Schuhkartons der Firma Birkenstock
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Die Firma Birkenstock steht möglicherweise vor der Verkauf.

Werk in Steinau-Uerzell

Entscheidung ist gefallen: Neue Eigner für Birkenstock - Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben

  • Walter Kreuzer
    vonWalter Kreuzer
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Über Wochen wurde über den Verkauf des Unternehmens Birkenstock spekuliert. Jetzt bestätigt der Sandalenhersteller, der ein Werk in Steinau-Uerzell betreibt, entsprechende Medienberichte.

Update vom 1. März, 16.22 Uhr: Der weltbekannte Sandalenhersteller Birkenstock geht mehrheitlich an die amerikanisch-französische Beteiligungsgesellschaft L Catterton und die Familienholding Financière Agache. „Über die Details der Vereinbarung wurde Stillschweigen vereinbart“, teilte das Unternehmen mit Stammsitz im rheinland-pfälzischen Linz am Rhein mit.

Die Transaktion stehe unter dem Vorbehalt der Genehmigung der zuständigen Wettbewerbsbehörden. Die Partnerschaft sei für Birkenstock „der nächste logische Schritt, um auch in Zukunftsmärkten wie China und Indien weiter stark zu wachsen“.

Birkenstock: Entscheidung über Verkauf der Marke gefallen

Die Erben Christian und Alex Birkenstock erklärten laut Mitteilung: „Für die nächsten 250 Jahre brauchen wir Partner mit der gleichen strategischen und langfristigen Vision wie die der Familie Birkenstock. In L Catterton and Financière Agache haben wir diese Partner gefunden.“ Die Marke Birkenstock hat im Jahr 1774 ihren Anfang genommen.

L Catterton ist mit dem französischen Luxushersteller LVMH mit Marken wie Christian Dior, Louis Vuitton und Kenzo verbandelt. Financière Agache ist die Holdinggesellschaft des milliardenschweren LVMH-Chefs Bernard Arnault. Er verwies darauf, Birkenstock habe sich „zu einer der wenigen ikonischen Marken in der Schuhindustrie entwickelt. Wir schätzen Marken mit diesem langen Erbe sehr.“

Video: Birkenstock wird französisch - Luxus-Holding übernimmt Mehrheit

Auch andere Bieter hatten Interesse an Birkenstock bekundet. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur blieb davon am Schluss der luxemburgische Finanzinvestor CVC übrig, bis Birkenstock schließlich nur noch mit L Catterton und Financière Agache zu Ende verhandelte.

Das deutsche Familienunternehmen in sechster Generation mit rund 4300 Beschäftigten steht nach eigenen Angaben wirtschaftlich auf stabilen Füßen. 2019 habe es rund 720 Millionen Euro Umsatz bei 130 Millionen Nettogewinn verbucht - und auch im Corona-Jahr 2020 trotz zweimonatiger Fabrikschließungen Erlöse etwa auf Vorjahresniveau erwirtschaftet.

Auswirkungen auf Werk in Steinau-Uerzell

Über Auswirkungen auf einzelne Standorte wie den in Uerzell, dessen Schließung 2013 nach starken Protesten in der Region verhindert werden konnte, wird in der Stellungnahme des Konzerns zunächst nichts Konkretes gesagt. Aber: Alle Jobs sollen erhalten bleiben. Erst kürzlich seien die Investitionen in die Produktionsstätten erhöht worden.

Bei seinem Teilverkauf geht es Birkenstock nach eigenen Worten um neue Marktzugänge in Asien und dem Mittleren Osten. Christian und Alex Birkenstock bleiben Minderheitsgesellschafter. Ein dritter Bruder ist längst von Bord gegangen. 2012 stiegen laut Birkenstock mit Oliver Reichert und Markus Bensberg erstmals familienfremde Chefs ins Unternehmen ein, das in Linz am Rhein auf einer Burg residiert.

Keinesfalls handele es sich um den Ausverkauf einer deutschen Traditionsfirma, versichert Birkenstock. Alle Jobs blieben erhalten. Erst kürzlich seien die Investitionen in die Produktionsstätten erhöht worden. Diese befänden sich fast alle in Deutschland - abgesehen von einem Standort in Portugal.

