Zwei Kühe auf einer Weide
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So gut wie den Tieren auf diesem Symbolfoto ging es zwei vernachlässigten Kühen nicht. Sie sollen weder art- noch tierschutzgerecht gehalten worden sein.

Tiere litten erheblich

Vernachlässigte Kühe eingeschläfert - Vor Gericht sprechen Angeklagte von Hetzjagd auf Familie

Wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz sind Geschwister aus dem Altkreis Schlüchtern – ein 55-jähriger Mann sowie eine 53-jährige Frau – zu Geldstrafen von je 1350 Euro (90 Tagessätze à 15 Euro) verurteilt worden. Die Angeklagten sprechen derweil von einer Hetzjagd auf ihre Familie.

  • Zwei Kühe sollen von September 2016 bis Februar 2017 nicht art- und tierschutzgerecht gehalten worden sein.
  • Das Veterinäramt ließ die Tiere deshalb einschläfern.
  • Vor dem Amtsgericht Gelnhausen waren die Angeklagten aus dem Altkreis Schlüchtern geständig.

Schlüchtern/Gelnhausen - Vor dem Amtsgericht Gelnhausen warf ihnen die Staatsanwaltschaft Hanau vor, im Zeitraum von September 2016 bis Februar 2017 zwei Kühe vernachlässigt und weder art- noch tierschutzgerecht gehalten zu haben. Bei einer ersten Kontrolle durch das Veterinäramt des Main-Kinzig-Kreises im September 2016 waren bei dem einen Tier hochgradig ungepflegte Klauen, ein Abszess am Sprunggelenk sowie Lahmheit an den vier Gliedmaßen diagnostiziert worden.

Es wurde angeordnet, einen Tierarzt zu Rate zu ziehen. Als bei Nachkontrollen im November und Dezember keine Besserung feststellbar war, erfolgte vom Amt die Anordnung, das Tier umgehend schlachten zu lassen. Als auch dies von den Geschwistern nicht umgesetzt wurde, schläferten Mitarbeiter des Veterinäramtes die Kuh am 15. Februar ein.

Veterinäramt lässt vernachlässigte Kühe einschläfern - Angeklagte gestehen vor Gericht

Bereits im Dezember 2016 war im Rahmen der Kontrollen eine weitere Kuh ins Blickfeld der Fachleute gerückt, weil bei ihr ebenfalls körperliche Leiden feststellbar waren. Auch dieses Tier musste eingeschläfert werden. Vor Gericht zeigten sich die Geschwister geständig.

Wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz musste sich ein Geschwisterpaar vor dem Amtsgericht Gelnhausen verantworten.

„Wir können die Vorwürfe nicht bestreiten“, sagte die 53-Jährige. Zu ihrer Verteidigung nannten sie erhebliche private Schwierigkeiten, die sie seinerzeit an die psychische Belastungsgrenze gebracht hätten. Die Probleme mit den zwei Kühen seien zudem von einem Fernsehsender recherchiert und ausgestrahlt worden. Das habe in der Folge zu einer wahren Hetzjagd gegen die Familie geführt. „Wir haben genug gelitten“, beteuerte die Frau.

Kreis-Veterinär sagt aus: Tiere haben erheblich gelitten

Jahrzehntelang hätten sie ihren landwirtschaftlichen Betrieb ohne Probleme geführt. Und auch seit den Vorfällen habe das Gesundheitsamt keine Auffälligkeiten mehr festgestellt. In den Jahren 2016/2017 seien lediglich die zwei Kühe betroffen gewesen. Der übrige Tierbestand, der im dreistelligen Bereich lag, habe keinen Grund zu Beanstandungen gegeben. Mittlerweile sei die Anzahl der Tiere erheblich reduziert worden.

Ein Kreis-Veterinär bestätigte im Zeugenstand, dass im Nachgang zu den Vorfällen nie mehr solch schlimme Zustände in dem Betrieb festgestellt wurden. Allerdings hätten die beiden Kühe seinerzeit erheblich gelitten. Das sah auch der Vertreter der Staatsanwaltschaft so.

Die Tiere hätten über einen längeren Zeitraum mit erheblichen Schmerzen leben müssen. Er forderte eine Geldstrafe von 1800 Euro. Richter Thomas Russell blieb mit 1350 Euro etwas darunter. Und er verzichtete auf ein Tierhalteverbot, da sich die Zustände auf dem Hof wieder gebessert hätten. (ls)

Erst kürzlich war ein 58-Jähriger aus Wächtersbach wegen Tierquälerei eines Fohlens vor dem Amtsgericht angeklagt und verurteilt worden. Der Fohlen-Besitzer hatte zuvor seine Unschuld beteuert. Und: Im Mai hatte sich ein anonymer Schreiber bei unserer Zeitung gemeldet und von verwahrlosten Kühen im Sinntal geschrieben.

Im April 2019 waren nach dem Hinweis eines Spaziergängers auf einer ehemaligen Mülldeponie  bei Schlüchtern-Hutten 27 tote verscharrte Rinder gefunden worden. Teilweise waren die Tiere verhungert, teilweise mit einem stumpfen Gegenstand erschlagen worden.

Kurios war hingegen ein anderer Fall, der zuletzt vor dem Amtsgericht Gelnhausen verhandelt worden ist. Ein Fußgänger hatte Unfallflucht begangen und begründete sein Delikt kurios – wegen eingekaufter Tiefkühlprodukte habe er am Unfallort nicht warten können.

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