Das Gebäude des Amtsgerichts in Gelnhausen. Es ist für die Altkreise Schlüchtern und Gelnhausen zuständig.
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Wegen Unfallflucht musste sich ein 34-Jähriger vor dem Amtsgericht Gelnhausen verantworten.

Provokationen auf der Autobahn

34-Jähriger wegen Unfallflucht und Straßenverkehrsgefährdung verurteilt

Satter Aufschlag für den Angeklagten: Wegen Unfallflucht hatte ein 34-Jähriger einen Strafbefehl mit einer Geldsanktion von 800 Euro sowie zwei Monaten Fahrverbot erhalten. Dagegen legte er Einspruch ein.

Bad Soden-Salmünster - Also kam der Fall zur Verhandlung vor das Amtsgericht Gelnhausen. Weil Richter Thomas Russell aber neben der Fluchthandlung auch noch eine vorsätzliche Straßenverkehrsgefährdung sah, lautete die dicke Rechnung am Ende: 1200 Euro Geldstrafe (60 Tagessätze zu jeweils 20 Euro) sowie eine Sperre von zwölf Monaten für die Wiedererteilung einer neuen Fahrerlaubnis. Die Staatsanwaltschaft hatte 1600 Euro und neun Monate gefordert, sein Verteidiger Freispruch.

Provokationen auf der A 66 Richtung Frankfurt

Der Vorfall hatte sich in den späten Nachmittagsstunden des 2. Oktober vergangenen Jahres zugetragen. Der Beschuldigte war mit seinem Golf in seiner Heimatstadt Bad Soden-Salmünster auf die Autobahn 66 in Richtung Frankfurt aufgefahren. Schon hier fiel der Wagen einem Männertrio aus Bad Soden-Salmünster und Steinau auf, dem er beim Einscheren auf die Auffahrt die Vorfahrt nahm.

Es sollte nicht die einzige Merkwürdigkeit im Verhalten des Angeklagten bleiben. Quasi im Minutentakt gab es anschließend bis zur Anschlussstelle Gründau-Lieblos Zwischenfälle, wie die drei Arbeitskollegen, die auf dem Weg zur Nachtschicht waren, im Zeugenstand zu Protokoll gaben.

Nach Kollision auf der A 66 hielt 34-Jähriger nur kurz

Abruptes Abbremsen, dann wieder Beschleunigen, seitlich nahes Heranfahren an das andere Fahrzeug. Das Ganze gipfelte dann in Höhe von Gründau-Lieblos in ein plötzliches Wechseln des Angeklagten mit seinem Auto vom rechten auf den linken Fahrstreifen, unmittelbar vor das Fahrzeug der drei Männer. Der 57-jährige Fahrer konnte nicht mehr abbremsen und prallte von hinten auf den Golf.

Nach der Kollision fuhren beide auf den Standstreifen. Der 34-Jährige hielt dort allerdings nur kurz an. Als der Unfallgegner ausstieg und zu dem anderen Fahrzeug laufen wollte, startete dieser durch und verschwand, angeblich unter Zeigen des Mittelfingers.

Nach Unfallflucht auf A 66: Angeklagter fühlte sich unschuldig

Der Angeklagte fühlte sich völlig unschuldig. Er sei von dem anderen abgedrängt und am Überholen gehindert worden. Den Aufprall habe der 57-Jährige provoziert. Auf dem Standstreifen seien Fahrer und Beifahrer ausgestiegen und aggressiv zu ihm gerannt. Da habe er es mit der Angst zu tun bekommen und sei weggefahren. Warum er anschließend nicht von seiner Seite die Polizei informiert habe? Sein Handy-Akku sei leer gewesen.

Dem standen die Aussagen der Arbeitskollegen gegenüber: „Das war kriminell. So etwas habe ich noch nicht erlebt“, resümierte der 57-Jährige. Und sein 42-jähriger Kollege fasste zusammen: „Das waren Provokationen im Minutentakt über eine Strecke von 30 Kilometern.“

In diesen Aussagen sah der Verteidiger des Angeklagten einen hohen „Belastungseifer“ der Männer gegen seinen Mandanten und fahrlässiges Handeln bei dem 57-Jährigen. Er stellte mehrere Beweisanträge, beispielsweise zur Klärung, ob die beiden Fahrzeuge überhaupt kollidiert waren, die allesamt vom Richter abgelehnt wurden.

ls

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