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Hitziger Ortstermin in Steinau: Warum eine Bushaltestelle jetzt zwölf Meter länger wird

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Von: Walter Kreuzer

Es geht, wenn Wert darauf gelegt wird: Beim Ortstermin von Stadtverordneten, Magistrat, Stadtverwaltung, Ingenieurbüro, Ortsbeirat und Anliegern an der Haltestelle Ulmbacher Straße hielt der Bus nah am Bordstein.
Es geht, wenn Wert darauf gelegt wird: Beim Ortstermin von Stadtverordneten, Magistrat, Stadtverwaltung, Ingenieurbüro, Ortsbeirat und Anliegern an der Haltestelle Ulmbacher Straße hielt der Bus nah am Bordstein. © Walter Kreuzer

Die nasskalte Witterung am Donnerstagnachmittag konnte nicht verhindern, dass die Emotionen zeitweise hochkochten. Aber: Sowohl für die Bushaltestelle in der Ulmbacher Straße von Uerzell als auch für das Hochwasserproblem am Anwesen der benachbarten Gaststätte Blaue Taube wurden bei einem Ortstermin Lösungen gefunden.

Steinau an der Straße - Die Sanierung der Ulmbacher Straße in Steinau (Main-Kinzig-Kreis) samt Erneuerung von Kanalisation, Wasserleitung und Bürgersteigen hat in den vergangenen Jahren Anwohnern wie Kommunalpolitikern und am Bau beteiligten Ingenieuren eine gehörige Portion Nerven gekostet. Es wurden Fehler gemacht, Entscheidungen vertagt oder überhaupt nicht getroffen und schließlich Kompromisslinien gefunden, die neue Probleme heraufbeschwörten.

In letztere Kategorie gehört die Sanierung des talseitigen Bürgersteigs samt – in solchen Fällen vorgeschriebenem – behindertengerechten Umbau der Bushaltestelle. Nun sollte ein Ortstermin Klarheit schaffen über Verantwortlichkeiten, insbesondere aber auch über Lösungsmöglichkeiten.

Solche wurden gefunden, wobei deutlich wurde, dass der Erfolg manchmal viel näher liegt als gedacht: Die Haltestelle, also der Bereich mit hohen Bordsteinen, wird unterhalb der Kurve um zwölf Meter in Richtung Ortsmitte verlängert. Das Aufmerksamkeitsfeld für Sehbehinderte, die die Straße queren wollen, wird entsprechend verlegt. Dabei handelt es sich lediglich um einige in den Gehweg eingelassene Platten. Die Kosten dürften im Verhältnis zu den bisherigen Ausgaben kaum ins Gewicht fallen. (Lesen Sie auch: Main-Kinzig-Kreis: Bäume in Schlüchtern gefällt - Passanten traurig)

Main-Kinzig-Kreis: Hitziger Ortstermin in Steinau - Bushaltestelle wird länger

Die Lösung für das Hochwasserproblem beim Anwesen der Gaststätte Blaue Taube, deren Eingang unter Straßenniveau liegt, war eigentlich längst abgesprochen: Der Anlieger legt auf seinem Grundstück entlang des Gehweges eine Rinne und schließt sie an den Kanal an, der in der Nähe verläuft.

Bevor sich alle über das weitere Vorgehen einig waren, wurde teilweise hitzig diskutiert. Der Leiter des Tiefbauamts der Stadt, Andreas Heil, verteidigte die Vorgehensweise und verwies einmal mehr auf die seit Jahren bekannte personelle Unterbesetzung in der Verwaltung. Die Fraktionsvorsitzenden Holger Frischkorn (SPD) und Jens Knobeloch (WFS) wollten das nicht gelten lassen. „Die Baustelle hätte so nicht abgenommen werden dürfen“, schimpfte Knobeloch und sein Kollege ergänzte: „Wenn wir Kindergärten bauen wollen und bekommen nicht mal eine Haltestelle hin, dann müssen wir handeln.“

Bürgermeister Christian Zimmermann wandte sich dagegen, „jetzt alte Kamellen aufzuwärmen“, während Holger Seemann vom Ingenieurbüro Müller und zugleich BGM-Stadtverordneter Heil in Schutz nahm: „Er hat versucht, eine Planung zu machen. Das wurde vom damaligen Bürgermeister verhindert.“ Seemanns Chef Marc Müller wies darauf hin, dass in anderen Kommunen für solche Maßnahmen Fördermittel eingeworben und oft Anliegerbeiträge fällig würden – genau das aber wollten die Steinauer Verantwortlichen verhindern.

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