Zeichnung: Hiltrud Thöne

Bürgermeister Möller über Schlüchtern: „Starkes Mittelzentrum und Heimat sein“

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Schlüchtern - „Ein starkes Mittelzentrum auf der Achse Fulda–Frankfurt sein und Heimat für alle, denen diese Stadt mit den drei Türmen am Herzen liegt und die mit Stolz über ihren Wohn- oder Arbeitsort reden.“ So hat Bürgermeister Matthias Möller (parteilos) gestern Abend seine Vision für Schlüchtern skizziert.

Von unserem Redaktionsmitglied Alexander Gies

Anlass war die Vorstellung des Haushaltsplans 2020 in der Stadtverordnetenversammlung – dem vierten in Folge, der in Einnahmen und Ausgaben ausgeglichen ist. In seiner 19-seitigen Haushaltsrede schlug Möller einen großen Bogen von bisher angestoßenen Projekten über Zukunftsaufgaben bis hin zu aktuellen Entwicklungen, die sich im Haushalt niederschlagen.

Dieser kommt erneut ohne Steuererhöhungen aus. „Angesichts allgemeiner Verteuerungen ist das sicherlich ein gutes Signal“, sagte Möller. Als Beleg für die Solidität des Zahlenwerks führte er an, dass die Einnahmen aus der Gewerbesteuer „defensiv“ angesetzt seien und „keine Hochrechnung für die Firma Engelbert Strauß“ enthalte.

Richtige Entscheidungen

Möller bekräftigte seine Einschätzung, Ankauf und Entwicklung des Langer-Areals seien die einzig richtige Entscheidungen gewesen. Denn nur dies ermögliche es, einen „Frequenzbringer zu schaffen, der als Herzschrittmacher für die gesamte Innenstadt für Handel und Gastronomie fungiert“. Im nächsten Jahr soll der Abriss starten.

Während das Kultur- und Begegnungszentrum (viergruppige Kindertagesstätte, Jugendzentrum „Check in“, Weitzelbücherei, Europa-Akademie, Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW), Kunst und Kultur, Bildungspartner Main-Kinzig, multifunktionaler Veranstaltungsraum und Kindererlebniswelt) in der Hand der Stadt verbleibe, solle der „Bereich für Handel und bezahlbares, barrierefreies Wohnen von einem Investor verwirklicht werden“. Ende 2020 soll das Vergabeverfahren laut dem Bürgermeister abgeschlossen sein oder zumindest unmittelbar vor dem Abschluss stehen.

Weitere Projekte in Planung

Weitere Projekte seien daneben: Der Ankauf der Synagoge, die Aufwertung von Mauerwiese und Stadtplatz, die Entwicklung des ehemaligen Knothe-Areals, der Erweiterungsbau der Main-Kinzig-Kliniken, die Neuplanung des Norma-Geländes oder die Begleitung des Umbaus der Firma Immergut.

Möller freute sich überdies, dass es mit Hilfe der Stadtverwaltung gelungen sei, für alle Mieter des Kaufhauses Langer neue Gewerbeflächen zu finden. In diesem Zusammenhang dankte er seiner „qualifizierten und motivierten Mannschaft“ im Rathaus, die „viele private Opfer bringt und viel Zeit in die laufenden Projekte investiert. Das weiß ich zu schätzen.“

Möller: „Fördergelder sind jetzt da“

Warum sich die Stadt so viele Aufgaben aufbürdet? Möller begründet das so: „Die Fördergelder sind jetzt da, und können auch nur jetzt abgerufen werden.“ Andernfalls würden die Bürger belastet, und „das wollen Sie nicht, und ich möchte das auch nicht.“ Bei aller Euphorie gelte es, sich Zeit zu nehmen. „Wir müssen mit gesundem Menschenverstand an die Maßnahmen herangehen“, so Möller.

Das strategische Ziel müsse es sein, die Stadt „in ihrer Funktion als Mittelzentrum, als zentraler Schul- sowie Dienstleistungs-, Handels- und Gewerbestandort für die im unmittelbaren und mittelbaren Umland befindlichen, mithin als Unterzentren ausgewiesenen Kommunen“ zu positionieren.

