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Clas Röhl über das Aus der sozialen Betreuung von Flüchtlingen auf Hof Reith

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Von: Redaktion Fuldaer Zeitung

Schlüchtern - Clas Röhl war für die Flüchtlinge auf Hof Reith mehr als ein Projektkoordinator. Sein Vertrag ist Mitte des Monats ausgelaufen. Jetzt sorgen sich die etwa 25 ehrenamtlichen Mitarbeiter des Brückencafés, dass die soziale Betreuung der Flüchtlinge zu kurz kommen könnte.

Röhls Hauptaufgabe war es, den Deutschunterricht für Asylbewerber zu organisieren. Aber er tat noch viel mehr: Clas Röhl sorgte sich um die soziale Betreuung der Asylbewerber, half bei Behördengängen, kümmerte sich um oftmals sehr tragische Probleme der verunsicherten Menschen und hielt auch Kontakt, wenn sie in umliegende Gemeinden umzogen, kurz gesagt: Er war den Flüchtlingen eine große Hilfe. Doch mit dem 15. Oktober endete sein Werkvertrag. Dieser lief seit zwei Jahren und war überwiegend finanziert aus EU-Mitteln und Spenden. EU-Gelder gibt es nicht mehr. Ein Antrag der Kreis-FDP, die ein sozialpädagogisches Konzept für Hof Reith gefordert hatte, wurde unlängst im Kreistag abgelehnt. Damit gibt es im Grunde keine Sozialarbeit mehr in der größten Flüchtlingsunterkunft im Landkreis.

„Das ist sehr schade, denn gerade in dieser hinsichtlich der Asylbewerbersituation sehr angespannten Lage ist eigentlich mehr Engagement erforderlich, nicht weniger. Hier wird, ohne mit dem Finger auf jemanden zeigen zu wollen, ein falsches Signal gesetzt", sagt Clas Röhl. Er betont, dass es ihm nicht um seine persönliche finanzielle Situation geht, sondern um die Betreuung der Asylbewerber. Der Landkreis dürfe durchaus stolz sein auf die Situation in Hof Reith, wo das Miteinander – anders als in anderen Bundesländern – gut funktioniere. Aber das Zusammenleben von so vielen Menschen aus unterschiedlichen Ländern sei eben auch ein fragiles Gebilde.

Jeannette König gibt seit einem Jahr Deutschkurse und kann nicht verstehen, dass die wertvolle Arbeit, die Röhl geleistet habe, künftig entfallen solle: „Das bringt mich in Rage. Clas hat so viel geleistet. Es kann doch nicht im öffentlichen Interesse sein, dass dieses Angebot eingestellt wird", schimpft sie. Ihre Beobachtung ist, dass selten etwas auf ehrenamtliche Basis funktioniere, was nicht von einer treibenden Kraft „gezogen" und koordiniert werde.

„Ich fühle mich von den Politikern allein gelassen", sagt Jeannette König enttäuscht. Es übersteige einfach ihre Kraft, ihren Schülern nicht nur Deutsch beizubringen, sondern noch regelmäßig Kontakte etwa zu Vereinen herzustellen. Dabei sei die Einbindung in einen Sportverein so wertvoll für Sprache und Integration. Das Mindeste sei doch, so findet sie, dass für Hof Reith ein Sozialarbeiter eingestellt wird. Die Notwendigkeit liege auf der Hand.

Wenn die Flüchtlinge ein Problem hätten oder es außerhalb der Dienstzeiten zu Streitereien komme, dann würden sie eben nicht die ausgehängte Telefonnummer Verwaltung wählen. Wichtig sei ein persönliches Vertrauensverhältnis, wie es nur ein Sozialarbeiter dauerhaft bieten könne. Jeanette König weiß, wie dankbar die Flüchtlinge sind, dass man sich um sie kümmere. „Es geht nicht nur darum, die Sprache zu vermitteln. Wir helfen den Menschen auch, sich in einem fremden Land zurechtzufinden und ein neues Leben aufzubauen." Gerade wenn die Menschen ein wenig Deutsch gelernt hätten, träten die ganzen Nöte zutage, die sie beschäftigten. „Und Clas war dann immer da, um sich darum zu kümmern. Was er kann, kann ich nicht", verdeutlicht sie. Ihre Forderung ist klar: Sozialarbeit auf Hof Reith, „sonst wird es dort mehr soziale Spannungen geben". Infokasten Das Brückencafé wurde 2004 als Reaktion auf die Diskussion um den Bau einer Moschee in Niederzell gegründet. Schlüchterner wollten sich damit für die Integration starkmachen. Zuletzt fußte das Brückencafé auf vier Säulen:

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