Oberstaatsanwalt Dominik Mies vertritt die Anklage im Prozess gegen einen 43-Jährigen, der am 18. Februar seine Ehefrau in Salmünster getötet haben soll.
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Oberstaatsanwalt Dominik Mies vertritt die Anklage im Prozess gegen einen 43-Jährigen, der am 18. Februar seine Ehefrau in Salmünster getötet haben soll.

Wiederholte Drohungen

Tochter belastet Vater in Mordprozess schwer: 13-Jährige sagt als Zeugin zur Tötung ihrer Mutter aus

Die 13-jährige Tochter hat ihren Vater vor Gericht als denjenigen benannt, der die Mutter in der gemeinsamen Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in Salmünster am frühen Morgen des 18. Februar dieses Jahres mit drei Messerstichen getötet hat. Sie war die einzige unmittelbare Tatzeugin.

Salmünster - Das Mädchen machte am Freitag vor der Ersten Großen Strafkammer des Landgerichts Hanau unter Vorsitz von Richterin Susanne Wetzel diese wichtige Aussage. Sie war eigens mit ihrer Oma aus Kroatien eingeflogen worden. Über drei Stunden wurde sie - unter Ausschluss der Öffentlichkeit - vernommen. Dies geschah in einem separaten Raum und wurde per Live-Video in den Gerichtssaal übertragen, um ein direktes Aufeinandertreffen mit ihrem Vater zu verhindern. Allerdings äußerte das Mädchen von sich aus den Wunsch, den 43-Jährigen sehen zu wollen. Diese Möglichkeit räumte das Gericht zum Abschluss des dritten Verhandlungstages am Freitag ein - unter der Aufsicht von Justizbeamten.

Richterin Wetzel lobte die 13-Jährige für ihre Aussage: „Ein extrem beeindruckender Auftritt.“ Doch auch die Befragungen von zwei weiteren Zeuginnen brachten belastende Details hinsichtlich des Angeklagten. Beide sprachen von einer länger zerrütteten Ehe und berichteten von psychischen und physischen Übergriffen des Mannes auf das spätere Opfer. Alkoholprobleme der Frau, wie sie der Beschuldigte angeführt hatte, konnten sie nicht bestätigen.

Mordprozess: Tochter belastet Vater schwer - Schwiegermutter spricht von „sehr schlechter Ehe“

Die Schwiegermutter des Angeklagten sprach von einer „sehr schlechten Ehe“ ihrer Tochter, in der von Anfang an gestritten worden sei. Schon lange habe diese sich trennen wollen, sei jedoch aus Rücksicht auf die Kinder diesen Schritt zunächst nicht gegangen. Die Schuld für die zerrütteten Verhältnisse sah sie bei dem 43-Jährigen. Sie selbst sei mit ihm zwar gut zurechtgekommen. Er sei auch ein guter Vater gewesen, aber kein guter Ehemann.

Er habe gemeint, er sei „von Gott gegeben“ und keiner so schlau wie er, schilderte sie ihren Eindruck. Gleichzeitig habe er der Tochter oft vorgehalten, sie sei schlecht erzogen und dumm. Für die 58-Jährige ist klar: Der Schwiegersohn ist ein „narzisstischer Psychopath“. Schon längere Zeit habe die Tochter Angst vor dem Angeklagten gehabt – auch Angst, dass er sie umbringt. Schließlich sei es in der Vergangenheit schon zu körperlichen Übergriffen gekommen. Bei einem Vorfall in der kroatischen Stadt Split habe er sie derart mit einem Ball beworfen, dass sie am Gehör eine Verletzung davontrug. In Bad Soden-Salmünster bewarf er sie bei einem Streit mit einer Flasche.

Angeklagter soll seine Ehefrau mehrmals bedroht haben

Die Übergriffe bestätigte auch eine enge Freundin der Getöteten, ebenfalls eine Kroatin. Die 36-Jährige aus Offenbach hatte sie einst bei der Arbeit als Zimmermädchen kennengelernt und sie „geliebt wie eine Schwester“. Bei ihr schüttete das Opfer sein Herz aus, sprach davon, dass ihr der Ehemann das Rauchen oder Bier zu trinken verbiete. Samstag und Sonntag wollte er keinen Besuch in der Wohnung haben. Ebenso habe er ihr Ansinnen verhindert, dass sie eine besser bezahlte Arbeitsstelle in Frankfurt annimmt, damit sie nicht wirtschaftlich unabhängiger werde sich dann von ihm trenne.

Der 43-Jährige habe seine Ehefrau erniedrigt und ihr gesagt, sie sei dumm, erinnerte sich die Zeugin. Der 15-jährige Sohn habe die Worte des Vaters dann wiederholt. Schlimmer noch: Auch die Zeugin wusste von offenen Drohungen gegen die Ehefrau. Er wolle sie umbringen, habe sie unter Druck gesetzt. Oder Freunde würden das für ihn erledigen und ihr Gesicht so entstellen lassen, dass sie die eigene Mutter nicht mehr erkenne. Die Ehefrau habe daher in letzter Zeit ihre Pläne forciert, sich von ihm scheiden zu lassen. Am Abend bevor sie getötet wurde, habe sie noch einmal mit ihr telefoniert, sagte die 36-jährige Zeugin. Ihre letzten Worte hätten wie ein Abschied für immer geklungen.

Zum Verhandlungsauftakt: Angeklagter fordert überraschend einen neuen Verteidiger

Der Angeklagte war mit ihrer Aussage offenbar unzufrieden und herrschte sie in kroatischer Sprache an. Sie habe keine Ahnung und solle sich besser um ihr eigenes Leben kümmern. Richterin Wetzel unterband diese Verbalattacken. Dennoch zeigten sie offenbar Wirkung: Die Zeugin äußerte ebenfalls Angstgefühle für die Zeit, wenn der 43-Jährige eines Tages wieder aus dem Gefängnis entlassen werde.

Zum Verhandlungsauftakt am Freitag hatte der Angeklagte überraschend einen neuen Verteidiger gefordert, mit dem er sich in seiner Landessprache unterhalten könne. Als Begründung nannte er ein zerrüttetes Verhältnis zu seinem bisherigen Rechtsbeistand. Die Vorsitzende Richterin sah dafür aber keine Veranlassung. Am Ende des Verhandlungstages hatten sich die Wogen zwischen den beiden offensichtlich wieder geglättet. (ls)

Lesen Sie hier: Tränen vor Gericht: 43-Jähriger muss sich wegen Mordes an seiner Ehefrau verantworten Und: Tötungsdelikt in Salmünster: 38-Jährige stirbt an Messerstichen

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