Neue Wege im Stadtmarketing und der Kommunikation

Darüber hinaus sei man „familienfreundlicher Wohnstandort mit guter infrastruktureller und verkehrstechnischer Anbindung sowohl an die Metropolregion Frankfurt als auch an die prosperierende Stadtregion Fulda“. Der baldige Start des Baugebiets Brunkenberg mit 27 Bauplätzen zu „attraktiven Grundstückspreisen“ solle deshalb weitere Anreize für den Zuzug junger Familien schaffen. Als weiteres großes Projekt 2020 sieht Möller das Ikek-Programm, die neue Form der Dorferneuerung.

Neue Wege gehe man auch in den Bereichen Stadtmarketing und Kommunikation. Dazu zählt Möller beispielsweise die Info-Reihe „Frag doch mal die Stadt“ oder die regelmäßigen Bürgersprechstunden. Über die Seite „visitschluechtern.de“ werde man künftige die Baukommunikation abwickeln.

Feuerwehrstützpunkt soll saniert werden

Möller berichtete, dass die Stadt ab nächstem Jahr die kirchliche Friedhofsverwaltung für Hutten, Niederzell und Schlüchtern-Innenstadt mit den Klosterhöfen übernommen habe. Für die Obdachlosenunterkunft gelte es einen neuen Standort zu suchen. Möller kündigte an, dass zum Jahresbeginn eine vierte Hilfspolizistenstelle geschaffen werde.

Im Feuerwehrbereich stehe voraussichtlich bis zu Sommerpause die Fertigstellung und Beschlussfassung des Bedarf- und Entwicklungsplanes an. Der Stützpunkt am Untertor müsse saniert und an die neuen Herausforderungen angepasst werden. Daher wurde eine Machbarkeitsstudie erstellt. Das Auftaktgespräch mit dem Planungsbüro finde am Dienstag statt. Fest steht, dass in Wallroth eine Doppelfertiggarage errichtet wird, um Unterstellmöglichkeiten zu schaffen. Außerdem könnten die Feuerwehren die „Alte Kläranlage“ nutzen.

Willkommensmappe für Neubürger

Einen weiteren Schwerpunkt seiner Ausführungen widmete Möller der Kulturarbeit und kündigte an: „Wir werden als Stadt, als moderner Dienstleister, in den nächsten Jahren verstärkt Theater, Konzerte und Ausstellungen anbieten.“ Die neue Kulturarbeit sei gekennzeichnet durch „mehr Kontinuität, mehr Verknüpfungen auch des Vorhandenen, mehr aktive Beteiligung von Bürgern“.

In diesem Jahr habe man bereits damit begonnen, Strukturen aufzubauen, um das Vereinsleben zu fördern. Mit Fortbildungsangeboten für Vereine und einer Willkommensmappe für Neubürger, die die Vereine als Plattform zur Mitgliederwerbung nutzen können, seien bereits erste Maßnahmen umgesetzt.

Um Schlüchtern auch während des Abrisses von Langer und Kreissparkasse attraktiv zu halten, soll die Veranstaltungsreihe „Kultursommer 2020“ gestartet werden. Hierfür sollen die kulturellen Aktivitäten im zentralen Innenstadtbereich, vor allem auf dem Stadtplatz, gebündelt werden. Dazu werde in Kooperation mit zivilgesellschaftlichen Organisationen und privaten beziehungsweise gewerblichen Veranstaltern „ein attraktives Programm“ erarbeitet werden.

Walderlebnispfad soll entstehen

Über das geplante Kultur- und Begegnungszentrum sagte Möller: „Eine Überlegung ist, dort auf jedem Fall Kultur-Kino anbieten zu wollen. Dies könnte zum Beispiel das Kuki übernehmen. Unsere Türen stehen und standen diesbezüglich immer offen. Aber: Eine Kinonutzung mit Herz, Sinn und Verstand, denn einen Wettbewerb mit den großen Spielhäusern und deren kommerziellen Ausrichtung können weder ein ehrenamtlicher Verein, geschweige denn eine Kommune sicherstellen oder überleben. Hollywood-Kino doch zumindest an jedem Wochenende, das meine Damen und Herren werden wir nicht leisten können.“

Am Acis soll ein Walderlebnispfad entstehen. Zu Kosten von rund 56.000 Euro gebe es 28.000 Euro Förderung. Der Acis stelle „ein herausragendes Naherholungsgebiet“ dar. Deshalb sollten die Problemlagen „Verkehrsberuhigung, Parksituation und Anwohnerschutz“ gelöst werden. / ag

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