Mit dem Schäferhut ins Bürgermeisteramt? Für Marco Thoma ist das kein Widerspruch.
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Mit dem Schäferhut ins Bürgermeisteramt? Für Marco Thoma ist das kein Widerspruch.

Wahl am 1. November

„Bürgermeistersein hat mit Psychologie zu tun“: Marco Thoma möchte Bürgermeister in Steinau werden

  • Lena Quandt
    vonLena Quandt
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„Ich habe das Leben studiert“, so beschreibt Marco Thoma aus Völzberg (46), parteiunabhängiger Kandidat für die Bürgermeisterwahl in Steinau, seine Qualifikation für das Amt des Rathauschefs. Im Gespräch mit unserer Zeitung erläuterte der gebürtige Aschaffenburger unter anderem, was eine Lebenskrise mit dem Windpark am Weinberg zu tun haben kann.

Steinau an der Straße - Verändert eine gemeinsame Sitzung von Haupt- und Finanzausschuss sowie dem Ausschuss für Bau und Stadtentwicklung das Leben? Für Bürgermeisterkandidat Marco Thoma war dies offenbar so. Denn ein Auftrag der Zeitung in Gelnhausen führte den freiberuflichen Journalisten im vergangenen Oktober erstmals in die Steinauer Politikwelt. „Da hatte ich den Fuß in der Tür“, sagt der 46-Jährige rückblickend. Ein Verwaltungsmensch ist er nicht, das gibt Thoma, der parteiunabhängig antritt, sich aber politisch links verortet, offen zu. Der gelernte Mess- und Regelmechaniker sowie ehemalige Berufsfeuerwehrmann, Rettungsassistent und Rettungsleitstellen-Disponent sagt von sich, dass er bereit ist für den nächsten beruflichen Schritt.

Das Bürgermeistersein hat für den Wahl-Völzberger mit Psychologie zu tun. Durch eine Lebenskrise im Jahr 2014 habe der inzwischen pensionierte Feuerwehrmann auf diesem Gebiet einiges dazugelernt. „Ich reflektiere mehr als früher, versuche hinter die Fassade zu blicken“, erläutert er. Als Bürgermeister findet er es wichtig, transparent für die Bürger zu sein. In Völzberg betreibt Thoma mit seiner Lebensgefährtin ein „Haus der offenen Herzen“. In den Ferienwohnungen waren bis zur Corona-Pandemie Menschen aus aller Welt zu Gast. Jeden anhören, egal, woher er kommt und welche Geisteshaltung er hat – diesen Gedanken lebt die Familie, zu der auch die Tochter (11) der Lebensgefährtin gehört. Sie wohnt mit dem Paar im Völzberger Eigenheim. Thoma hat zwei leibliche Kinder, einen Sohn (17) und eine Tochter (11). Beide leben bei ihrer Mutter. Mit seiner Partnerin Anita Badura (38) führt Thoma eine „gleichberechtigte, beidseits offene Beziehung“, sagt er.

Marco Thoma will Bürgermeister in Steinau werden

Steinau beschreibt Thoma als in zwei Blöcke geteilte Stadt, in der es viele Befindlichkeiten gebe. Diese Grabenkämpfe wolle er als Rathauschef mit den Bürgern und Stadtverordneten überwinden. Als freier Journalist habe er im Lauf seiner Tätigkeit Einblicke in verschiedene Kommunen, Ortsbeiräte und Gremien bekommen. Dialoge auf Augenhöhe stellt er sich für die politische Zusammenarbeit nach der Wahl vor, wie zum Beispiel in Bad Soden-Salmünster oder Freiensteinau. Die Arbeit von Dominik Brasch und Sascha Spielberger habe für ihn Vorbildcharakter. „Ein Bürgermeister muss ein Mensch sein, der über Parteigrenzen hinaus vermittelt“, findet der 46-Jährige. Und: „In Steinau trifft im übertragenen Sinne Gewalt auf Gegengewalt. Ich möchte links und rechts wieder miteinander verbinden.“ Einen liebevollen, wertschätzenden Umgang untereinander, bei dem die Sache im Vordergrund steht, habe er im Blick.

Themen

Für unsere Zeitung hat Bürgermeisterkandidat Marco Thoma (46 Jahre alt, parteiunabhängig) Stellung zu den Themen bezogen, die ihm wichtig sind:

Energiewende

Zu einem möglichen Windpark am Weinberg wünscht sich der Bürgermeisterkandidat einen offenen Dialog, in den auch die Kritiker miteinbezogen werden. „Die Energiewende ist eine bundesweite Entscheidung, die die Kommunen mitgehen müssen. Ich sehe in weiteren Windkraftanlagen eine Chance, Gelder für unsere Stadt einzunehmen.“ Thoma selbst wohnt unweit des Windparks Hartmannshain. Ihn stören die Anlagen nicht.

Jugend

„Wir sind in einem Boot“, sagt Thoma. Die Jugend sei die Zukunft einer Stadt. Es gehe darum, sie vor Ort zu halten. Ein Fahrrad-Trail im Wald stehe etwa schon lange auf der Wunschliste vieler Jugendlicher. Zuhören und diese Dinge realisieren, Angebote schaffen, das sei sein Ziel.

Brauchtum

Vor der Pandemie teilte Thoma mit, dass er den Steinauer Faschingsumzug erhalten wolle. Dieser sei ein Aushängeschild für die Stadt. Der Kandidat pocht hierbei aber auf Toleranz und Respekt – für die Feiernden, aber auch für Anwohner und Eigentümer.

Dialog

Kritiker ausreden lassen und ergebnisoffen anhören, lautet Thomas Ziel für den Umgang der Stadtverordneten untereinander. Dasselbe gelte für „Windkraftgegner oder frustrierte AfDWähler“.

Als Vereinsmensch wisse er, dass es dort, wo Menschen aufeinander träfen, auch schwierig werden kann. Sein ehrenamtliches Engagement unter anderem als Schiedsrichter in der ersten Badminton-Liga, Übungsleiter beim Kinderturnen im SKC Sotzbach, DOSB-Trainer C, lizensierter Vereinsmanager und Vorstandsmitglied in einem sportlichen Mehrspartenverein sieht Thoma in diesem Zusammenhang als wichtigen Erfahrungsschatz.

Arbeit von Dominik Brasch und Sascha Spielberger hat für Thoma Vorbildcharakter

Klare Kante will er gegen rechtes Gedankengut und Gewaltverherrlichung zeigen. Steinau soll mit seinem Reichtum an Kultur eine weltoffene Stadt sein und bleiben. „Frustrierten Wählern“, die sich weit rechts der Mitte orientieren, wolle er offen begegnen, ihren Sorgen und Nöten Gehör schenken.

Sorgen könnte ihm der Steinauer Haushalt bereiten. Bei den Themen kommunaler Finanzausgleich und Schutzschirm vertraut der einstige Berufsfeuerwehrmann auf die Fachleute in der Verwaltung. „Es wäre vermessen zu sagen, dass ich in diesen Dingen die Kompetenz eines Gerhard Nüchter erreichen könnte. Als Bürgermeister wie als Rettungsassistent muss man wissen, wo die eigenen Grenzen sind“, sagt er. Ein Rathauschef sei der Kopf eines Teams, der die Interessen abwägen müsse, auch auf die Gefahr hin, eine falsche Entscheidung zu treffen. Zu Finanzen und Haushalt will Thoma Schulungen besuchen. „Ich propagiere lebenslanges Lernen“, sagt er. Um die Probleme der Stadt zu lösen, brauche es kreative Köpfe. Alles dürfe gedacht werden.

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