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CJD-Kinderhort vor dem Aus

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Schlüchtern - Die ersten Schritte wurden gemacht, danach aber offenbar geschludert: Deshalb hängt die Betreuung von Grundschulkindern im Hort des CJD Schloss Hausen in der Bahnhofstraße am seidenen Faden. Die Zeit drängt. Der Sozialausschuss versucht nun zu retten, was zu retten ist.

Von unserem Redaktionsmitglied Alexander Gies

Am 20. Mai vergangenen Jahres hatten die Stadtverordneten auf Antrag der CDU einstimmig beschlossen, den Hortvertrag mit dem Betreiber CJD (Christliches Jugenddorfwerk Deutschlands) Schloss Hausen zu kündigen.

Hintergrund war offenbar auch die Antwort des Magistrats auf eine CDU-Anfrage, nach der die Stadt von 2016 bis 2018 jährlich zwischen rund 135 000 und 136 400 Euro zur Betreuung beigesteuert habe. Außerdem sei die Zahl der betreuten Kinder von durchschnittlich 24 auf damals aktuell 11 Kinder zurückgegangen. Das schien den meisten Stadtverordneten wohl nicht mehr verhältnismäßig. Außerdem hatten die Abgeordneten sich darauf verständigt, den Schwerpunkt ihrer Unterstützung auf die Kindergartenbetreuung zu legen – eine originär kommunale Aufgabe, was der Hort nicht ist.

Momentaufnahme spiegelte Summe nicht wider

Die im Mai 2019 vom Magistrat genannten Zahlen sind allerdings eine Momentaufnahme und spiegelten wohl schon damals nicht die tatsächlichen Summen wider, welche die Stadt zu tragen hat. Denn durch das Förderprogramm „Bestandsschutz Kinderhort“ (7500 Euro) und Elternbeiträge (39.600 Euro) reduziert sich diese auf einen tatsächlichen Jahresbetrag von rund 87 500 Euro, heißt es in einem Schreiben des CJD vom Juli vergangenene Jahres.

Der Antrag der CDU sah damals aber nicht nur die fristgemäße Kündigung des Hortvertrags vor, sondern forderte den Magistrat gleichzeitig auf, „beratungsrelevante Unterlagen“ vorzulegen, damit der Sozialausschuss „über eine mögliche neue Vertragskonstellation“ beraten und dem Parlament gegebenfalls einen Vorschlag zur Weiterführung unterbreiten könne.

Verärgerung über Versäumnis

Doch dazu ist es offenbar nicht gekommen. Wer hat es versäumt, den Faden weiter zu spinnen, den Sozialausschuss mit Informationen zu versorgen oder ihn wie beschlossen zu einer Sitzung einzuladen? Während des jüngsten Zusammentreffens am Mittwoch blieben diese Fragen nach den Verantwortlichen unbeantwortet.

Dem Ausschussvorsitzenden Dr. Peter Büttner (FDP) war allerdings anzumerken, wie unzufrieden und möglicherweise sogar verärgert er über dieses Versäumnis ist. Dennoch blieb er ruhig und bemühte sich während der Sitzung, schnell und überlegt die notwendigen Schritte einzuleiten. Ausschussmitglied Günther Koch (Grüne) sah sich dennoch dazu veranlasst, sein Bedauern über die Hängepartie gegenüber den anwesenden Vertretern des CJD, Angebotsleiter Thomas Müller und Fachbereichsleiterin Anette Fritzinger, zu äußern.

Die Zeit drängt

Peter Büttner steckte den Fahrplan fest, dem alle Ausschussmitglieder zustimmten: Demnach sollen die Fraktionen bis 20. März intern klären, ob sie weiterhin den Schwerpunkt der kommunalen Bemühungen auf die Kindergartenbetreuung legen wollen. Das würde bedeuten, dass die Kündigung Bestand hat. Sollten die Fraktionen indes die kommunale Hortbetreuung grundsätzlich für erforderlich halten, so sollten mehrere, zeitgemäße Vertragsmodelle erarbeitet werden. Dabei geht es vor allem darum, den Zuschuss nicht mehr pauschal zu zahlen, sondern in Abhängigkeit von der Zahl der betreuten Kinder.

Die Zeit drängt: Bleibt die Kündigung bestehen, dann müsste das CJD bis Ende März sowohl die Immobilie als auch gegebenenfalls ihren Mitarbeitern kündigen. Dabei geht es um drei Erzieher und eine Hauswirtschaftskraft.

Einrichtung ist voll belegt

Den Ausschussmitgliedern war bei der Präsentation der CJD-Vertreter durchaus nicht entgangen, wie wertvoll und segensreich die Hortbetreuung gerade für Alleinerziehende ist – und wie wenige Alternativen es für sie gibt. Im Hort können Kinder maximal zwischen 7 und 17 Uhr betreut werden. Der Grundbaustein kostet 90 Euro, maximal sind es 190. Neben Essen und Hausaufgabenbetreuung stehen Basteln, Bewegung, Werken, Schwimmbad, Schach oder AGs etwa fürs Gitarrenspiel auf dem Stundenplan.

Aktuell werden 24 Kinder betreut, zwei befinden sich auf der Warteliste. Die Einrichtung ist im Grunde voll belegt. Und die Alternative rar. Wie Thomas Müller (CJD) ausführte, nutzten in der Bergwinkel-Grundschule 212 von 530 Kindern die Nachmittagsbetreuung. Die Kapazität sei ausgereizt. Schon jetzt gebe es für das Schuljahr 2020/2021 mehr Anmeldungen als man Platz habe.

Vertragsstruktur muss modernisiert werden

Peter Büttner versicherte dem CJD, dass in der Stadtverordnetenversammlung nie Kritik an der Arbeit im Hort geübt worden sei oder jemand die grundsätzliche Notwendigkeit einer Hortbetreuung für Grundschulkinder in Frage gestellt habe. Dennoch stehe die Stadt vor der Frage, was sie sich leisten könne. Schon jetzt schlage die Kinderbetreuung mit einem jährlichen Zuschuss von 3,5 Millionen Euro zu Buche – Tendenz stark steigend. Allein deshalb müsse die Vertragsstruktur modernisiert werden.

Anette Fritzinger (CJD) bedauerte: „Es wäre besser besser gewesen, wir hätten erst geredet, bevor der Vertrag gekündigt wird.“ Und ihr Kollege Müller versicherte: „Wir sind sehr interessiert an Verhandlungen und einem Fortbestand der Einrichtung.“

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