Unser Foto zeigt: Roksana (von links), Zehra und Arin mit Gitarrenlehrer Rafael De Stefano. / Foto: Kathrin Noll

„Angekommen im Bergwinkel“: Neun junge Menschen bei Integrationsprojekt

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
    schließen

Schlüchtern - Gemeinsam etwas unternehmen, kreativ sein, Spaß haben, Kontakte knüpfen: Das Projekt „Angekommen im Bergwinkel“ des Diakonischen Werks Hanau-Main-Kinzig bringt Jugendliche aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen zusammen.

Von Katrin Noll

Alle 14 Tage treffen sie sich im evangelischen Gemeindezentrum in Schlüchtern. Was auf dem Programm steht, bestimmen sie weitgehend selbst.

Flink huschen die Finger der linken Hand über das Griffbrett, während die rechte mit beeindruckender Schnelligkeit die Saiten zupft. Aufmerksam lauschen Roksana (16), Zehra (20) und Arin (20) der Melodie und verfolgen jede noch so kleine Bewegung von Gitarrenlehrer Rafael De Stefano. Dann sind die drei Mädels selbst an der Reihe. Keine von ihnen hat je zuvor auf einer Gitarre gespielt, aber nach wenigen Fingerübungen ist klar: Die Drei haben Talent – und gehen hochmotiviert und mit Freude an die Sache. Binnen einer Stunde haben sie nicht nur sechs Akkorde gelernt, sondern auch ihr erstes Lied: „Happy Birthday“ – und sind mächtig stolz darauf.

Projekt im Juli gestartet

Rafael De Stefano, der in der Musikschule Jacobi in Herolz unterrichtet, spart nicht mit Lob. „Hat’s euch gefallen?“, will er wissen. „Ja, sehr!“, antwortet Zehra und strahlt über das ganze Gesicht. Das Trio, das aus Syrien und der Türkei stammt, hatte sich diesen Gitarren-Crashkurs sehnlichst gewünscht, und für alle steht danach fest: „Wir wollen weitermachen.“

Auch Angelika Dabat staunt über die Fortschritte und die Begabung der jungen Frauen. Unterstützt von Rebecca Henkel leitet sie das Jugendprojekt „Angekommen im Bergwinkel“ des Diakonischen Werks Hanau-Main-Kinzig, das im Juli gestartet ist.

Ausflug auf Kartbahn geplant

Bis zu neun Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 15 bis 21 Jahren treffen sich alle zwei Wochen am späten Dienstagnachmittag im evangelischen Gemeindezentrum in der Kirchstraße. Das Programm gestalten sie nach ihren Wünschen mit: So fanden bisher Koch-, Film- und Spieleabende statt, demnächst ist ein Ausflug auf die Kartbahn nach Bergen-Enkheim geplant, außerdem ein Workshop rund um das Thema Bilder und Filme bearbeiten. Die Gruppe hat bereits eine Facebook-Seite eingerichtet, eine Homepage soll ebenfalls folgen.

Gedacht ist das Integrationsprojekt nicht nur für geflüchtete, sondern auch für einheimische Jugendliche. Im August waren Dabat und Henkel daher in der Schlüchterner Innenstadt unterwegs, verteilten Flyer, sprachen Gleichaltrige aus dem Bergwinkel an, um für das neue Angebot zu werben. Die Reaktionen seien durchweg positiv gewesen. „Viele meinten, das Projekt klinge interessant“, berichtet Dabat, die gebürtige Jordaniern ist und Arabisch in Wort und Schrift beherrscht. „Vorbeigeschaut hat aber bislang leider keiner.“

Frei Plätze noch vorhanden

Das könnte vielleicht auch mit der Uhrzeit zusammenhängen, wie die 50-Jährige vermutet. Für viele sei 17 Uhr zu früh, weil sie etwa spät Schule aus hätten, arbeiteten oder zum Fußballtraining müssten; einige der Teilnehmer sind auf Zug und Bus angewiesen. Für nächstes Jahr sei daher angedacht, die Anfangszeit der Treffen etwas nach hinten zu verlegen. Auch einen weiteren „Knackpunkt“ hat Dabat ausgemacht, warum es so schwierig ist, „einheimische und geflüchtete Jugendliche in einem Raum zusammenzubringen“: „Sie bilden ihre Cliquen, und da kommt dann keiner rein“, so ihre Erfahrung.

Freie Plätze sind also noch vorhanden. Die Jugendlichen, die bereits bei diesem Projekt mitmachen, sind jedenfalls begeistert von dem vielseitigen und kreativen Programm und kommen gerne, wenn sie können.

Termin

Die Teilnehmer des Jugendprojekts „Angekommen im Bergwinkel“ treffen sich alle zwei Wochen jeweils dienstags um 17 Uhr im evangelischen Gemeindezentrum, Kirchstraße 32 in Schlüchtern. Nächster Termin ist am 26. November. Wer unter 18 Jahre alt ist, benötigt für die Teilnahme das Einverständnis der Eltern. Weitere Infos gibt es bei Angelika Dabat, Telefon (0170) 7092040, oder per E-Mail an angelika.dabat @ekkw.de.

Das könnte Sie auch interessieren