Fotos: privat

4000 Kilometer Strecke: Mit dem Fahrrad von Portugal ins Sinntal

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
    schließen

Porto/Mottgers - 4000 Kilometer Strecke, 12 Kilogramm Gepäck und 3 Monate Zeit – Joachim Krause (56) aus Mottgers hat sich einen Traum erfüllt. Mit dem Fahrrad ist er von Porto in Portugal nach Hause ins Sinntal gefahren. Dabei hat der passionierte Radfahrer nicht nur beeindruckende Landschaften gesehen, sondern auch die Erkenntnis gewonnen, dass weniger mehr ist.

Von unserem Redaktionsmitglied Lena Quandt

„Irgendwann konnte es meine Frau wohl nicht mehr hören“, sagt Joachim Krause (56) und lacht. Der Werkzeugmacher aus Mottgers spricht von seinem großen Traum, dem Bikewandern. Im Juni dieses Jahres ist er zu seiner bislang anspruchvollsten Tour aufgebrochen – und mit vielen Erlebnissen im Gepäck zurückgekehrt. Mit dem Flugzeug geht es für Krause zunächst nach Portugal und mit dem Fahrrad dann über Spanien, Frankreich, die Schweiz, Italien und Österreich wieder nach Hause. Unterstützung erhält er von seiner Frau. „Sie meinte, es sei Quatsch, bis zur Rente damit zu warten. Ich sollte mich jetzt trauen“, sagt er.

Inspiration auf YouTube

Lange Radtouren sind für den Sinntaler nicht ungewöhnlich. Zur Arbeit in Schlüchtern fährt er oft mit dem Rad, einmal im Jahr trifft sich Krause mit Freunden auf einer Hütte in Tirol. Die 500 Kilometer bis dorthin legt er selbstverständlich auf zwei Rädern zurück. Um sportliche Verbissenheit geht es dem Mottgerser nicht, viel mehr steht der Spaß an der Sache im Vordergrund. Anregungen hat er sich im Internet geholt – etwa auf Youtube, in Foren oder bei Bloggern. „Mein Chef war nicht gerade begeistert, als ich für dreieinhalb Monate Urlaub eingereicht habe. Trotzdem hat er es möglich gemacht. Dafür bin ich ihm sehr dankbar“, berichtet Krause. Ausgenutzt habe er dies nicht, sondern Fotos und Protokolle angelegt, damit seine Vertretung vorbereitet ist.

Der Mensch braucht wenig, um glücklich zu sein

Apropos Vorbereitung: Ein spezielles Training hat der 56-Jährige nicht absolviert, dafür aber fleißig Packlisten geschrieben, ein neues Fahrrad, ein Ein-Mann-Zelt und weitere Ausrüstung gekauft. Seit seiner Jugend hat Krause nicht mehr gezeltet, nun will er auf Hotels weitestgehend verzichten. Auf seiner Route orientiert er sich am Jakobsweg, befährt die Wanderwege überwiegend in entgegengesetzter Richtung. „Wenn ich eines auf meiner Reise gelernt habe, dann folgendes: Luxus ist, möglichst wenig Gepäck zu haben. Ich war erstaunt, wie wenig der Mensch braucht, um glücklich und zufrieden zu sein“, so der Sinntaler. Er ist sich sicher, dass er so manche interessante Begegnung verpasst hätte, wenn er mit mehr Komfort gereist wäre.

Zusammentreffen mit vielen Pilgern

Etwa der Mann mit dem Esel vor einem Supermarkt in Spanien. Drei Jahre waren Mensch und Tier schon zu Fuß unterwegs. Oder ein Radprofi auf Trainingsfahrt, der Krause in den Pyrenäen ein Stück begleitet. Auch an die vielen Pilger, die zu Fuß, mit dem Rad oder sogar zu Pferd unterwegs sind, erinnert er sich, darunter häufig Asiaten und auffällig viele alleinreisende junge Frauen. Stets sei er mit dem Pilgergruß „Buen camino“ begrüßt worden. „Ob Einheimische oder andere Reisende, überall wurde ich freundlich empfangen“, sagt er. Die Autofahrer in Spanien lobt Krause: „Egal ob Linienbus, Auto oder Schwertransport, wenn ich auf Straßen fahren musste, haben alle Rücksicht genommen.“

Offen und hilfsbereit

Die vielfältigen Landschaften werden Krause im Gedächtnis bleiben. Erzählt er von der Atlantikküste oder den Tourenabschnitten durch die Pyrenäen und Dolomiten hat der Zuhörer das Gefühl, er wäre selbst dort gewesen. Immer wieder berichtet er von Spanien. „Das Land hat mich fasziniert. Die Spanier sind sehr offen und hilfsbereit, und sie haben ein Empfinden für Natur und Geschichte. Die kleinen Orte sind gepflegt. Metalltore und Beton gibt es vor den Häusern nur selten. Das spiegelt sich in den Menschen wider.“ Beeindruckt habe ihn etwa der Umgang der Einheimischen mit Bettlern und Flüchtlingen, wie selbstverständlich sei man in Kontakt und im Gespräch gewesen, zum Beispiel vor den örtlichen Supermärkten.

„Von Tag zu Tag ging es mir körperlich besser“

Ausgepowert hat sich Krause an keinem Tag. Per GPS und WhatsApp-Gruppe informierte er täglich Familie, Bekannte, Freunde und Kollegen über die geschafften Etappen. Heute sagt er, dass seine Aufregung im Vorfeld völlig unbegründet war. Eine ähnliche Reise schließt er in Zukunft nicht aus. Dann würde er sich aber noch mehr Zeit nehmen, um an so manchem Ort länger zu bleiben. Mit dem Fortschreiten der Tour sei es ihm sogar von Tag zu Tag körperlich besser gegangen. Auf seinen Pyrenäen-Etappen habe er es vor allem geschätzt, manchmal zwei Tage keinen anderen Menschen zu sehen. Aber: „Das muss man auch aushalten können.“ Drei Monate hatte er sich für seine Reise Zeit genommen. Zwei Wochen früher als geplant – am Kirmesmontag – war er wieder in Mottgers.

Die Route

Seine Radwanderung führte Joachim Krause (56) aus Mottgers von Portugal über Spanien, Frankreich, Italien, die Schweiz und Österreich zurück nach Deutschland. Bergpässe und Meer, große Städte und kleine Dörfer sowie eine beeindruckende Natur passierte er auf seiner Tour. Stationen waren unter anderem Porto, Lissabon, Santiago de Compostela, Kap Finisterre, Andorra, die Provence, Toulouse, die Côte d’Azur, die Pyrenäen, Alpen und Dolomiten sowie Turin, der Comer See, St. Moritz, Südtirol, Füssen und die romantische Straße.

Das könnte Sie auch interessieren