Philippe Ehmes (links) und Jonas Reitz bauen einen UV-Luftreiniger von Heraeus in einen Hanauer Stadtbus ein.
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Philippe Ehmes (links) und Jonas Reitz bauen einen UV-Luftreiniger von Heraeus in einen Hanauer Stadtbus ein.

15 Fahrzeuge werden ausgerüstet

Mit UV-Licht gegen das Coronavirus: Stadt Hanau will mit Heraeus-Konzern das Busfahren sicherer machen

  • Daniel Krenzer
    vonDaniel Krenzer
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Wenn das Coronavirus mit speziellem UV-C-Licht bestrahlt wird, zerfällt es und wird unschädlich. Diesen Effekt nutzt der Hanauer Technologiekonzern Heraeus für Luftreinigungsanlagen. Und die Hanauer Straßenbahn (HSB) rüstet aktuell 15 Busse damit aus.

Hanau - Ein Bus mit der neuen Technik an Bord ist bereits auf den Straßen in Hanau unterwegs. Derzeit bekommt das der Fahrgast gar nicht mit, demnächst sollen die entsprechenden Busse aber mit großen Aufklebern versehen werden, die darauf hinweisen, berichtet Joachim Haas-Feldmann, Pressesprecher der Stadt. In der HSB-Werkstatt nahe des Hauptbahnhofs werden aktuell bis zum Jahresende 15 weitere Stadtbusse mit den UV-Licht-Modulen ausgestattet – vier pro Fahrzeug.

„Der komplette Einbau dauert pro Fahrzeug etwa fünf Stunden“, erklärt Philippe Ehmes, der mit Jonas Reitz gerade den zweiten Stadtbus in Hanau umrüstet. Die Module werden in den bestehenden Lüftungsschacht integriert. Am meisten Zeit benötigen die Vorarbeiten, erklärt Ehmes. Das eigentliche Einsetzen der Module ist dann ganz einfach, erklärt er – und demonstriert es mit seinem Kollegen.

Coronavirus: Stadt Hanau will mit Heraeus-Konzern das Busfahren sicherer machen

Heraeus spricht von einer Lebensdauer von 16.000 Stunden. Das wären in unserem Bussen etwa vier Jahre“, weiß Philippe Ehmes. Bei etwa 14 Jahren durchschnittlicher Einsatzzeit eines Stadtbusses in Hanau wären das drei bis vier Zyklen. „Das ist deutlich weniger Wartungsaufwand als bei den gängigen Filtersystemen – und da produzieren wir zudem viel mehr Müll“, ist der HSB-Techniker angetan. Außerdem müssten dann lediglich die Leuchten ausgetauscht werden, der Zeitaufwand wäre sehr gering. „Die Investition sollte sich irgendwann amortisieren“, ist Philippe Ehmes überzeugt. Zudem sei es eine Investition für die Zukunft, auch nach der Corona-Pandemie. Schließlich sind vor allem im Winter öffentliche Verkehrsmittel Austauschbörsen für allerlei Grippe- und Erkältungskrankheiten.

Nachgefragt

Die RhönEnergie in Fulda plant nicht, ihre Busse mit neuen Filtersystemen umzurüsten. Das teilt eine Sprecherin unserer Zeitung auf eine Anfrage hin mit. „Ein Luftaustausch in geschlossenen Räumen ist entscheidend, wenn es darum geht, das Infektionsrisiko mit dem Coronavirus zu senken. Denn das Virus wird in erster Linie über Tröpfchen und Aerosole übertragen“. Ein Luftaustausch mit Frischluft sei dabei grundsätzlich besser als eine Luftfilterung oder Umwälzung verbrauchter Luft.

Dieser Austausch finde im Bus auf verschiedene Weise statt. „Die Türen werden an den Haltestellen zum Fahrgastwechsel und auch zum Lüften immer wieder komplett geöffnet, außerdem führen die Klimaanlagen frische Luft zu und verbrauchte Luft ab, so dass sich potenziell infektiöse Aerosole reduzieren“, erklärt die Sprecherin zudem.

