Animationen: DB Netz

Per Aufzug zum Gleis: Bahnhof Schlüchtern wird umgebaut

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Schlüchtern - Bis Ende des Jahres 2022 soll der barrierefreie Ausbau des Bahnhofs Schlüchtern abgeschlossen sein. Das sagte Dirk Schütz von der Deutschen Bahn während einer Bürgerversammlung in der Stadthalle.

Dazu hatte Stadtverordnetenvorsteher Joachim Truss rund 100 Zuhörer begrüßt. Schütz skizzierte den Zeitplan für die sehnlichst herbeigesehnten Arbeiten: Auch wenn der Finanzierungsvertrag zwischen Land, Landkreis, RMV und Stadt noch nicht unterzeichnet ist, rechnet Schütz fest damit, dass dies rechtzeitig in diesem Jahr passiert. Danach erfolgen die europaweite Ausschreibung und die Vergabe. 2021 sollen vorbereitende, 2022 die Hauptarbeiten erledigt werden.

Scheiben ausgetauscht und Bahnhof gestrichen

Schütz war erkennbar bemüht, nach der Kritik von Pendlern und der Lokalpolitik am Erscheinungsbild des Bahnhofs aufzuzeigen, wie sich die Bahn um Abhilfe bemüht. So seien unlängst einige Arbeiten abgeschlossen worden: Dazu zählen das Streichen des Bahnhofsgebäudes an verschiedenen Seiten oder der Austausch von zerborstenen Scheiben. Keinen Erfolg habe man mit dem Wunsch an den Eigentümer des Gebäudes gehabt, der offenbar seinen Sitz in München hat, im Wartebereich einen Heizstrahler für die kalten Wintermonate zu installieren. Dieser habe das Ansinnen rundweg abgelehnt.

Im Bereich des Busbahnhofs habe man anstelle eines Fahrkartenautomaten eine Sitzbank aufgestellt und Bauschutt und Grünzeug an den Gleisen entfernt. Die Unterführung habe man mit Dampfstrahl gereinigt, außerdem die Wände gestrichen und die Entwässerung verbessert. Am Parkplatz seien defekte Lampen entfernt worden. Ein Teilbereich dieser Fläche ist derzeit gesperrt, weil dort der Hang rutscht. Ein Gutachter beobachte die Bewegungen und erarbeite dann einen Sanierungsvorschlag.

Aufzüge und Rollstuhlrampe für Barrierefreiheit

Barrierefreier Ausbau des Bahnhofs bedeutet: Vom Parkplatz aus wird eine rollstuhlgerechte Rampe zu Gleis 1 angelegt. Die Bahnsteige werden angehoben, um leichter in die Züge einsteigen zu können. Die Gleise, an denen Personenzüge halten, sind über Aufzüge erreichbar. Der denkmalgeschützte Aufgang zum Mittelbahnsteig wird saniert und erhält eine neue Dachkonstruktion. Platz für eine barrierefreie Rampe gebe es an diesem Bahnhof nicht, sagte Schütz auf Nachfrage. Der ebenfalls dringend erwartete Bau eines WCs am Busbahnhof sei Bestandteil der Arbeiten bis 2022. Auf die Frage, ob man dieses Teilprojekt vorziehen könne, sagte Schütz: „Das müssen wir diskutieren. Wo eine Wille ist, da ist ein Weg.“

„Da wurden haarsträubende Fehler beim Verkauf gemacht“

Auf Unverständnis und scharfe Kritik auch bei Bürgermeister Matthias Möller (parteilos) stieß der Umstand, dass die Bahn beim Verkauf des Bahnhofsgebäudes dem neuen Eigentümer keine Auflagen gemacht habe, in welcher Form er für die Instandhaltung des Bahnhofsgebäudes zu sorgen habe. „Da wurden haarsträubende Fehler beim Verkauf gemacht, die sie dringend korrigieren müssen. Beseitigen sie endlich diesen Schandfleck“, sagte er an Schütz gewandt. Dieser räumte ein, dass es keine Handhabe gebe, bot aber an, zusammen mit Möller nach München zu fahren und mit dem Eigentümer zu sprechen. Nichts leichter als das: Möller versprach, noch gestern darüber mit Schütz zu telefonieren und einen Termin zu vereinbaren.

Eine Kameraüberwachung, wie sie die CDU-Fraktion gefordert hatte, ist laut Schütz derzeit nicht vorgesehen. Die Bundespolizei sehe dafür keinen Anlass, weil am Bahnhof (glücklicherweise) keine Straftaten passierten. Da es sich um öffentlichen Raum handele, bedürfe es „guter Gründe“, um Kameras zu installieren. Wenn dies gewünscht sei, müssten sich Bahn und Stadt ins Benehmen setzen.

Mehr als 900.000 Euro?

Eine Dame beklagte die sehr hohe Stufe an Gleis 1. Das sei nicht zumutbar. Auch der Parkplatz mit seinen Pfützen und Unebenheiten sei unmöglich, kritisierte sie. Sie „hechte“ dort in der Dunkelheit regelmäßig im Laufschritt zu ihrem Auto, weil ihr die Umstände nicht geheuer seien. Ein Stadtverordneter befürchtete, dass es mit den 900.000 Euro, welche die Stadt einzubringen habe, nicht getan sei. Wegen der Steigerung bei den Baukosten könne dies durchaus sein, sagte Schütz, aber auch Bürgermeister Möller hofft, dass die sich mögliche Mehrkosten für die Stadt im Rahmen halten werden. / ag

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