Ein echter Hingucker mitten im Ort ist das alte Backhaus, das Dank vieler freiwilliger Helfer wieder im neuen Glanz erstrahlt.
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Ein echter Hingucker mitten im Ort ist das alte Backhaus, das Dank vieler freiwilliger Helfer wieder im neuen Glanz erstrahlt.

Inschrift aus dem Jahr 1848

„Den Backofen muss man verstehen“: Fleißige Helfer haben über zwei Jahre hinweg das Backhaus aufwändig saniert

Über zwei Jahre hinweg haben viele fleißige Hände daran gewerkelt – mit Blick fürs Große und Ganze, aber auch für die Details. Nun ist es fertig saniert und betriebsbereit, das schmucke Backhaus inmitten des Dorfes. Der Ortsbeirat ist stolz auf das Ergebnis und dankbar für das freiwillige Engagement etlicher Ahlersbacher.

Ahlersbach - Vor Beginn der Sanierungsarbeiten bot das alte Backhaus, das laut Inschrift aus dem Jahre 1848 stammt, eher ein trauriges Bild: Im Inneren wirkte es düster und wenig einladend, überall offenbarten sich größere und kleinere Schäden, der Zahn der Zeit hatte fleißig genagt.

Genutzt wurde es da bereits schon länger nicht mehr. Das soll sich künftig ändern, denn dank etlicher fleißiger Helfer, die über viele Monate Hand angelegt haben, erstrahlt das Fachwerkhäuschen auch äußerlich in neuem Glanz, wie Ortsvorsteher Manfred Kaulich und die Ortsbeiratsmitgliedern Walter Heil und Andreas Schmidt unlängst bei einer Begehung präsentierten.

Besonders in Mitleidenschaft gezogen war das Herzstück das Backhauses, der Ofen. Durch den in die Jahre gekommenen, bereits recht wackeligen Schornstein lief dort über längere Zeit Wasser hinein, im Winter fror das Mauerwerk an der Frontseite auf. Auch an weiteren Stellen im Inneren befanden sich lose Steine, der Mörtel bröselte aus den Fugen.

Fleißige Helfer haben über zwei Jahre hinweg das Backhaus in Ahlersbach aufwändig saniert

All das wurde behoben, darüber hinaus der Lehm-Hut des Backofens aufwendig restauriert und ein Betonbalken auf der Vorderseite aufgelegt, der dem neu gemauerten, mehr als drei Meter hohen Schornstein die nötige Stützkraft gibt. Damit er mit den alten Sandsteinen harmoniert, erhielt er einen dazu passenden rotbraunen Anstrich.

Auch der gesamte Innenraum wurde frisch gestrichen, das Gebälk abgeschliffen und lasiert, der Giebel mit OSB-Platten verkleidet, das Regal zum Abkühlen der Brotlaibe abgeschmirgelt und geölt, ebenso die Halterungen für Einschießer und Krücke. Der Schornstein erhielt ein neues Putztürchen, die beiden Dachschrägen jeweils ein Fenster, die für mehr Helligkeit und eine freundliche Atmosphäre im Innenraum sorgen. Dank der Hilfe eines Nachbarn ist nun auch die Stromversorgung gesichert – vorher gab es keinerlei Lampen oder Steckdosen.

Die Männer vom Ortsbeirat – und vom Backhaus (von links): Andreas Schmidt, Manfred Kaulich und Walter Heil.

Fachwerkbalken wurden ausgebessert

Auf der Außenseite hat sich ebenfalls einiges getan: So sind unter anderem die Fachwerkbalken ausgebessert und gestrichen sowie neue Regenrinnen angebracht worden. Die strahlend weiß getünchten Gefache ziert seit Kurzem an der Schauseite ein Schmuckbild, das einen gut gelaunten Bäcker zeigt, der gerade dabei ist, mehrere Brote in den rauchenden Holzofen zu schieben. „Brot essen ist keine Kunst, aber Brot backen“, ist daneben zu lesen.

Ein weiterer Hingucker ist die aus Metall ausgestanzte Hexe auf ihrem Besen, die den Abschluss des Schornsteins bildet und fast über ihn hinweg zu fliegen scheint. „Jetzt stellt es wieder etwas dar“, sagt Ortsvorsteher Manfred Kaulich, der stolz ist auf das in Eigenleistung generalüberholte Backhaus. Eigentlich hatte der Ortsbeirat für das Frühjahr ein Helferfest geplant, um die Fertigstellung zu feiern, doch Corona machte ihm einen Strich durch die Rechnung.

Anfeuern ist eine Kunst für sich

Kaulich und die übrigen Ortsbeiratsmitglieder wünschen sich, dass das Backhaus in Zukunft wieder häufiger genutzt wird, von Vereinen und Privatleuten, zu Feiern und Festen. Und so zieht vielleicht schon bald der Duft von noch warmem Brot, Kuchen, Pizzen oder knusprigen Hähnchen des Öfteren durchs Dorf.

Um den Ofen richtig anzuheizen, brauche es aber nicht nur das richtige Holz, sondern auch viel Erfahrung, weiß Kaulich. Denn das Anfeuern ist eine Kunst für sich und will gelernt sein: Ist die Hitze zu groß, verbrennt die Kruste, ist die Temperatur zu niedrig, wird das Brot nicht ausgebacken. „Man muss den Ofen verstehen“, erklärt Kaulich. „Die Älteren von uns wissen noch, wie das geht. Wir haben es zum Teil von unseren Müttern gelernt. Und wir sind bestrebt, unser Wissen auch an die jüngere Generation weiterzugeben.“ (Kathrin Noll)

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