1. Fuldaer Zeitung
  2. Kinzigtal

Versuchter Einbruch – ins Elternhaus eines Schulfreunds

Erstellt:

Wegen versuchten Wohnungseinbruchs und Diebstahls mit Waffen ist ein 27-Jähriger in Gelnhausen (Main-Kinzig-Kreis) zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden (Symbolfoto).
Wegen versuchten Wohnungseinbruchs und Diebstahls mit Waffen ist ein 27-Jähriger in Gelnhausen (Main-Kinzig-Kreis) zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden (Symbolfoto). © Hauke-Christian Dittrich/dpa

Wegen versuchten Wohnungseinbruchs und Diebstahls mit Waffen ist ein 27-Jähriger vor dem Amtsgericht Gelnhausen (Main-Kinzig-Kreis) zu einer Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren verurteilt worden.

Gelnhausen - Die Taten des Mannes aus Hasselroth im  Main-Kinzig-Kreis liegen schon gut zweieinhalb Jahre zurück. In den frühen Morgenstunden des 4. Juli 2019 hebelte er in einem Wohngebiet seiner Heimatgemeinde zunächst eine Garage auf, um dort Werkzeuge zu erbeuten.

Diese nutzte er anschließend, um beim angrenzenden Wohnhaus gewaltsam die verschlossene Kellertür zu überwinden. Nachdem dies misslang, wollte er über ein gekipptes Kellerfenster in das Anwesen einsteigen. Da wurden jedoch die Bewohner wach und machten das Licht an, was ihn zur Flucht veranlasste.

Main-Kinzig-Kreis: Versuchter Einbruch – ins Elternhaus eines Schulfreunds

Besonders skurril: Der Angeklagte hatte sich für diesen Bruch gezielt das Elternhaus eines früheren Schulfreundes ausgesucht. Gut zwei Monate später, wieder in den frühen Morgenstunden, hatte sich der 27-Jährige ein Wohnhaus in Freigericht als Tatobjekt ausgewählt.

Da dort die Terrassentür wegen der warmen Witterung nicht verschlossen war, hatte er leichtes Spiel. Und auch der Haushund bereitete ihm keine Schwierigkeiten. In dem Gebäude entdeckte er eine Gin-Flasche. Ehe er mit dieser das Weite suchen konnte, wurde der Hausherr auf den Eindringling aufmerksam. 

Dieser hörte Geräusche und vermutete seinen schlafwandelnden Schwiegervater als Verursacher. Also stieg er aus dem Bett auf – und stand unvermittelt dem Fremden gegenüber. Doch der 43-Jährige reagierte abgebrüht und stellte den 27-Jährigen zur Rede. Schließlich setzte sich dieser mit ihm an einen Tisch und ließ sich auf ein Gespräch ein – bis eine Polizeistreife eintraf.

In der Zwischenzeit verriet ihm der Täter, dass er auf der Suche nach Alkohol war. Und er schlug vor, die ganze Angelegenheit ohne Anzeige aus der Welt zu schaffen. Als Wiedergutmachung wolle er dafür Arbeitsstunden im Garten ableisten.Als die Beamten dann am Tatort eintrafen, machten sie im mitgeführten Rucksack des Tatverdächtigen brisante Entdeckungen.

Dort fanden sie eine Schreckschusspistole, einen Schlagring und eine elektromagnetische Waffe. Der Hausbesitzer ist noch heute froh, dass damals seine Ehefrau und die Kinder nichts von dem Vorfall mitbekamen und weiterschliefen – und ihm selbst nichts passiert ist.

Der 27-Jährige räumte beide Taten ein, wobei er angab, in einem Fall „zugedröhnt“ gewesen zu sein. Überhaupt ist bei ihm die Suchtproblematik seit seiner Volljährigkeit ein großes Thema. Alkohol, Medikamente, Drogen – vieles davon hat er in den vergangenen Jahren in teils großen Mengen zu sich genommen.

Dadurch verlor er auch seine Arbeit und seinen Führerschein. Derzeit befindet er sich in einem Substitutionsprogramm. Sein Ziel sei es, künftig den Alltag drogenfrei zu bestreiten und eine Rückkehr ins normale gesellschaftliche Leben zu schaffen.

Video: Was tun bei einem Einbruch?

Ein Gutachter hielt den Beschuldigten aufgrund seines „gezielten und kontrollierten Vorgehens“ bei den beiden Taten für voll schuldfähig, hielt jedoch eine Drogentherapie für angebracht, um Rückfälle zu vermeiden. Der 27-Jährige  hat sich mittlerweile für seine Taten entschuldigt – bei den Eltern seines Schulfreundes mit Blumen, bei dem Freigerichter im Gerichtssaal.

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft hatte 15 Monate zur Bewährung gefordert. Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Andreas Weiß ging in seinem Urteil drei Monate höher. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre. Der 27-Jährige muss eine stationäre Therapie absolvieren und 120 Sozialstunden ableisten. (ls)

Auch interessant