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„Was im Baumarkt geht, geht auch im Restaurant“: Hotelier Kai Gelhausen kritisiert den anhaltenden Lockdown in der Gastronomie

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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HÜNFELD - Verärgert, enttäuscht und sehr besorgt – so reagiert der Kai Gelhausen (52), Chef des Best Western Konrad Zuse Hotels in Hünfeld, darauf, dass die Gastronomiebetriebe weiterhin nicht öffnen dürfen. In einem Interview legt er seine Haltung dar.

Von unserem Redaktionsmitglied Hartmut Zimmermann

Sie haben offenbar von Berlin und Wiesbaden ein Startsignal für die Gastronomie erwartet. Sehen Sie nachvollziehbare Gründe für das „noch nicht“?

Ich bin enttäuscht. Und ich halte die Entscheidung der Politik, den Schritt nun im Zwei-Wochen-Rhythmus zu prüfen, für fahrlässig. Denn viele Betriebe der Gastronomie sind in ihrer Existenz bedroht. Zwei Wochen sind in Zeiten, in denen man keinen Euro einnimmt, aber eine Menge laufender Kosten hat, eine sehr, sehr lange Zeit. Eine begrenzte Öffnung jetzt wäre das richtige Signal gewesen. Denn wer weiß heute schon, ob es dann am 3. Mai eine positive Entscheidung geben wird?

Glauben Sie, dass es für Sie und ihre Branche möglich wäre, die Abstands- und Sicherheitsregelungen umzusetzen?

Ja, in der Tat. Denn es ist doch nicht einleuchtend, dass ein Einkauf im Baumarkt und ab Montag in Geschäften bis zu 800 Quadratmeter Verkaufsfläche möglich ist, ein Besuch in einem Restaurant hingegen nicht. Wenn ich an den Tischen jeden zweiten Platz frei lasse, ist das kein Problem. Hier scheinen wir eher daran zu scheitern, dass wir in der Politik keine Lobby haben.

Woran machen Sie das fest?

Das zeigt sich beispielsweise in der Regelung, dass wir zwar Geschäftsreisenden eine Übernachtung anbieten können, Menschen, die privat unterwegs sind, hingegen nicht. Das können wir doch letztlich gar nicht kontrollieren. Diese Regelung ist ähnlich praxisfremd wie das Versorgen dieser Gäste mit einem aufs Zimmer gebrachten Frühstück.

Befürchten Sie, dass sich der Lockdown für die Gastgewerbe-Branche existenzbedrohend auswirkt?

Leider fürchte ich das nicht nur, ich weiß es. Durch meine Mitarbeit im Aufsichtsrat der Best Western Hotels habe ich einen gewissen Überblick. Und ich weiß ja, was trotz der Schließung an Kosten weiter anfällt. Wer da seinen Betrieb nicht im abbezahlten Eigentum führt, der kann eine solche Situation nicht länger als drei Monate aushalten. Wenn ich auf unsere Situation schaue, dann sehe ich die Grenze Mitte bis Ende Juni. Denn Übernachtungen kann man ja nicht „nachholen“: Diese Umsätze sind und bleiben verloren.

Wie reagieren Sie als Unternehmer auf die aktuelle Situation?

Wir haben für unser Haus die möglichen Programme wie Kurzarbeit genutzt. Für unsere Mitarbeiterschaft bedeutet das sehr deutliche Einbußen. Denn die Einkommen in der Gastronomie sind ja nicht so hoch. Wir wissen, dass das für viele eine ganz schwierige Situation wird.

Und wie geht es weiter?

Derzeit ist unser Haus noch geschlossen. Aber wir werden es für Business-Kunden von Montag an wieder öffnen. Und zwar nicht, weil wir meinen, dass da wirklich ein Geschäft zu machen wäre. Sondern weil wir acht Auszubildende haben. Und die will ich nicht in die Arbeits- und Ausbildungslosigkeit schicken. Daher hoffe ich, dass wir mit einer geringen Zahl von Gästen zumindest einen Teil der Kosten verdienen können.

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