück nähen. Um andere Menschen zu schützen, werde ich ihn sehr gerne tragen“, sagt der 73-Jährige, der relativiert: „Ich bin jeden Tag zehn Kilometer mit meinem Hund zu Fuß unterwegs. In der freien Natur werde ich ihn nicht anziehen.“

Tragen sei unabdingbar

Für Johannes Wiegand sind Bilder von Menschen mit Mundschutz nichts Neues. Vor einigen Jahren hielt sich der 31-jährige Hünfelder für längere Zeit in Asien auf. „Ich möchte das ungern dauerhaft in Deutschland erleben, aber aktuell ist das Tragen für mich unabdingbar, um andere Menschen zu schützen.“

Wiegand war zuvor im Haune-Center unterwegs. Dort wurde deutlich, dass vielleicht ein Drittel der Kunden schon jetzt Mundschutz trägt. Spätestens ab Montag wird das Bild ein anderes sein.

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