„Was hält Europa zusammen?“ Das war das Thema beim 11. Geisaer Schlossgespräch der Point Alpha Stiftung mit Prof. Dr. Rita Süssmuth, Bundestagspräsidentin a. D.
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„Was hält Europa zusammen?“ Das war das Thema beim 11. Geisaer Schlossgespräch der Point Alpha Stiftung mit Prof. Dr. Rita Süssmuth, Bundestagspräsidentin a. D.

Schlossgespräch in Geisa

Ex-Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth schonungslos in der EU-Bestandsaufnahme

„Was hält Europa zusammen?“ Dies war die Leitfrage des 11. Geisaer Schlossgespräches der Point Alpha Stiftung. Reflexionen zur Rolle der europäischen Staatengemeinschaft gab es von Prof. Dr. Rita Süssmuth, Bundestagspräsidentin a. D.

Geisa - Auch der langjährige Vorsitzende der Deutschen Nationalstiftung, Prof. Dr. Richard Schröder, sprach bei dem Termin. Mit ihrem großen Wissensschatz und einer gewaltigen Portion Lebens- und Politikerfahrung bezogen die Diskutanten auf dem Podium Stellung, „ohne allerdings das Orakel zu sein, das für alles eine Lösung parat hat“, wie sie selbst zu Beginn klarstellten. 

Den Abend im Hünfelder Land eröffnete der Studienleiter der Point Alpha Stiftung, Philipp Metzler, der die Gäste begrüßte.  Es folgte eine schonungslose Bestandsaufnahme von Rita Süssmuth zum Zustand von Europa: „Im Augenblick lösen wir uns auf. Der Egoismus ist stärker als der Zusammenhalt“, analysiert die 84-Jährige. Und wer glaube, der Nationalstaat sei das Beste, der mache sich etwas vor.

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„Unter den Aspekten Frieden, Freiheit, Solidarität und christliches Handeln brauchen wir eine Gemeinschaft auf Grundlage des europäischen Wertekataloges“. Dabei müssen sich die Europäer auf ihre Stärken besinnen. Am Beispiel einer gerechten Verteilung von Flüchtlingen in Europa forderte Süssmuth mit einem Augenzwinkern, die Politiker bei der Suche nach einer Lösung und Instrumenten wie bei der Papstwahl so lange festzusetzen, bis weißer Rauch aufsteige und ein Ergebnis auf dem Tisch liege.

Richard Schröder blickte auf die wichtige Rolle Europas als Staatenbund und hob dabei hervor, dass die Nationen Europas leider noch weit weg von davon wären, als europäische Bundesstaaten betrachtet werden zu können. „Die EU zahlt keine Rente und schickt auch keine Feuerwehr“, von daher könne man auf vielen Feldern (noch lange) nicht auf nationale Dimensionen verzichten.

Allerdings müsse man zentral natürlich gemeinsam mehr bewerkstelligen, wie die Kontrolle der Haushalte, die Sicherheits-, Außen- und Flüchtlingspolitik. Deutlich wurde im Verlaufe des Abends, dass Spannungen – sei es mit Polen, Ungarn, Weißrussland oder Russland – letztlich nur im Dialog oder mit gesellschaftlichen Projekten zu lösen sind.

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„Konfrontation hilft nicht weiter, das ist nur der Anfang eines neuen Kalten Krieges“, gab Süssmuth zu bedenken. Länder, die etwa wie Polen in Sachen Rechtsstaatlichkeit komplett von der EU-Linie abweichen, müssten laut Schröder an den Pranger gestellt werden. Finanzielle Bestrafung helfe aber nicht, da ihr Vollzug unmöglich sei.

Um in Zukunft zu bestehen, müsse Europa neue Formen zur Gestaltung finden, die Qualitäten von Frauen einbinden und dringende Entscheidungen treffen, damit ein Leben auf dem Globus noch möglich ist. Dabei setzt Rita Süssmuth ihre Hoffnung ganz auf die junge Generation, die ihrer Meinung nach ernsthaft danach schaue, das anzugehen, was man verbessern könne.

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