Ein Messerstecher sticht mit Messer, Polizei, Blaulicht
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Der 35-Jährige schickte seiner Internet-Bekanntschaft ein Foto von sich, in der Hand ein großes Messer, mit der Klinge in Richtung Kamera gehalten.

Bad Orber vor Gericht

Mit Messer bedroht: 35-Jähriger wollte Internet-Bekanntschaft zu einer Beziehung zwingen 

Auf martialische Weise versuchte der 35-Jährige eine Frau einzuschüchtern. Seiner Internet-Bekanntschaft schickte der Bad Orber ein Foto von sich, in der Hand ein großes Messer, mit der Klinge in Richtung Kamera gehalten.

Bad Orb - Dazu schrieb er der Frau aus Waldbrunn, sie werde wohl „verstehen, was das bedeutet“. Gleichzeitig drohte er ihr, Bilder, auf denen die Frau leicht bekleidet zu sehen ist und die sie ihm im Vorfeld geschickt hatte, im Internet zu veröffentlichen. Alles vor dem Hintergrund, dass er sie zwingen wollte, mit ihm eine Beziehung einzugehen. Sie erfüllte den Wunsch nicht, sondern forderte den Orber auf, die Fotos zu entfernen. Die Nachrichten hatte der Arbeitslose ausgerechnet an Weihnachten vergangenen Jahres versandt.

35-Jähriger wollte Beziehung zu Internet-Bekanntschaft - und räumt Vorwürfe nur zögerlich ein

Der Beschuldigte räumte die Vorwürfe nur zögerlich ein. Seit drei Jahren versuche er, über das Internet eine Freundin zu finden. Und werde dort von den Frauen regelmäßig nur „verarscht“. Nach dem Verlesen der Anklage wusste der 35-Jährige zunächst nicht, um welche Person es sich im vorliegenden Fall handelt. Erst nach einigem Nachdenken fiel ihm ein, es müsse sich wohl um die „etwas dickliche Dame“ drehen.

Neben der allgemeinen Frustration über die Nichtbeachtung seitens der Frauen machte er im konkreten Fall noch den Tod einer nahen Verwandten als Auslöser für seine Nachrichten aus. Daraufhin habe er ein Burnout erlitten. Seine schriftlichen Äußerungen an die Bekannte seien daher als „Hilfeschrei“ zu sehen: „Wegen der toten Tante habe ich durchgedreht.“ Vermutlich habe er sie „übelst unter Alkoholeinfluss“ versendet. An Details könne er sich nicht mehr erinnern. Mit Absicht habe er das wohl alles nicht gemacht, bedauerte er sein Handeln.

Das Opfer selbst erschien nicht vor dem Amtsgericht Gelnhausen als Zeugin. Stattdessen ließ sie Richter Thomas Russell ein Attest zukommen. Demnach bescheinigte ihr ein Arzt Verhandlungsunfähigkeit. Die Frau sei psychisch angeschlagen, schrieb der Mediziner. Und sie habe große Ängste vor einem Treffen mit der Internet-Bekanntschaft.

Bad Orber bedroht Internet-Bekanntschaft mit Messer: Urteil wurde umgehend rechtskräftig

„Da kriegt man schon Angst“, zeigte der Vorsitzende Verständnis für das Opfer. Zumal der Beschuldigte juristisch kein unbeschriebenes Blatt ist. Neben diversen Verurteilungen stach besonders ein Vorfall aus dem Jahr 2009 im Register ins Auge. Damals hatte der Orber auf einem Supermarkt-Parkplatz in seiner Heimatstadt eine Frau niedergeschlagen und auf sie eingetreten. Richter Russell verurteilte den Mann im aktuellen Fall wegen zweifacher versuchter Nötigung, einmal in Verbindung mit Zurschaustellung von Bildern ohne Zustimmung der Betroffenen, zu einer Geldstrafe von 600 Euro (60 Tagessätze à 10 Euro).

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft Hanau hatte gleichlautend plädiert. Da auch der Angeklagte mit dem Strafmaß einverstanden war, wurde das Urteil umgehend rechtskräftig. (ls)

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