Fotos: privat (2), Helios-Klinik

Schutzvisiere aus dem 3D-Drucker: 15-Jähriger stellt Helios-Klinik Ausrüstung zur Verfügung

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Rudolphshan/Hünfeld - Zurzeit ist viel von „Helden der Krise“ zu hören und zu lesen. Zu ihnen gehört definitiv auch Malte Webert aus Rudolphshan. Der 15-Jährige hat Schutzvisiere aus Kunststoff für Ärzte und Pfleger der Hünfelder Helios St. Elisabeth Klinik hergestellt – aus seinem privaten 3D-Drucker.

Von unserem Redaktionsmitglied Sabrina Mehler

Die Idee wurde in einem privaten Gespräch geboren: Eine Verwandte von Malte Webert, die auf der Intensivstation des Krankenhauses arbeitet, hatte den jungen Rudolphshaner gefragt, ob er mit seinem 3D-Drucker theoretisch auch Schutzvisiere herstellen kann. Und bei dieser Anfrage zögerte der 15-Jährige keine Sekunde lang: „Ich habe ihr gesagt: Ich leg mich gleich ins Zeug, damit wir keine Zeit verlieren. Denn ich musste dafür ja auch ein bisschen üben“, berichtet er.

Vorlagen aus dem Internet

Entsprechende Vorlagen für den 3D-Druck von solchen Schutzvisieren hat er recht schnell im Internet gefunden. Einfach ist das nicht, die nötigen Einstellungen sind recht diffizil: „Ein paar Versuche habe ich gebraucht, aber dann hat es geklappt“, sagt Malte, der sich den 3D-Drucker zu seinem letzten Geburtstag gewünscht hatte.

Schicht für Schicht zusammengesetzt

Hergestellt sind die Visiere aus dem Material PETG, einer Modifikation von Polyethylenterephthalat – einem Kunststoff also. Beim 3D-Druck werden die Kunststoffrollen, die es in Meterware gibt, in den Drucker eingesetzt und verflüssigt. So kann die Maske dann Schicht für Schicht zusammengesetzt werden.

Einige Anforderungen gewünscht

Die Ärzte sowie Pfleger hatten sich einige Anforderungen gewünscht, berichtet Malte Webert. „Die Maske sollte nicht drücken und nicht zu stramm sitzen, weil sie ja stundenlang getragen wird. Und man soll darunter nicht zu stark schwitzen.“ Nachdem ein Test-Visier in der Helios-Klinik für gut befunden worden war, konnte die weitere Produktion beginnen. Insgesamt zehn oder elf Schutzvisiere hat er gedruckt – und damit einen Großteil seiner Zeit in den Osterferien verbracht. Denn die Herstellung einer Maske dauert rund fünf Stunden.

„Malte hat sich die Nächte um die Ohren geschlagen“

Davon berichtet auch seine Mutter Bianca Webert: „Malte hat sich die Nächte um die Ohren geschlagen. Er hat nachts den Wecker gestellt und ist dann aufgestanden, um den Drucker neu zu starten.“ Glücklicherweise seien gerade Ferien gewesen, in der Schulzeit hätte das Drucken nicht so zügig vonstatten gehen können, erklärt die stolze Mutter, die ihren Sohn lobt: „Malte ist ohnehin sehr sozial eingestellt.“

„Ich wollte etwas Gutes für die Gemeinschaft tun“

„Ich wollte etwas Gutes für die Gemeinschaft tun“, bestätigt Malte, der sich unter anderem auch in der Feuerwehr engagiert. Nun überlegt er, der Volkshochschule des Landkreises zu helfen. Denn auch die ist gerade dabei, Schutzvisiere für Gesundheitseinrichtungen der Region zu produzieren.

Und noch jemand stellt Visiere per 3D-Druck her: Auch ein Freund von Malte Webert verfügt über ein solches Gerät und stattet ebenfalls die Helios-Klinik damit aus. „Wir tauschen uns nun untereinander aus, was man noch besser machen kann“, berichtet Malte.

Schutzvisiere werden schon eingesetzt

Die Helios-Klinik freut sich derweil sehr über den Einsatz der Jungs: „Die Schutzvisiere werden schon auf der Station eingesetzt“, bestätigt Pressesprecherin Gudrun Käsmann. Manche der Träger hätten den Kunststoffteilen noch einige individuelle Änderungen verpasst; insgesamt seien sie sehr praktikabel. Darüber, was aus dem Gespräch zwischen der Helios-Mitarbeiterin und dem Rudolphshaner entstanden ist, sei das Hünfelder Krankenhaus „sehr dankbar“.

Als Malte Webert den 3D-Drucker geschenkt bekommen hat, wäre er sicher nie auf die Idee gekommen, damit einmal zur medizinischen Grundversorgung beitragen zu können. „Das ist schon etwas Besonderes für die Jungs, dass sie die Profis im Krankenhaus unterstützen können“, sagt auch seine Mutter.

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