Die Außenansicht des Landgerichts Hanau. (Symbolfoto)
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Die Staatsanwaltschaft Hanau wirft einem 43-Jährigen Brandstiftung in mehreren Fällen vor. Dieser muss sich nun vor dem Landgericht verantworten. (Symbolfoto)

Hochintelligenter Mann mit Einser-Abitur

43-Jähriger wegen Brandstiftungen angeklagt: Durch die Schizophrenie ist er eine tickende Zeitbombe

Es gibt Momente an diesem Morgen im Saal 215 des Hanauer Landgerichts, da könnte ein Unbeteiligter annehmen, Sascha L. (Name geändert) sei der psychiatrische Gutachter in diesem Verfahren. Er verfügt über ein erhebliches Wissen in der Psychiatrie. Doch Sascha L. ist selbst der Patient.

Bad Orb/Gelnhausen/Hanau - Die Staatsanwaltschaft Hanau wirft ihm Brandstiftung in mehreren Fällen vor. „Ich bin natürlich krank, psychisch krank. Und ich hab’ Mist gebaut“, sagt Sascha L. Denn dass der 43-Jährige an einer paranoiden Schizophrenie leidet, steht ebenso wenig außer Frage wie der Umstand, dass er im Vorjahr dreimal an unterschiedlichen Orten gezündelt hat.

Am 11. Juni war es ein Auto auf dem Parkplatz des Tierheims Gelnhausen. Auf einem Vorderreifen platzierte er einen Grillanzünder und steckte diesen an. Sechs Tage später stopfte er eine brennende Zeitung in den Briefkasten einer Arztpraxis in Bad Orb und entzündete dann am 30. September einen Zeitungsstapel in seiner Ein-Zimmer-Wohnung in Bad Orb, deren Eingangstür er zuvor so verbarrikadiert hatte, dass es Rettungskräften und Polizei nur unter Einsatz von Spezialgerät gelang, sich Zutritt zu verschaffen.

Ist der Angeklagte schuldfähig?

Seitdem ist L. in der geschlossenen Psychiatrie untergebracht – nicht zum ersten Mal. Ob und wie lange er dort bleiben muss, ist eine Frage, mit der das Landgericht befasst ist.

Im Mittelpunkt des Verfahrens steht die Frage nach der Schuldfähigkeit des Angeklagten. Zwar wurde das Sicherungsverfahren in ein Strafverfahren übergeleitet, am Ende der Beweisaufnahme deutet aber vieles darauf hin, dass L. jeweils zum Tatzeitpunkt nicht oder nur eingeschränkt steuerungsfähig war.

Haustiere durften bei ihm im Bett schlafen

Die Sache mit dem Auto hatte etwas mit „Mucki“ zu tun, dem ersten Meerschweinchen von Sascha L. Mit dem Tier (sowie mit dessen Nachfolgern) pflegte der 43-Jährige eine derart innige Beziehung, dass die Tiere bei ihm im Bett schlafen und er die Gurken, die sie fraßen, vorkostete.

Nachdem Mucki 2012 für einige Zeit in ein Tierheim musste, war L. später mitgeteilt worden, es sei aufgrund eines sehr schlechten Allgemeinzustands kurz darauf verendet. Um seiner Verärgerung Luft zu machen, legte er sieben Jahre später Feuer an einem Auto, obwohl dies einem Unbeteiligten gehörte.

Lagerfeuer in der eigenen Wohnung

Über den Arzt, in dessen Briefkasten Sascha L. zündelte, hatte er sich zuvor ebenfalls geärgert. Die Einsicht, dass jene Taten völlig unangemessen erscheinen, fehlt L. wohl völlig. Das Feuer in seiner Wohnung wiederum erklärt er so: „Ich wollte eine kleine, überschaubare Flamme, wie im Kamin“, eine Art Lagerfeuer, um seine Zigarette anzuzündene. Verbarrikadiert habe er sich nur, weil „in dem Haus seltsame Menschen ein und aus gehen“.

Sascha L. ist zweifellos ein hochintelligenter Mann, hat ein Einser-Abitur und ein Diplom als Kaufmann sowie bis 2002 einen unauffälligen Lebenslauf. Dann zeigten sich erste Symptome einer schizophrenen Erkrankung. Gutachter Dr. Rolf Speyer stellt Sascha L. eine günstige Prognose aus. Er habe in der Klinik Fortschritte gemacht. Keinen Zweifel lässt Speyer aber daran, dass L. ohne Arzneien eine tickende Zeitbombe sei.

Die Verhandlung wird am 15. Mai fortgesetzt.

nic

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