Nach seiner Covid-19-Erkrankung ist Dominik Brasch wieder zurück im Rathaus, allerdings ist der sportliche Bürgermeister noch immer nicht so fit wie zuvor.
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Nach seiner Covid-19-Erkrankung ist Dominik Brasch wieder zurück im Rathaus, allerdings ist der sportliche Bürgermeister noch immer nicht so fit wie zuvor.

Bad Soden-Salmünster

„Das kenne ich von einer Grippe nicht“: Bürgermeister Brasch über die Nachwirkungen seiner Corona-Infektion

  • Hanns-Georg Szczepanek
    vonHanns-Georg Szczepanek
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„Bleiben Sie gesund!“ schließt Dominik Brasch (35) die Ausführungen zu seiner Corona-Infektion, die er auf Anfrage unserer Zeitung gemacht hat. Dieser Appell kommt aus berufenem Mund, denn der Bürgermeister von Bad Soden-Salmünster hat die Erkrankung rund um den Jahreswechsel durchlitten.

Bad Soden-Salmünster - Im Interview mit unserer Zeitung mahnt er, nach seiner (noch nicht ganz vollständigen) Genesung, im Umgang mit der Corona-Pandemie nicht nachlässig zu werden.

Herr Bürgermeister, Sie befanden sich bis zur vergangenen Woche in häuslicher Isolierung, weil Sie selbst an Covid-19 erkrankt waren, erfreulicherweise aber wieder genesen sind. Waren Sie der einzige Infizierte in der Familie oder in der näheren Verwandtschaft?
Leider nein. Sowohl meine Frau als auch deren Großeltern und weitere Teile der Verwandtschaft wurden positiv getestet.
Sind Ihre Angehörigen ebenfalls auf dem Weg der Besserung?
Mittlerweile geht es uns allen glücklicherweise wieder gut. Die größten Sorgen haben wir natürlich durch die Infektion der Großeltern ausgestanden, die von uns allen auch den schwersten Verlauf hatten. Immerhin sind beide mit 86 und 83 Jahren in einem risikobehafteten Alter. Wenn man dann selbst in Quarantäne ist und sich nicht um die Großeltern kümmern kann, macht es das nicht leichter. Sehr dankbar bin ich deshalb für die gute und fürsorgliche Betreuung und Beratung durch deren Hausärzte, welche allesamt, nicht nur in unserer Stadt, seit Beginn der Pandemie einen tollen Job machen. 
Man kennt Sie aus öffentlichen Sitzungen und Terminen, der stets einen Mund-Nasen-Schutz trägt und die Hygieneregeln beachtet. Können Sie nachvollziehen, wie Sie sich infiziert haben?
Absolute Sicherheit hat man hier natürlich nicht, doch liegt aufgrund der in der Familie aufgetretenen Infektionen der Verdacht nahe, dass es kurz vor Weihnachten bei einem Abendessen passiert sein muss. Obwohl wir ganz bewusst keinen körperlichen Kontakt hatten, hat es wohl ausgereicht, dass man gemeinsam am Tisch gesessen hat.
Welcher Unterschied zu einer „normalen“ Influenza oder einem grippalen Infekt ist Ihnen sofort oder während der akuten Erkrankung aufgefallen?
Tatsächlich hat es sich zu Beginn sehr ähnlich angefühlt und hat mit leichten Halsschmerzen und Erkältungssymptomen begonnen. In der darauffolgenden Nacht kamen dann hohes Fieber, Schüttelfrost und Gliederschmerzen hinzu. Das alles war kurz vor dem Jahreswechsel. Danach nahm die Krankheit aber einen durchaus abweichenden Verlauf, was durch den unmittelbar einsetzenden Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns überdeutlich wurde. Auch die einsetzenden Rücken- und Nackenschmerzen waren recht heftig. Sehr untypisch im Vergleich zu einer Influenza waren zum Beispiel bei meiner Frau eine kurzfristige Wortfindungsstörung und eine Konzentrationsschwäche.
Wie ist die Krankheit dann weiter verlaufen? 
Als zunächst nur bei mir Krankheitssymptome aufgetreten sind, habe ich mich innerhalb des Hauses von der Familie isoliert und habe so auch Silvester und Neujahr allein im Schlafzimmer verbracht. Da fühlt man sich schon etwas wie ein Aussätziger ... (zwinkert). Einziger Vorteil: Ich konnte einige Bücher lesen, die ich schon länger unangetastet auf dem Nachttisch liegen hatte.
Stand ein Klinikaufenthalt in Rede oder sogar bevor? 
Nein.

