Meinhard und Heidi Kehl, die Inhaber des Queens Pub.
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Meinhard und Heidi Kehl sind Gastronomen aus Leidenschaft, nun haben sie das Queens Pub nach 30 Jahren aufgegeben.

Vom Aussterben bedroht

Kneipenszene in Hünfeld schrumpft auf Minimum - Corona-Krise beschleunigt das Sterben

  • Johannes Götze
    vonJohannes Götze
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Die „Chickeria“ steht leer, das „Billard Café“ ist einem Wohnkomplex gewichen, das „Stadtcafé“ ist auf Abschiedstour. Nun hat auch noch das „Queens Pub“ die Segel gestrichen. Die Möglichkeit, in der Innenstadt von Hünfeld Kneipenfeeling zu erleben, ist in der Corona-Krise auf ein Minimum geschrumpft.

  • Die Corona-Beschränkungen haben das Kneipensterben in Hünfeld beschleunigt.
  • Eine Kneipentour durch die Innenstadt ist fast nicht mehr möglich.
  • Nach „Billard Café“ und der „Chickeria“ streicht nun auch das „Queens Pub“ die Segel.

Hünfeld - Nur noch „Scotty‘s Bier-Bar“ und die „Rhön Distel“ sind geblieben. Wenngleich die Distel bereits ein paar Meter weg vom Schuss liegt. Für Gottfried Praschil, den landauf, landab jeder nur unter dem Namen „Scotty“ kennt, ist das nun fast erreichte Monopol auf frisch gezapftes Bier an der Theke in Hünfeld unbefriedigend.

Vor rund zehn Jahren habe schon einmal eine ganz ähnliche Situation existiert, erinnert sich Praschil, der eine Institution der Hünfelder Gastronomie ist. Schön sei das seinerzeit nicht gewesen, weil gerade die jungen Leute dann lieber nach Fulda zum Feiern gefahren wären.

Praschil wünscht sich aber, „dass sie in Hünfeld bleiben, so wie das in den vergangenen Jahren bei noch deutlich mehr Kneipenvielfalt auch wieder gewesen ist“; auch nachdem sich das „Stadtcafé“ auf Abschiedstour befindet. Doch der Wunsch, so glaubt er, bleibt in diesem Fall der Vater des Gedankens.

Froh über weitere Corona-Lockerungen

„Wichtig ist, dass den Menschen eine Auswahlmöglichkeit für eine Kneipentour gegeben ist“, sagt Praschil. Dass sie sich für einen schönen Abend nicht nur auf eine Kneipe beschränken müssen. Das ist nun nicht mehr gegeben. Bei uns in Hünfeld hat sich gezeigt, dass Konkurrenz das Geschäft belebt.“ Und auf diese hofft er schnellstmöglich.

Noch kann er aber nicht mit Gewissheit sagen, ob sich die neue, alte Situation tatsächlich zu seinem Nachteil gestalten wird, da bedingt durch die Corona-Beschränkungen der Kneipenbetrieb ohnehin noch lange nicht im gewohnten Maße läuft. „Aber immerhin haben wir wieder geöffnet“, sagt Praschil, der froh ist, dass stetig weitere Lockerungen eintreten.

Corona beschleunigt Schließung des Queens Pub

Gerade die kurzzeitig geltende Fünf-Quadratmeter-Regel sei ein Graus für ihn gewesen. „Ich musste ständig die Tür abschließen, weil ich keine Gäste hineinlassen durfte. Dann durfte ich mir Beleidigungen anhören, weil ich potenziellen Gästen den Zutritt verweigern musste.“

Nun aber kann sich der Betrieb langsam wieder der Vor-Corona-Normalität nähern. Dass Meinhard und Heidi Kehl, ebenfalls solche Institutionen der Hünfelder Kneipenszene, nicht mehr ewig hinter dem Zapfhahn stehen werden, war absehbar.

Das obligatorische Renteneintrittsalter haben beide schon eine ganze Weile hinter sich gelassen. Gemeinsam betrieben sie das an der Ecke Töpferstraße/Lindenstraße gelegene „Queens Pub“ seit 30 Jahren und können gar auf 48 Jahre Gastronomenkarriere zurückblicken. Alles begann einst im Jahre 1972 mit der damaligen Hünfelder Kult-Discothek „Popcorn“.

Stammgäste und Herzblut hielten die Kehls im Geschäft

Nun ist alles vorbei. Corona hätte den Vorgang der Schließung beschleunigt, erzählen sie. Der tatsächliche Beweggrund sei jedoch das Alter. „Mal haben wir gesagt, dass mit 60 Schluss ist, dann mit 65, dann mit 70. Jetzt ist es soweit.“ Vor allem wegen der Stammgäste hätten sie das Ende immer wieder verschoben.

Und wegen des Herzbluts, das noch immer an „ihrem“ Pub hängt. Nie hätte es Probleme gegeben. Weder mit Gästen, noch mit Behörden. Neue Konkurrenz für „Scotty“ wird sich im nun ehemaligen Pub nicht auftun.

Wie die Kehls berichten, hätten ihre Kinder andere berufliche Wege eingeschlagen, zudem bot sich kein potenzieller Pächter an. Und so wird das Pub aller Voraussicht nach in naher Zukunft einen anderen Zweck erfüllen. Und welchen? Das verraten die Kehls noch nicht.

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