Direkt neben bewohnten Containern brannte am Abend des 20. April vergangenen Jahres 2019 ein Altpapierbehälter auf einem Firmengelände am Stadtrand von Schlüchtern.
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Direkt neben bewohnten Containern brannte am Abend des 20. April vergangenen Jahres 2019 ein Altpapierbehälter auf einem Firmengelände am Stadtrand von Schlüchtern.

Zwei Brände innerhalb von 10 Minuten

53-Jähriger hat Container in Schlüchtern angezündet - Filmriss vom Tatabend?

Weil er einen Altpapiercontainer auf einem Firmengrundstück in Schlüchtern angesteckt hat, ist ein 53-Jähriger zu einer Geldstrafe von 300 Euro (50 Tagessätze à 6 Euro) verurteilt worden. Richter Dr. Wolfgang Ott mochte dabei eine verminderte Schuldfähigkeit des Mannes nicht ausschließen.

Schlüchtern - In den Abendstunden des 20. April vergangenen Jahres gab es zunächst am Friedhof der Bergwinkelstadt Brandalarm. Aus einem großen Container mit Grünabfall stieg Rauch auf. Noch während die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr hier löschten, kam die nächste Feuermeldung: Aus einem Container auf dem Gelände eines Unternehmens am Stadtrand schlugen Flammen. Das Brisante dabei: Nur wenige Meter entfernt standen Wohncontainer, in denen zu dieser Zeit Menschen untergebracht waren.

Schnell stand fest, dass es sich in beiden Fällen um Brandstiftung handelte. Auf Überwachungsvideos war tatsächlich ein Mann zu erkennen, der das Feuer im Altpapier gelegt hatte. Die Polizei identifizierte ihn als den 53-Jährigen, der derzeit ohne festen Wohnsitz in Schlüchtern lebt.

53-Jähriger wurde verurteilt, weil er Container angezündet hat - Filmriss vom Abend?

Vor Gericht gestand er die Brandstiftung bei der Firma. Er beteuerte allerdings, sich an Einzelheiten kaum erinnern zu können, weil er an dem Abend betrunken war. Ob er auch beim Friedhof gezündelt hatte, konnte er nicht sagen, mochte es aber auch nicht ausschließen. Er halte sich öfters dort auf und sei auch am Tatabend in der Nähe gewesen.

Aus heutiger Sicht ist es für ihn „unvorstellbar“, den Brand bei dem Unternehmen gelegt zu haben. Wenn er gewusst hätte, dass sich in den Containern Menschen aufhalten, hätte er es ohnehin nicht gemacht. Er habe gedacht, dies seien ganz normale Baucontainer. Vor Jahren habe er schon einmal aus Zorn bei seinem Elternhaus gezündelt. Das sei damals verkauft worden, was ihn ärgerte.

53-Jähriger trinkt exzessiv - bis zu 17 Dosen Bier am Tag

Immer wieder verwies der 53-Jährige an Erinnerungslücken am Tattag, was er auf seinen exzessiven Alkoholkonsum zurückführte. Bis zu 17 Halbliter-Dosen Bier trinke er täglich, dazu Wodka oder anderen Schnaps. Das gehe schon morgens los. Erst eine Tasse Kaffee und dann den Tag über Alkohol.

Anfangs habe er aus Kummer getrunken, heute sei er süchtig. Früher war er auch Konsument harter Drogen. Davon sei er weg, kiffe höchstens nochmal. „Das Saufen“ sei seit rund eineinhalb Jahren extrem geworden. Damals habe sich seine Frau von ihm getrennt. Vor der Gerichtsverhandlung hatte er schon drei Bier getrunken.

Psychiatrisches Gutachten konnte nicht erstellt werden

Seine Wohnung habe er mittlerweile verloren. Er schlafe heute bei Kumpels, seiner Mutter oder auf Ruhebänken. Zum Leben hole er sich täglich den Tagessatz für Obdachlose an der Stadtkasse ab.

Eigentlich sollte für die Verhandlung ein psychiatrisches Gutachten über ihn erstellt werden. Doch trotz fünffacher Vorladung erschien er kein einziges Mal in der Praxis. Der Gutachter wohnte nun der Verhandlung vor dem Amtsgericht Gelnhausen bei, konnte zu dem Angeklagten daher aber nur wenig sagen. Allerdings schloss er einen „Filmriss“ am Tatabend nicht aus.

Da der Brand am Friedhof dem 53-Jährigen nicht einwandfrei nachweisbar war, stellte Richter Ott dieses Verfahren ein. Wegen des Feuers auf dem Firmengelände verhängte er gegen den bislang nicht vorbestraften Mann wegen Sachbeschädigung eine Geldstrafe von 300 Euro. Gleichlautend hatten auch Staatsanwaltschaft und Verteidigung plädiert. (ls)

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