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Bahnprojekt Hanau-Fulda mit 600-Meter-Brücke: Wird alles leiser oder schlimmer?

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Schlüchtern - Mit der Bahntrasse, welche den Kinzig-Stausee überquert, hätten die Schlüchterner wohl noch gerade so leben können. Aber die Variante, für die bei Niederzell eine 600 Meter lange und 32 Meter hohe Brücke errichtet werden muss, wollen sie keineswegs akzeptieren.

Von unserem Redaktionsmitglied Alexander Gies

Das wurde noch einmal während der Bürgerversammlung deutlich, zu der Stadtverordnetenvorsteher Joachim Truss etwa 100 Zuhörer in der Stadthalle begrüßte. Besonders Bürgermeister Matthias Möller (parteilos) ließ keinen Zweifel daran aufkommen, dass sich die Stadt „gegen die schlimmste aller Varianten“ mit allen ihr zur Verfügung stehenden, auch juristischen Mitteln wehren werde. Er berief sich dabei auf einen Auftrag, den ihm die Stadtverordneten im Januar erteilt hatten.

Möller sieht sich von der Bahn getäuscht. Während im vergangenen Jahr alles auf die Stausee-Variante hinausgelaufen sei, habe die Bahn im November „auf einmal die Ostumfahrung des Stausees aus dem Hut gezogen“ und für das Raumordnungsverfahren angemeldet. Möller wirft der Bahn vor, im Laufe der Zeit die Spielregeln geändert und sich das Verfahren „zurechtgebogen“ zu haben.

Möller stellte Projekt infrage

Er kündigte an, im Raumordnungsverfahren mit Unterstützung von zwei Fachanwälten „die Hürden für die Bahn so hoch wie möglich“ legen zu wollen. Möller stellte das Projekt überhaupt in Frage: „Die Mobilität wird sich in Deutschland grundsätzlich ändern. Ob es da noch angezeigt ist, für eine Fahrtzeitersparnis von wenigen Minuten einen so hohen Aufwand zu betreiben, sehe ich kritisch. Die Bahn sollte auf Vorstandsebene das Vorhaben noch einmal komplett überdenken“, sagte Möller.

Zuvor hatte Dirk Schütz von der Bahn versucht, den Anwesenden die Variante IV schmackhaft zu machen. Die Vorteile aus Sicht der Bahn sind:

• Es werde leiser, weil die neuen Gleise weiter weg sind von den Orten, weil sie Lärmschutz erhalten und weil Güterzüge die neue Strecke nutzen. Künftig seien statt 38000 noch 12000 Menschen von Grenzwertüberschreitungen betroffen.

• Der Nahverkehr werde pünktlicher, häufiger und schneller, weil die pro Tag rund 100 ICE und IC die neue Strecke befahren.

• Der RMV könne einen Hessenexpress einsetzen, der Schlüchtern direkt mit Hanau und Fulda verbindet und 13 beziehungsweise 8 Minuten Fahrtzeit erspart. Schütz räumte ein, dass die Entscheidung über einen Halt des Hessen-Express in Schlüchtern noch nicht gefallen sei, aber er „halte es für sehr wahrscheinlich“.

Ergebnisse im nächsten Jahr

Wie „laut“ es künftig entlang der neuen Strecke wird, das ermittele derzeit das Heinrich-Hertz-Institut mit Messungen und Simulationen. Die Ergebnisse würden im nächsten Jahr vorgeführt, sagte Dirk Schütz. Ab Januar wird auf der Seite www.hanau-fulda.de ein Animationsfilm zu finden sei, der den Verlauf der Trasse aus der Vogelperspektive simuliert. Während der Versammlung wurde er gezeigt.

Schütz und ein Bahnsprecher wehrten sich außerdem gegen die Behauptung, die Bahn habe die Variante IV mit der Ostumfahrung des Stausees einfach aus dem Hut gezaubert. Diese Streckenführung sei schon bis zu zwei Jahre vorher Bestandteil der Prüfung gewesen, weil sich die Überquerung des Sees frühzeitig als zumindest problematisch angedeutet habe.

„Wir haben diese Rückstellvariante immer betrachtet. Nur war das vielleicht nicht so im Bewusstsein der Teilnehmer des Dialogforums.“ Mittlerweile habe sich sogar herausgestellt, dass die jetzige Variante IV noch günstiger bei vielen Kriterien abschneide als andere.

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