Archivfoto: Lena Quandt

CDU-Kreisvorsitzende Katja Leikert will Bewerber langfristig aufbauen

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Region - Mit der deutlichen Niederlage von Tobias Dillmann in der Stichwahl des Langenselbolder Bürgermeisterwahlkampfs geht der CDU das letzte Rathaus unter christdemokratischer Führung im Main-Kinzig-Kreis verloren. Hierzu befragte unsere Zeitung die CDU-Kreisvorsitzende Dr. Katja Leikert (44).

Von unserem Redaktionsmitglied Hanns Szczepanek

Worauf führen Sie diese „Rathausschwäche“ der Main-Kinzig-CDU zurück?

Das ist die Gretchenfrage, auf die es leider keine einfache Antwort gibt. In jeder Kommune gibt es ganz unterschiedliche Gründe für das nicht zufriedenstellende Abschneiden unserer Kandidaten. Auch bei näherem Hinsehen kann ich da kein Muster erkennen. Der Kreisverband unterstützt die Bewerber nach Kräften, dennoch ist eine Bürgermeisterwahl in erster Linie eine Persönlichkeitswahl. Für einen Wahlsieg muss alles passen: Angefangen von der Kandidatin oder dem Kandidaten, die Kampagne, die richtigen Themen, die Stimmung vor Ort, die parteiinterne Geschlossenheit und natürlich auch die allgemeine politische Großwetterlage. Gerade in einer Kommune wie Langenselbold, die sich unter Heiko Kasseckert und Jörg Muth (die seit vier Wahlperioden amtierenden Bürgermeister mit CDU-Parteibuch, d. Red.) so erfolgreich entwickelt hat, ist ein solch enttäuschendes Wahlergebnis nicht leicht zu erklären. Grundvoraussetzung für Erfolg ist für mich ein guter Zusammenhalt und ein offener Umgang miteinander. Genau daran habe ich in den vergangenen 20 Monaten intensiv gearbeitet, um die Kommunikation innerhalb der Partei zu verbessern.

Wie gedenken Sie, diesen nun schon seit Jahren anhaltenden Negativtrend umzukehren oder zumindest zu stoppen?

Wir müssen jetzt nach vorne schauen und brauchen eine ehrliche Analyse der Ergebnisse. Damit wird sich der Kreisvorstand intensiv beschäftigen. Wir alle müssen uns selbstkritisch hinterfragen, wo es hakt. Es nutzt nichts, wenn wir uns gegenseitig den Schwarzen Peter zuschieben, stattdessen müssen wir gemeinsam hart daran arbeiten, dass die Zeiten für die CDU Main-Kinzig wieder besser werden. Auf Kreisebene bemühen wir uns um die aktive Ansprache von potenziellen Kandidaten. Organisatorische Unterstützung im Wahlkampf ist ohnehin selbstverständlich. Nicht jeder Verband muss das Rad neu erfinden, wenn es zum Beispiel um die Auswahl eines geeigneten Fotografen für das Wahlplakat oder originelle Give-Aways für den Infostand geht. Zudem habe ich als Kreisvorsitzende einen „Arbeitskreis Bürgermeisterwahlen“ ins Leben gerufen, der sich intensiver mit der Thematik und möglichen Problemen beschäftigt. Auch ein „Mentoring-Programm“ mit erfahrenen Kommunalpolitikern wurde angeschoben. Ich mache mir aber auch keine Illusionen: Es wird vielleicht noch ein weiter Weg sein, bis wir wieder kontinuierlich Bürgermeisterwahlen gewinnen werden. Ich bin bereit, diesen Weg als Kreisvorsitzende zu gehen. Denn eine erfolgreiche Kandidatur braucht oft Jahre Vorlauf. Wir werden deshalb noch stärker als bisher mit unserem Nachwuchs zusammenarbeiten und gezielt junge Leute ansprechen, ob sie sich beispielsweise in fünf oder zehn Jahren eine Kandidatur vorstellen können – und sie dann behutsam aufbauen.