Teilverkauf von Birkenstock: Märkte in Asien als Ziel

Erstmeldung vom 4. Februar: Uerzell - Für fünf Milliarden US-Dollar – aktuell etwa 4,16 Milliarden Euro – soll die US-amerikanische Private-Equity-Gesellschaft (Kapitalbeteiligungsgesellschaft) CVCCapital Partners die Birkenstock Group kaufen wollen. So berichtet es Mitte Januar die Wirtschafts-Nachrichtenagentur Bloomberg, und so ziehen in der Folge renommierte überregionale Zeitungen nach, darunter die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und die „Neue Zürcher Zeitung“. Und auch Bloomberg legt nach: Ende Januar ist dort die Rede von der Firma L Catteron, die in das Bieterrennen um den weltbekannten Schuhhersteller eingestiegen sei. (Lesen Sie hier: HR Structures kauft STI-Werk in Grebenhain)

Die Reaktion aus Linz am Rhein, dem Sitz von Birkenstock, kann gelinde gesagt als sehr zurückhaltend bezeichnet werden. So heißt es auf der Homepage: Bei den Berichten, „wonach die Firma Birkenstock kurz vor einer Beteiligung durch einen Finanzinvestor stünde, handelt es sich um Mutmaßungen und Spekulationen“. Ein Dementi ist das nicht. Ohne offizielle Bestätigung bewegen sich Medien zwangsläufig im Bereich von Spekulationen – an denen häufig etwas dran ist. 

Wird die Firma Birkenstock verkauft? Was das für den Standort Steinau-Uerzell bedeutet

Auch die Pressemitteilung von Birkenstock stärkt diese Vermutung. Dort ist die Rede von „Wachstumspotential“ und von „nachhaltigem und kontinuierlichem Erfolg, der bei Investoren immer wieder Interesse weckt, Möglichkeiten strategischer Zusammenarbeit auch in Kombination mit finanzieller Beteiligung zu prüfen. Die aktuelle Marktsituation, welche insgesamt sehr stark von Konsolidierungen und Veränderungen geprägt ist, bietet dabei offenbar reichlichen Nährboden für aufgeheizte Spekulationen“.

Produktion und Verwaltung der Birkenstock Productions Hessen in Uerzell befindet sich komplett im Gebäude.

Die Bemerkung, dass der Fokus der Unternehmensführung „auch weiterhin auf Kontinuität, Verlässlichkeit und Sicherheit sowie die unbeirrte Fortsetzung der Erfolgsgeschichte von Birkenstock“ liege, sagt nichts darüber aus, ob dies mit oder ohne Partner angestrebt wird.

Dass solche aber bereit stehen, wenn sich die kleinste Chance zum Einstieg bietet, liegt angesichts der Wirtschaftsdaten von Birkenstock auf der Hand. Dem letzten im Bundesanzeiger veröffentlichten Konzernabschluss, dem für das Geschäftsjahr 2018/19, ist eine Umsatzrendite von satten 20 Prozent zu entnehmen. Dies und eine weltweit eingeführte Marke mit gutem Ruf weckt natürlich Begehrlichkeiten.

Uerzell: Birkenstock will neue Produktionsanlagen einrichten und Kantine umbauen

Was bedeutet das für den Standort im kleinen Steinauer Stadtteil Uerzell? Die Mitarbeiterzahl dort – offizielle Angaben sind vom Unternehmen nicht zu erhalten – dürfte in der Größenordnung von 200 liegen. Das sind deutlich weniger als 2013. Damals wurde der Birkenstock-Konzern reorganisiert. Nur durch wochenlange Proteste konnte die Schließung des Werkes und die Verlagerung von 281 Arbeitsplätzen nach Sachsen verhindert werden.

Dort, in Görlitz an der polnischen Grenze, bauten die Uerzeller noch unter dem Namen Alsa GmbH einen Zweigbetrieb auf. Dieser ist längst eigenständig – und mit etwa 1300 Arbeitsplätzen deutlich größer als das Werk in Uerzell. Ein Großteil der Arbeitskräfte lebt auf der polnischen Seite der Grenze. Als die Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 ausbrach, dürfte das zu großen Problemen an der Grenze geführt haben. Auch in Uerzell wurde monatelang „Kurzarbeit null“ gefahren. Inzwischen läuft die Produktion wieder auf Hochtouren, und es wird in drei Schichten gearbeitet, wie ein Konzernsprecher auf Anfrage sagte.

Unabhängig davon stehen die älteren Gebäude auf dem Gelände leer, und etwa die Abteilungen Entwicklung und Formenbau sind längst Geschichte. Seitens des Konzerns ist auf Anfrage die Rede von „Wachstum“ und einem „massiven Investitionsprogramm in allen deutschen Produktionsstandorten“.

Allein für Görlitz seien acht Millionen Euro von insgesamt einem „hohen zweistelligen Millionenbetrag“ vorgesehen. Für Uerzell kennt der Birkenstock-Sprecher die Zahlen nicht. Geld soll aber in die „Einrichtung neuer Produktionsanlagen für Fußbettungen und den Umbau des Kantinengebäudes“ fließen.

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