Spalier stehen für den Zug: Die Strecke Vacha – Unterbreizbach wird vom Güterverkehr wieder befahren.
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Spalier stehen für den Zug: Die Strecke Vacha – Unterbreizbach wird vom Güterverkehr wieder befahren.

Strecke für Güterzüge

Erste Waggons in Vacha in Bewegung: K+S nutzt alte DDR-Bahnstrecke nach 21 Jahren wieder

Mittwochmorgen auf dem Bahnhof Unterbreizbach: Auf dem Gleis in Richtung Vacha steht ein Güterzug bereit – der erste nach 21-jähriger Pause. Noch versperrt ihm eine Sh2-Scheibe, ein Schutzhaltsignal im Eisenbahnverkehr, den Weg.

Vacha - Punkt 10 Uhr ziehen Andreas Metz, Leiter Logistik im Kaliwerk Werra, und K+S-Anschlussbahnleiter Holger Pfannkuch die Scheibe aus dem Schotterbett. Die rund 80 Tonnen schwere Diesellok mit 20 leeren Güterwaggons am Haken, die zusammen rund 400 Tonnen auf die Waage bringen, setzt sich in Bewegung.

Der direkte Schienenweg zwischen Vacha und Unterbreizbach war ursprünglich ein Kind des „Eisernen Vorhangs“. Bis kurz nach dem Zweiten Weltkrieg waren beide Orte durch eine Bahnstrecke über Philippsthal verbunden, welche nach der Teilung Deutschlands drei Kilometer über bundesdeutsches Gebiet führte. Der Kalte Krieg hatte begonnen, und die Bahnstrecke wurde am 2. Juli 1952 von hessischer Seite gesperrt – nachdem zuvor die DDR die Durchfahrt der Bundesbahnzüge über Gerstungen gestoppt hatte. Das Unterbreizbacher Kaliwerk war damit vom lebenswichtigen Schienennetz abgeschnitten. (Lesen Sie hier: Bahnprojekt - Initiative Fulda-Gerstungen für Hersfeld-Halt)

Südthüringen: Erste Waggons in Bewegung - K+S nutzt alte DDR-Bahnstrecke

Die DDR-Regierung reagierte mit einer Hauruck-Aktion: In nur 89 Tagen wurde mit ungeheurem Personalaufwand die 5,3 Kilometer lange Bahnstrecke über Sünna nach Vacha gebaut, welche am 30. November 1952 den Betrieb aufnahm. Sie war ausschließlich für Güterverkehr vorgesehen und nur mit den notwendigsten Einrichtungen ausgestattet. Aufgrund teils starker Steigungen durften die Züge nicht schwerer als 400 Tonnen sein.

 Nach der Wiedervereinigung waren die Tage der Bahnstrecke gezählt. Die von Verkehrsexperten und dem Fahrgastverband Pro Bahn bereits  1990 empfohlene Wiederherstellung der Werrabahnstrecke zwischen Vacha und Philippsthal kam  bis heute nicht zustande – und somit behielt die Gleisanbindung des Unterbreizbacher Kaliwerkes ihre Bedeutung. 

Die steigungsbedingte Tonnagebegrenzung veranlasste das Kalibergbauunternehmen K+S jedoch, eine  werkseigene Verbindungsstrecke von Hattorf nach Unterbreizbach zu bauen. Diese nahm am 31. Januar 2000 den Betrieb auf. Drei Tage zuvor rollte der letzte Kali-Güterzug zwischen Vacha und Unterbreizbach, und am 3. April selben Jahres wurde der Güterverkehr offiziell eingestellt.

Nach 21 Jahren Pause fährt Güterzug auf alter DDR-Strecke

In den vergangenen Jahren änderte sich die Situation des Streckennetzes im Werratal erneut. Durch den Bau des Containerbahnhofs in Röhrigshof und zunehmende Kesselwagen-Transporte salzhaltiger Abwässer ist die eingleisige Bahnstrecke Heimboldshausen – Gerstungen zum Nadelöhr geworden. Damit rückte eine schienenseitige Anbindung nach Vacha wieder in den Fokus von K+S.

Im April 2019 hatte man die Wiederanbindung des Rangierbahnhofs Unterbreizbach bei der Landeseisenbahnaufsicht Erfurt per Handskizze erstmals vorgestellt. Ein Jahr später wurde der Antrag gestellt, der im Juli dann positiv beschieden wurde. Mit den notwendigen Bauarbeiten begann man umgehend, der am 29. März 2021 gestellten Anzeige zur Inbetriebnahme stimmte die Aufsichtsbehörde zum 30. April zu.

K+S will vorrangig leere Waggons auf den Gleisen des Vachaer Bahnhofs abstellen und diese bei Bedarf ins Kaliwerk zurückholen. Andreas Metz versichert, dass die Züge nur tagsüber zwischen 6 und 21 Uhr unterwegs sind. „In der Nacht ist Ruhe“, sagt er. Zudem werden vorrangig leere Waggons zwischen Vacha und Unterbreizbach unterwegs sein. (Von Stefan Sachs)

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