Foto: Dietmar Kaufmann

„Achtung vor der Schmalzinfektion“ – Johannes Scherer begeistert im Spessart-Forum

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
    schließen

Bad Soden - Der Kabarettist und Moderator Johannes Scherer gastierte am Samstag im Spessart-Forum in Bad Soden, wo er vor ausverkauftem Haus sein neues Programm „Keinangsthasen“ vorstellte. Darin betrachtete er auf humorvolle Weise ernste Themen der Gegenwart und hielt dem Publikum den Spiegel vor.

Von Dietmar Kaufmann

Das Thema Angst spielte in seinem Programm eine große Rolle. Überspitzt und pointiert näherte sich Scherer diesem Gefühl. Angstprobleme kenne er schon seit frühester Jugend, da seine Mutter ihn vor manchem Ungemach bewahren wollte. Das habe allerdings zu vielen skurrilen Situationen geführt. Ab September war etwa bei Johannes angesagt, eine Mütze zu tragen, die die Ohren abdeckt, weil seine Mutter glaubte, dass alle Infektionen durch das Ohrschmalz in den Körper eindringen.

„Statt Tröpfchen-Infektion bestand bei uns immer die Gefahr der Schmalz-Infektion“,sagte er. Wurde es draußen kälter, musste sich Johannes das Gesicht dick mit Penaten-Creme einreiben lassen, die später nur noch schwer zu entfernen war. Begehrte er gegen seine Mutter wegen dieser Behandlung auf, so hieß es „Du holst dir den Tod!“. Dieser Spruch habe eine große Wirkung auf ihn gehabt.

Angst im Schwimmbad

Zu seinen Ängsten zählte die Angst im Schwimmbad, wo er mit Schwimmflügeln im Nichtschwimmerbecken befürchtete, dass Wasser an seine Ohren kommen könnte. „Die Spessart-Therme, ein Erlebnisbad. Das Schwimmbad in Schöllkrippen, ein Chlor-Erlebnisbad“, so sein Vergleich. Die Ängste der Menschen nehmen nach Scherers Wahrnehmung immer mehr zu: darunter Angst vor einer Gluten-Unverträglichkeit oder einer Laktose-Intoleranz.

Die Auswirkungen und Möglichkeiten der Digitalisierung zeigte der Kabarettist anhand der möglichen Vernetzung von Haushaltsgeräten auf. Scherer beschreibt eine Neuheit an Kühlschränken, die unter anderem darin besteht, dass man auf der Außenseite der Kühlschranktür sich auf einem Bildschirm anzeigen lassen kann, was sich in dem Kühlschrank befindet.

Hang zu billigeren Lebensmittel

Wenn der Kühlschrank wisse, welche Lebensmittel er „in sich hat“, sei er für Krankenkassen interessant, die prüfen könnten, ob man sich gesund ernähre. Problematisch werde es, wenn man abends immer einen Sixpack Bier aus dem Kühlschrank hole, so Scherer. Sicher gebe es im Darknet Aufkleber, mit denen das Bier umetikettiert werden könnte. So müsse sich der Betreffende nur darauf vorbereiten, dass ihn der Arzt frage, warum er jeden Abend sechs Flaschen Sauerkrautsaft trinkt.

Den Hang zu immer billigeren Lebensmitteln kommentiert Scherer so, dass die Verbraucher sich überlegen sollten, ob ein Milch-Bauer bei einem Endpreis von 0,59 Euro pro Liter Milch kostendeckend arbeiten kann. Letztendlich benötige er Subventionen, die er aus Brüssel erhält, die der Verbraucher über Steuern zahlt.

Einen ähnlichen Vergleich zog der Kabarettist beim Kaffee. „Was bleibt bei einem Preis von circa drei Euro für den Plantagenarbeiter über?“, fragte er. Er verwies auf den fairen Handel und die Dritte-Welt-Läden, die den Erzeugern bessere Einkommen bescheren sollen. „Ja, natürlich mieten sich dann die Arbeiter einen Bus und gehen von dem zusätzlichen Geld Essen“, sagte Scherer augenzwinkernd.

Das könnte Sie auch interessieren