Gestohlene Kennzeichen und eine Verfolgungsjagd mit der Polizei - im Kinzigtal wird ein regelrechter Krad-Krimi verhandelt.
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Gestohlene Kennzeichen und eine Verfolgungsfahrt mit der Polizei - im Kinzigtal wird ein regelrechter Krad-Krimi verhandelt. (Symbolfoto)

Handy wird beschlagnahmt

Krad-Krimi im Kinzigtal: Freundin des Angeklagten macht heimlich Tonaufnahme in Polizeiwache

Es geht um ein gestohlenes Bike-Kennzeichen, mehrere mysteriöse Fahrten mit einem Motorrad und eine Verfolgungsfahrt mit der Polizei. Doch auch am zweiten Prozesstag gab es noch keinen Abschluss in dem Verfahren gegen den 29-jährigen Angeklagten, sondern spannende Entwicklungen und einen energischen Auftritt des Staatsanwalts.

Bad Soden-Salmünster - Die Geschichte nahm am 31. August vorigen Jahres ihren Anfang in Salmünster. Dort wurde von einem Unbekannten das Kennzeichen eines Motorrads gestohlen. Die Besitzerin brachte den Fall bei der Polizei Bad Orb zur Anzeige. Nur einen Tag später sah sie ihr Kennzeichen wieder – montiert an einem anderen Krad, das in der Kurstadt an Salz und Kinzig unterwegs war. Ein Polizeibeamter erblickte kurz danach zweimal ebenfalls das Bike mit dem gestohlenen Kennzeichen in der Stadt. Doch beide Male gelang es nicht, den Fahrer zu stellen (Lesen Sie hier: Fuldaer liefert sich gefährliches Rennen mit der Polizei. Und: Polizei stoppt flüchtigen Drogendealer mit Nagelbrett.)

Krad-Krimi im Kinzigtal: Heimliche Tonaufnahme auf der Polizeiwache

Allerdings bekamen die Ermittler einen Hinweis auf einen Verdächtigen: den 29-Jährigen, an dessen Wohnsitz sie das auffällige Krad im Garten abgestellt fanden – ohne Kennzeichen.

Daraufhin wurde die Wohnung des Mannes durchsucht, er selbst aber nicht angetroffen. Nun sollten am zweiten Verhandlungstag fünf weitere Zeugen vernommen werden. Die Verteidigung beantragte zudem, auch die Freundin des Angeklagten in den Zeugenstand zu holen.

Zwei ehemalige Nachbarn des Angeklagten in Salmünster – er selbst wohnt mittlerweile nicht mehr dort – brachten wenig Erhellendes. Aufschlussreicher war da die Aussage eines 37-jährigen Beamten der Polizeistation Bad Orb, der beispielsweise von einem Gespräch des Angeklagten, dessen Freundin und dessen Mutter kurz nach der Wohnungsdurchsuchung in den Räumen der Polizeistation Bad Orb berichtete.

Heimliche Tonaufnahme bringt Freundin des Angeklagten in Schwierigkeiten - Staatsanwalt beschlagnahmt Handy

Details der Aussage des Polizisten bezeichnete der Angeklagte während der Verhandlung gegenüber seinem Verteidiger als unwahr. Dies könne er belegen: Mit einer Tonaufnahme, die seine Freundin während des Aufenthalts in der Polizeistation heimlich mit ihrem Handy gemacht habe. Ein Handeln, das strafbar ist. (Lesen Sie hier: In Fulda wurde ein Autofahrer von einem Flaschenwerfer attackiert.)

Großer Schreck beim Verteidiger und umgehendes Handeln beim Vertreter der Staatsanwaltschaft Hanau. Er ließ die Freundin hereinrufen, forderte die Herausgabe ihres Handys und erklärte es als Beweismittel für sichergestellt. Gleichzeitig kündigte er an, gegen sie ein Strafverfahren wegen der Verletzung der Vertraulichkeit des gesprochenen Wortes einzuleiten und belehrte sie als Beschuldigte, nun keine Aussage mehr machen zu müssen, mit der sie sich selbst belaste.

Verhandlung im Kinzigtaler Krad-Krimi: Angeklagter versuchte Zeugen zu beeinflussen

Anschließend hörten sich Richter Dr. Wolfgang Ott, Staatsanwalt und Verteidiger die beiden Tonaufnahmen mit einer Gesamtlänge von rund 25 Minuten im Gerichtssaal an. Das Gehörte sorgte weniger für Zweifel an der Aussage des Polizisten, sondern für ein ernüchterndes Resümee beim Staatsanwalt in Richtung Anklagebank: Er frage sich, wie viele Personen der 29-Jährige, der bislang in dem Verfahren die Aussage verweigert, mit seinem Verhalten noch hineinreißen wolle.

Der Verteidiger bat das Gericht, die übrigen drei Zeugen, die den Angeklagten wohl entlasten sollten, an diesem Tag nicht mehr zu vernehmen. Schließlich habe er eine Fürsorgepflicht gegenüber diesen Personen. Alle Beteiligten einigten sich darauf, zunächst die Tonaufnahmen verschriftlichen zu lassen. Wenn diese Abschrift dem Angeklagten vorliegt, werde dieser eine Erklärung abgeben, kündigte der Rechtsanwalt an. Der Richter vertagte den Prozess auf einen neuen Termin in zwei Wochen.

Erwähnenswert: Nach einer vorgelagerten Verhandlungspause hatte der Vorsitzende zu Protokoll nehmen lassen, dass der Angeklagte in dieser Zeit auf dem Gerichtsflur die drei Schluss-Zeugen über die Aussage des Polizeibeamten informiert hatte. Eigentlich sollen Aussagen ohne jegliche Beeinflussung und ohne Kenntnis der Angaben anderer Zeugen gemacht werden. (ls)

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