Letzter Tag als Bürgermeister: Malte Jörg Uffelns Amtszeit endete am Freitag
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Letzter Tag als Bürgermeister: Malte Jörg Uffelns Amtszeit endete am Freitag

Nach sechs Jahren

Abschied ohne Getöse: Amtszeit von Malte Jörg Uffeln beendet

  • Sabine Simon
    vonSabine Simon
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Sechs Jahre lang war Malte Jörg Uffeln (parteiunabhängig) Bürgermeister von Steinau. Am Freitag endete seine Amtszeit, die er bis vor Kurzem gern noch um eine weitere Periode verlängert hätte. Nun kehrt er der Grimm-Stadt den Rücken.

Steinau - Wenn es nach Uffeln ginge, würde er still und heimlich gehen. Einfach so. Ein Portrait wollte er nicht, auch kein schriftliches Interview. „Ich will gar nichts mehr sagen, auch nicht nachtreten. Steinau ist und bleibt widersprüchlich. Ein Miteinander wird es nicht geben, weil das Konstrukt in sich nicht zusammenpasst. An einem Strang ziehen ist schwierig. Ich nehme mich da nicht aus, weil ich gerade im letzten Jahr ebenso widersprüchlich war“, hatte der scheidende Rathauschef vor ein paar Wochen im Gespräch mit unserer Zeitung verlauten lassen.

Apropos verlauten: Man kann Uffeln viel nachsagen. Nicht aber, dass er nicht kommunikativ gewesen wäre. Politik in Hinterzimmern war nie seine Sache. Uffeln ist ein Freund der direkten Ansage, womit er in den vergangenen Jahren dem einen oder anderen ziemlich auf den Schlips getreten ist – um es mal vorsichtig auszudrücken.

Scheidender Rathauschef polarisierte über Jahre

Oft ist Uffeln übers Ziel hinausgeschossen mit persönlichen Aussagen über politische Weggefährten, mit seinen Entscheidungen als Verwaltungschef. Uffeln polarisierte, ist keinem Konflikt aus dem Weg gegangen, blieb beharrlich, änderte manchmal ohne Grund plötzlich wieder die Meinung. Die Grenze zur Sturheit war nicht nur in Sichtweite. Fehler dann aber zugeben, das konnte er.

Uffeln hatte sich viel vorgenommen, als er am 1. August 2014 das Amt von Vorgänger Walter Strauch (SPD) übernahm: attraktive Infrastruktur, Belebung der Wirtschaft, Transparenz in Verwaltung und Politik, Ausbau der Kinderbetreuung, Tourismusförderung oder die finanzielle Unabhängigkeit der Stadt. In seiner Leistungsbilanz führt der Rathauschef auf, was er aus seiner Sicht in den letzten sechs Jahren positiv zum Abschluss gebracht hat.

Wird er die Steinauer Lokalpolitik vermissen? Am Freitag nahm Malte Jörg Uffeln Abschied vom Rathaus auf dem Kumpen.

Er nennt unter anderem die Entlassung aus dem Schutzschirm, die Erschließung von zwei Bauabschnitten im Industriegebiet West II und den Verkauf fast aller Grundstücke, die Bewältigung der Asylkrise oder die Realisierung des Windkraftvorhabens in Hintersteinau. Tobias Betz, Vorsitzender der BGM-Fraktion, scheint noch nicht ganz an einen endgültigen Rückzug zu glauben:

Umstrittener Bürgermeister: Rekordverdächtige Widersprüche gegen Stadtverordnetenversammlung

„Sollte Uffeln wirklich nicht für eine zweite Amtszeit kandidieren, wird er vielen als geselliger und wortgewaltiger Bürgermeister in Erinnerung bleiben, der seine Pläne nicht fertig umsetzen konnte.“ Die grundsätzliche Konsolidierung der Finanzen sei spätestens mit der Vorlage seines Haushaltsentwurfs 2020 gescheitert. „Drastisch gestiegene Personalkosten und sein Vorschlag, die Grundsteuer nochmals zu verdoppeln, sind nur ein Hinweis darauf, welche Rechnung uns hier in den nächsten Jahren noch drohen kann“, so Betz weiter.

Bei der Vermarktung des Industriegebiets West sei es Uffeln gelungen, immer wieder zu betonen, dass er drei Viertel der Flächen verkauft habe, obwohl zu keinem Zeitpunkt auch nur ansatzweise die Grundstückskauf-Erlöse auf den Konten gutgeschrieben worden seien. Rekordverdächtig dürfte auch die Anzahl der Widersprüche des Bürgermeisters gegen Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung sein.

Und die Anzahl der ehrenamtlichen Mandatsträger, die ihr Mandat aufgegeben haben. „Er hat nur zwischen Freund und Feind unterschieden. Die einen bekamen Geschenke und freundliche Worte, die anderen wurden beschimpft und schlecht geredet“, erklärt Betz, der als positives Ergebnis von Uffelns Amtszeit zumindest die gute Zusammenarbeit zwischen den Fraktionen und über Parteigrenzen hinweg anführt.

Uffeln findet bei den „Konservativen Bürgern Gründau" neue politische Heimat

„Geprägt wurde die Amtszeit von einer Person, die offensichtlich kein Interesse an einer sachorientierten Zusammenarbeit mit den gewählten Ehrenamtlichen hatte, sondern stets die Konfrontation suchte“, sagt UBL-Vorsitzender Ewald Mattheis. Uffelns Handeln und die Folgen daraus hätten die Stadt gelähmt, eine dringend notwendige Fortentwicklung verhindert.

„Es gab finanzpolitische Fehlentscheidungen. Fördermittel wurden nicht beantragt oder leichtfertig verspielt. Steinau hat mehr als 33 Millionen Euro Schulden und kann aktuell die Gelder für die laufende Verwaltung in den nächsten Jahren nicht mehr erwirtschaften. Für die gemachten Fehler wollte Uffeln die Bürger mit einer gigantischen Steuererhöhung bluten lassen“, führt Mattheis fort. Steinau habe noch immer keinen genehmigten Haushalt und sei aktuell handlungsunfähig. Uffeln hinterlasse ein Erbe von einer Vielzahl von unerledigten Aufgaben verbunden mit einem riesigen Investitionsstau in allen Bereichen.

„Es fehlen mehr als 30 Millionen Euro für den Straßenbau, Gelder für den Neubau einer Kita, zur Fertigstellung des Marstalls, zur Fortführung der Schwimmbadrenovierung, für die Museen oder die Stadtentwicklung.“ Positiv sei hingegen der Entschluss, sein „misslungenes Experiment Bürgermeister“ durch den Rückzug „endlich zu beenden“. Wie berichtet, hat Uffeln nun in seiner Heimat mit Ex-AfD-Mann Marcus Marx eine neue Wählergemeinschaft ins Leben rufen: die „Konservativen Bürger Gründau“. Mit ihnen will er bei den Kommunalwahlen im kommenden Jahr antreten. Zudem wird er als Rechtsanwalt tätig sein.

Die Steinauer Sozialdemokraten wollten laut Fraktionschef Werner Herd übrigens keine Stellungnahme abgeben. SPD-Ortsvereinsvorsitzender Markus Harzer ergänzt: „Das ist ja auch eine Aussage.“

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