Archivfoto: Christoph Weß

Vorschlag aus Schenklengsfeld: Wird die Bahnstrecke reaktiviert?

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Hohenroda - Pfannkuchen-Waggons, Museumszüge oder doch ein Radweg? Ideen für die ehemalige Bahntrasse von Philippsthal bis nach Schenklengsfeld gibt es viele. Von dort kommt nun der Vorschlag, die Gleise für Unternehmen zu reaktivieren. Doch die Gemeindevertreter in Hohenroda, über das ein Großteil der Trasse verläuft, reagierten in ihrer jüngsten Sitzung verhalten auf das Ansinnen.

Von unserem Redaktionsmitglied Sabrina Mehler

Die Bahnstrecke gehört dem Förderverein Werra-Fulda-Bahn, der vor einigen Jahren bundesweit Schlagzeilen machte, als er die zwölf Kilometer Gleise mitsamt Lokschuppen und Fahrzeugen für einen Euro auf Ebay angeboten hatte. Daraufhin hatte sich tatsächlich ein niederländischer Investor gemeldet – mit außergewöhnlichen Plänen: Er wollte Strecke und Gebäude in den Urzustand von 1912 versetzen und auf den Schienen einen Erlebniszug und Pfannkuchen-Waggons fahren lassen.

Der Förderverein erteilte ihm damals den Zuschlag. Der Kaufvertrag ist aber bis heute nicht unterzeichnet, außerdem hatten sich die Gemeinden Hohenroda und Schenklengsfeld ein Vorkaufsrecht gesichert.

Pressemitteilung ohne Absprache

Vor allem Hohenroda fühlte sich seinerzeit düpiert, weil die Gemeinde – obwohl sie selbst Mitglied im Förderverein ist – in die Verkaufspläne überhaupt nicht eingebunden war. Und auch jetzt hapert es offenbar wieder an der Kommunikation untereinander, wie Bürgermeister Andre Stenda (parteilos) in der Gemeindevertretersitzung berichtete.

Denn der Verein hatte eine Pressemitteilung an die Hersfelder Zeitung verschickt und darin ohne Absprache öffentlich gemacht, dass der Schenklengsfelder parteilose Bürgermeister Carl Christoph Möller darüber nachdenkt, die Bahnstrecke zu reaktivieren. Der Verein unterstütze das. Auf Anfrage des Blattes erklärte Möller, dass mehrere Unternehmen bereits Interesse an einer Ansiedlung im Gewerbegebiet angemeldet hätten – eben unter der Bedingung eines Gleisanschlusses.

Projekt sei in den Babyschuhen

Dies sei auch bereits Thema von Gesprächen zwischen Möller und Stenda gewesen, erklärt der Hohenrodaer: „Aber das Projekt befindet sich noch nicht einmal in den Babyschuhen.“ Es gebe zahlreiche Fragen zur Realisierbarkeit und ob Kommunen eine Reaktivierung überhaupt stemmen können: „Was würde uns das kosten? Schwellen müssten saniert, Lichtanlagen neu geschaltet, die Verkehrssicherung überdacht und alles technisch aufgerüstet werden.“ Außerdem stelle sich die Frage, wer die Strecke betreiben soll. Wahrscheinlich müsste eine Infrastrukturgesellschaft das Projekt managen, so Stenda.

Ganz abgeneigt ist er aber nicht: „Der Grundgedanke von Herrn Möller ist nicht verkehrt. Visionen muss man haben.“ Und eine Neuaufnahme der Bahnstrecke könne für Hohenroda deshalb vorteilhaft sein, weil es in der Gemarkung für interessierte Unternehmen noch Flächen direkt an der Trasse gebe.

„Ungelegte Eier“

Die Gemeindevertreter reagierten in der Sitzung eher vorsichtig: FWH-Fraktionsvorsitzender Emil Kümmel fragte, ob man sich unbedingt über „ungelegte Eier“ Gedanken machen müsse und ergänzte: „Wenn die Schenklengsfelder halt eine Million Euro pro Kilometer Bahnstrecke ausgeben wollen, sollen sie’s doch machen.“

Andreas Fischer von der SPD, die das Thema durch eine Anfrage auf die Tagesordnung gehoben hatte, fragte nach der Kommunikation zwischen den Bürgermeistern und dem Förderverein. Stenda verwies insbesondere auf den Verein und erklärte: „Ich würde mir einen besseren Umgang miteinander wünschen.“ Schließlich habe Hohenroda ein großes Mitspracherecht.

Neben der Reaktivierung gibt es jedoch noch eine andere Idee: Auf der Trasse könnte auch ein Radweg entstehen. Doch auch hier gelte es, die Kosten zu hinterfragen, sagt Stenda. Bei dem Thema sei „viel Sprengstoff drin“. Erst einmal wolle er aber abwarten. Sein Schenklengsfelder Amtskollege hatte nämlich angekündigt, noch diesen Monat eine Streckenbegehung durchzuführen, um Angaben machen zu können, was eine Wiederaufnahme der Trasse kosten könnte.

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