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Forschung in Rhön-Idylle - Geisa möchte mit Institut Studierende anlocken

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Von: Harry Wagner

Zum Start des Forschungsinstitutes wurde der Athanasius-Kircher-Preis der Stadt Geisa an Point-Alpha-Mitbegründer Berthold Dücker verliehen. Bürgermeisterin Manuela Henkel gratulierte.
Zum Start des Forschungsinstitutes wurde der Athanasius-Kircher-Preis der Stadt Geisa an Point-Alpha-Mitbegründer Berthold Dücker verliehen. Bürgermeisterin Manuela Henkel gratulierte. © Point Alpha Stiftung

Der Anspruch ist hoch. Das kleine Rhönstädtchen Geisa in Thüringen soll zu einem Ort werden, an dem sich internationale Spitzenforscher treffen. Derweil gewinnen die Forschungsobjekte einen Bezug zur aktuellen weltpolitischen Lage, der so nicht zu erwarten war.

Geisa - Das war der Tenor bei den Gästen aus Wissenschaft und Politik, die im Kulturhaus in Geisa im Wartburgkreis (Thüringen) den Startschuss für das Forschungsinstitut Point Alpha e.V. im Hünfelder Land feierten.

„Ich hätte mir gewünscht, dass unsere Forschungsthemen nicht von diesem aktuellen Anlass begleitet werden“, sagt Prof. Dr. Karim Khakzar, Präsident der Hochschule Fulda, angesichts des Krieges in der Ukraine. Er sprach in Bezug auf das Forschungsinstitut von einem „wunderbaren Projekt“.

Thüringen: Forschung in Rhön-Idylle - Geisa möchte mit Institut Studierende anlocken

Man hoffe, damit einen kleinen Beitrag für die Sicherung von Frieden und Demokratie leisten zu können. Beteiligt sind die Universität Erfurt, die Hochschule Fulda, die Point Alpha Stiftung und die Stadt Geisa (lesen Sie auch hier: Joachim Gauck erhält Point-Alpha-Preis 2022 - „Unbeirrt Partei der Opfer ergriffen“).

Die Einrichtung, die aus Mitteln des Landes Thüringen und aus dem Wissenschaftsbudget der Hochschule Fulda gefördert wird, ist länderübergreifend. Das Land Thüringen hatte bereits Ende 2020 eine Anschubfinanzierung von 700. 000 Euro in Aussicht gestellt.

Dem Forschungsauftrag kommen Historiker wie auch Juristen, Pädagogen und Sozialwissenschaftler nach – das nennt man disziplinübergreifend (lesen Sie auch hier: Junger Vorstand, zeitgemäße Themen - so stellt sich die Point Alpha Stiftung nach der Corona-Pause auf).

„Geisa ist ein beschauliches Städtchen, und ich war zunächst skeptisch, ob es der richtige Standort für ein solches Projekt ist. Zumal es sicher nicht einfach wird, junge Leute hierher zu locken“, betont Elke Harjes-Ecker aus der Thüringer Staatskanzlei. Mittlerweile sind ihre Zweifel zerstreut.

Hintergrund: Das Forschungsinstitut Point Alpha

Im Sommer 2021 gründeten die Point Alpha Stiftung, die Hochschule Fulda, Wissenschaftlerinnen der Universität Erfurt sowie die Stadt Geisa das Forschungsinstitut Point Alpha e.V. Ausgehend vom Geschichts- und Erinnerungsort Point Alpha sollen aus einer Aufarbeitung historischer Prozesse Erkenntnisse für die Gegenwart und Zukunft generiert werden. Insgesamt wird das Institut drei Themenfelder bearbeiten: Kalter Krieg in Geschichte und Gegenwart, Border Studies, Demokratie in der Globalen Ordnung.

„Es ist ein Symbol-Ort für die Konfrontation der Machtblöcke“ – eine Konfrontation, die auch jetzt wieder existiert. Die Politikerin betont die allgemeine Bedeutung der wissenschaftlichen Expertise: „Sie trägt dazu bei, angemessene Entscheidungen zu treffen.“ 

Interessant wird sein, wie sich der Umstand auswirkt, dass die Studierenden die einstige innerdeutsche Grenze nicht aus eigener Erfahrung kennen. Zuletzt brachte die Hochschule Fulda ihre Erstsemester mit dem Bus zur Point Alpha-Gedenkstätte. „Das waren für sie ferne Welten“, erinnert sich Prof. Dr. Hans-Joachim Reinhard, Dekan im Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften der Hochschule Fulda.

Wie stark die russische Aggression gerade auch in dieser Region die Öffentlichkeit bewegt, zeigte sich bei einem „Geisa Gespräch“, das Stunden zuvor im Kulturhaus stattgefunden hatte. Die Runde von Wissenschaftlern aus Fulda und Erfurt, die über den Krieg in der Ukraine und die Zukunft der Demokratie sprach, wurde von zahlreichen interessierten Bürgern verfolgt. 

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