Im Video: Corona oder Grippe? Das sind die Unterschiede

Wie lange hat die akute Phase gedauert, wie lange die Erholungsphase? 
Wirklich schlecht ging es mir eine knappe Woche. Erholt fühle ich mich noch heute nicht so ganz, was ich als durchaus gesunder und sportlicher Mensch so aus keiner vorherigen Erkrankung kenne. 
Sie fühlen sich also noch immer geschwächt ... 
Ich habe auch jetzt noch einen reduzierten Geruchssinn und fühle mich noch etwas geschwächt. Auch die Konzentration lässt schneller nach als noch vor der Erkrankung. Und nach der ersten Woche im Büro war ich doch ganz schön geschlaucht. Das kenne ich von einer auskurierten Grippe so nicht.
Hat es in Ihrer Umgebung Menschen gegeben, die eigentlich hätten krank werden müssen, aber gesund geblieben sind?
Unsere Kinder haben glücklicherweise keine Krankheitszeichen gezeigt, waren aber natürlich auch die volle Zeit mit uns in häuslicher Quarantäne.

Lesen Sie hier: Erste Corona-Patientin aus Main-Kinzig-Kreis infizierte sich in Südtirol: Anja Weber spürt noch immer Spätfolgen und bleiben Sie hier mit unserem Corona-Ticker aus dem Main-Kinzig-Kreis auf dem Laufenden.

Mussten durch Ihre Infektion auch Rathausmitarbeiter in häusliche Isolierung oder in den Krankenstand wechseln?
Nein, meine Erkrankung hatte keine Konsequenzen innerhalb des Rathauses. Schon zu Beginn der Pandemie waren wir aufgrund der hausinternen IT-Infrastruktur in der Lage, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über Telearbeitsplätze von Zuhause aus zu beschäftigen und im Bereich der kritischen Infrastruktur, etwa der Wasserversorgung, oder beim Bauhof im Wechselbetrieb oder bei der Teambildung ein größtmögliches Maß an Abstand und Sicherheitsmaßnahmen aufzubauen. So haben wir bisher keine Übertragungen des Virus im Rathaus oder in den Einrichtungen und Betrieben der Stadt verzeichnen müssen. Größere Besprechungen laufen entweder über Videokonferenzen oder werden, wie zum Beispiel die wöchentliche Magistratssitzung, in das Spessart-Forum verlegt. Schwieriger gestaltet sich dies natürlich in den Kindertagesstätten, bei denen die Erzieherinnen weiterhin eng an den Kindern arbeiten müssen, oder auch in den stärker frequentierten Bereichen der Verwaltung, wie dem Servicecenter. Über eine feste Terminvergabe und bauliche Maßnahmen wurde versucht, größtmögliche Sicherheit für die Bediensteten zu schaffen.
Haben Sie und Ihre Familie das Hygieneverhalten nach der Corona-Erkrankung verändert oder wollen dies tun? 
Ich denke, insbesondere im privaten Umfeld hat diese Erfahrung gezeigt, dass man nicht vorsichtig genug sein kann und wir weiter sensibel auf mögliche Übertragungswege achten müssen. Da nicht alle Kontakte vermieden werden können, bleibt jedoch auch ein gewisses Restrisiko. Dessen man sich stets bewusst sein muss.
Fürchten Sie eine erneute Erkrankung, zum Beispiel mit einer mutierten Version des Virus?
Ich habe mich zuvor nicht vor einer Infizierung gefürchtet und verspüre auch nach der Krankheit keine übersteigerte Angst. Der Respekt vor den Folgen war präsent und ist es weiterhin. Besonders natürlich für die Risikogruppen, sowohl innerhalb als auch außerhalb der eigenen Familie. Auf eine Immunisierung in den nächsten Wochen oder Monaten möchte ich mich nicht verlassen und hoffe auf eine zeitnahe und reibungslose Impfung der Bevölkerung. Hierzu werden wir als Städte und Gemeinden den Main-Kinzig-Kreis mit städtischem Personal unterstützen, sodass die angestrebten 2000 Menschen pro Tag ihre Impfung erhalten können. Die Vorbereitungen waren bereits Ende 2020 abgeschlossen, doch leider gab es ja bislang zu wenig Impfstoff. Die Impfung der über 80-jährigen in Frankfurt stellt dabei für mich keinen praktikablen Weg dar, was ich auch im persönlichen Umfeld hautnah erfahren konnte. Eine Öffnung der Impfzentren in Hanau und Gelnhausen ist daher wichtig und dringend geboten.

Das komplette Interview lesen Sie in den Kinzigtal Nachrichten vom 26. Januar oder in unserem E-Paper.

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