Die Kreuzotter ist eine bedrohte Tierart.
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Die Kreuzotter ist eine bedrohte Tierart.

Bedrohte Tierart

Altengronau: Naturschützer bauen Kreuzotter neues Zuhause

Unter der Überschrift „Biodiversität im Wald“ ging es am vergangenen Wochenende nahe Altengronau um die Schaffung optimaler Lebensbedingungen für eine bedrohte Tierart: die Kreuzotter. 

Altengronau - Kettensägen brummten am Feiertag im Wald bei Altengronau. Doch der Lärm war für einen guten Zweck: An die 50 Naturschützer waren in einem zwei Hektar großen Waldgebiet ehrenamtlich im Einsatz. Zwei Monate lang hatte Timo Spaniol vom Arbeitskreis Amphibien und Reptilien des Naturschutzbundes (NABU) an der Organisation des Tages gefeilt. Nun arbeiteten Seite an Seite: Jäger vom Kreisjagdverband Gelnhausen und aus dem Kreuzgrund, Mitarbeiter von Hessen-Forst, Naturschützer verschiedener NABU-Ortsgruppen sowie unabhängige Naturschützer, junge Menschen aus der Ausbildungsstätte Don Bosco und von der Freiwilligen Feuerwehr Altengronau.

Dass in Altengronau Gruppen, die sich ansonsten oft nicht „grün“ seien, freundschaftlich und zielgerichtet zugunsten der Kreuzotter im Wald wirkten, sieht Spaniol als Signal an die Bevölkerung. Der Reptilienschützer ist selbst gleichzeitig als Jäger unterwegs. „Die Natur geht uns alle an“, fasste Matthias Gärtner von der Altengronauer Wehr zusammen. Die Feuerwehrleute hätten ihre Wasser führenden Fahrzeuge bereits in der Vergangenheit eingesetzt, um Tümpel, die Lebensraum für verschiedene Amphibien im Wald sind, zu bewässern, berichtete er.

„Biodiversität im Wald“: Kreuzotter in Altengronau bekommt neues Zuhause

Alles was an Bewuchs in dem abgegrenzten Bereich höher als ein kleiner Weihnachtsbaum gewachsen war, wurde mittels Kettensägen entfernt. Es galt, Brombeerranken wegzuschneiden und Unterholz zu entfernen. Denn die Kreuzotter lebt gern in Gebieten, die mit kleinen Sträuchern und krautigem Bewuchs aufwarten können. Dadurch dringen Licht und Wärme auf den Boden, was das wechselwarme Tier zum Leben braucht. Insbesondere Waldränder, auch innerhalb eines bewirtschafteten Waldes, bieten solche Möglichkeiten. Das erläuterte Christian Rietz-Nause, Leiter des Forstamts Jossgrund, dessen Revier in Hessen die Patenschaft für die gefährdete Art übernommen hat. Denn wo die Kreuzotter leben kann, folgen weitere Tiere, wie Specht, Wendehals oder Neuntöter, die in den lichten Gebieten Waldameisen finden.

Spaniol hat im Biotop bereits seltene Falter, viele verschiedene Insekten, Ringel-, Schlingnatter und Blindschleiche ebenso gesehen, wie Bergmolche, Grasfrösche oder die Gelbbauchunke. Auch Rehe, Dachs, Feldhasen oder Greifvögel besuchen solche lichten Gebiete in den Wäldern. Während unter den alten Bäumen, wo es dunkel und kühl ist, bereits die neue Generation an Bäumen heranwachsen, siedeln sich sonnenliebende Tiere und Pflanzen nur an, wenn Schatten werfende große Bäume entfernt werden. Dazu eigenen sich insbesondere die Randbereiche an den Waldwegen. Damit sich die Tiere bewegen können, müssen solche Lebensräume vernetzt werden.

Der Waldweg zum Reptilienbiotop war mit einem Warnschild versehen. Es wies daraufhin, dass wegen der Baumfällarbeiten Lebensgefahr bestehe. Gefährlich war es für die zahlreichen Helfer allerdings mitnichten. Vielmehr wollten alle bei weiteren Aktionen gerne wieder mit von der Partie sein. Mittags tauschten sich die Teilnehmer der generationen- und gruppenübergreifenden Aktion bei einer Gulaschsuppe aus, die Jäger Michael Hase für alle spendiert hatte.

Lesen Sie hier: Problem Trockenheit: Arten in Wäldern gut mit Wasser versorgt.

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