Neben ehemaligen CDU-Mitgliedern, die als Parteilose Wahlerfolge gefeiert haben, gibt es im Kinzigtal auch Christdemokraten, die als parteiunabhängige Kandidaten zu Rathaus-chefs geworden sind, zum Beispiel in Brachttal. Kann das Weglegen des Parteibuchs ein Weg zurück zu Wahlerfolgen von Christdemokraten sein?

Ich persönlich finde es immer etwas irritierend, wenn ein Bewerber auf seinen Plakaten seine Parteizugehörigkeit verschweigt, zu Hause aber das Parteibuch in der Schublade liegen hat; wie zuletzt in Langenselbold bei der SPD geschehen. Die CDU Main-Kinzig hat natürlich weiterhin den Anspruch, mit eigenen Kandidaten, die klar und deutlich die Werte der Christdemokratie vertreten, wieder erfolgreich zu sein. Dass ein Bürgermeister vor Ort kein sturer Parteisoldat sein sollte und das Wohl seiner Gemeinde oder seiner Stadt sowie der Bürgerinnen und Bürger – unabhängig davon, bei wem diese am Wahltag ihr Kreuzchen gemacht haben – im Blick haben sollte, steht aber auf einem anderen Blatt. Das eine schließt das andere nicht aus. Ich sehe auch durchaus, wie gut die Zusammenarbeit mit parteilosen Bürgermeistern wie zum Beispiel Dominik Brasch in Bad Soden-Salmünster verläuft. Das liegt in diesem Fall aber sicher auch am Profil des Kandidaten und dem sehr guten persönlichen Kontakt aller Beteiligten vor Ort. Die Regel sollte dieser Fall für die CDU Main-Kinzig aber nicht werden.

Wählten die Stadt- und Gemeindeverbände einfach die „falschen“ Kandidaten und Kandidatinnen aus, wie zuletzt auch in Birstein, oder fehlt es der Partei derzeit am „richtigen“ Personal, das eine solche Wahlkampagne mit Erfolg abschließen kann?

Wie schon gesagt: Für einen Wahlerfolg müssen viele Faktoren zusammenpassen. Danica Radtke hat in Birstein einen engagierten Wahlkampf geführt. In Bruchköbel und Langenselbold mussten zwei Kandidaten eine Niederlage einstecken, die nicht nur auf dem Papier die besten Voraussetzungen mitbringen, sondern auch persönlich überzeugen und über Monate gekämpft haben. Es gibt einfach kein Patentrezept.

Welche Konsequenzen ziehen Sie aus den jüngsten Niederlagen der CDU bei Bürgermeisterwahlen für die Kommunalwahlen 2021?

Die CDU muss noch stärker als bislang ein Ohr für die Sorgen und Nöte der Bürgerinnen und Bürger haben. Aus diesem Grund stellen wir unser Kommunalwahlprogramm dieses Mal gemeinsam mit allen interessierten Mitgliedern auf. Dafür nutzen wir unsere „Kreiskonferenzen“, die ich nach meiner Wahl zur Vorsitzenden eingeführt habe. Jedes Mitglied und nicht nur die Funktionärsebene kann sich daran beteiligen. In dieser Woche treffen wir uns bereits zum siebten Mal. Bei den vergangenen Veranstaltungen sind jeweils rund 60 Mitglieder meiner Einladung gefolgt. Erste Ideen wurden sogar schon umgesetzt, beispielsweise der Antrag auf das Aufstellen von weiteren E-Ladestellen im Kreisgebiet sowie die Errichtung von diebstahlsicheren Fahrradboxen für Pendler.

Ende April steht die Bürgermeisterwahl in Steinau an, zu der sich bereits eine Handvoll Bewerber gemeldet haben. Wird sich bis zum Bewerbungsfristende am 17. Februar noch ein Bewerber oder eine Bewerberin der CDU melden?

Diese Entscheidung treffen und verkünden die Freundinnen und Freunde in Steinau.

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