Das bedeute, dass in den Bussen der RhönEnergie verbrauchte Luft nicht umgewälzt, sondern durch die Klimaanlage und durch die Türöffnung dauerhaft frische Luft zugeführt werde. „Die RhönEnergie-Verkehrsbetriebe betreiben ausschließlich Busse mit Klimaanlagen, in der Beschaffung ist dies seit mehr als fünfzehn Jahren in Fulda Standard.“ Anders als beispielsweise im geschlossenen Raum eines Flugzeugs, in dem lediglich umgewälzt und gefiltert wird, profitiere der ÖPNV damit von einer ständigen Frischluftzufuhr.

Jeweils etwa 3500 Euro für die 16 Solaris-Busse hat die Stadt Hanau veranschlagt, hinzu kommen noch Hand-Desinfektionsgeräte, die die Busfahrer beim Schichtwechsel einsetzen sollen. Heraeus bastele zudem schon an passenden Ausführungen für die anderen Busmodelle im Fuhrpark, berichten die HSB-Mitarbeiter. In den kommenden Wochen werden Erfahrungen gesammelt, zum Beispiel, ob es technische Defekte oder Ausfälle gibt. „Beim ersten Bus läuft bislang aber alles reibungslos“, berichtet Manfred Senger, Technischer Leiter bei der HSB. Sollte einmal eine UV-Lampe ausfallen – von außen ist dies ja nicht zu erkennen –, dann erhält der Busfahrer eine entsprechende Rückmeldung über eine Kontrollleuchte.

UV-C-Licht soll Coronaviren in Stadtbussen in Hanau zerstören - Für den Menschen unbedenklich

UV-C-Licht, das Viren, wie das Coronavirus, und Bakterien in Sekundenschnelle zerstört, ist für den Menschen ebenfalls nicht unbedenklich. Trotzdem braucht sich niemand Sorgen machen, der in einen umgerüsteten Bus steigt, versichert Ehmes: „Das ist komplett dicht, da kommt kein bisschen Licht nach draußen“. Die Luft wird an mehreren Stellen im Hanauer Stadtbus angesaugt, fließt durch die Lichtröhre und wird vorne und hinten wieder ausgestoßen, sodass Luftkreisläufe innerhalb eines Busses entstehen – und das mit einem deutlich höheren Durchsatz als bei herkömmlichen Lüftungsanlagen. „Laut Heraeus ist die Luft in drei Minuten komplett gereinigt“, sagt Ehmes.

Die HSB

Auch wenn es seit der Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg keine Straßenbahn in Hanau mehr gibt, trägt die Hanauer Straßenbahn GmbH bis heute nicht ohne Stolz ihren Namen. Früher verkehrten in Hanau drei Linien, die den Hauptbahnhof mit dem Beethovenplatz im Nordwesten nahe Wilhelmsbad, den Nord- mit dem Westbahnhof sowie den Markt mit dem Steinheimer Obertor verbanden. Heute betreibt die HSB knapp 60 Busse auf insgesamt zwölf Linien. 12 Millionen Fahrgäste im Jahr transportierte die HSB mit ihren etwa 160 Mitarbeitern etwa vor der Corona-Pandemie.

„Es ist die klare Linie des Oberbürgermeisters Claus Kaminsky, in der Corona-Pandemie proaktiv vorzugehen, also nicht nur immer das an Schutzmaßnahmen umzusetzen, was von Bund und Land gefordert wird“, erläutert Pressesprecher Feldmann-Haas. Der Magistrat in Hanau unter Führung des SPD-Mannes hat zudem in dieser Woche beschlossen, die Partnerschaft mit der Heraeus-Tochter Noblelight auszuweiten und UV-Licht-Anlagen auch in einigen Klassenräumen zu installieren, die nicht gut gelüftet werden können. „Es ist außergewöhnlich, wie sich die Stadt engagiert. Ein solcher Schulterschluss auch im Sinne innovativer regionaler Wirtschaftsförderung sollte auch für andere Gebietskörperschaften ein Vorbild sein“, lobte Noblelight-Geschäftsführer Martin Ackermann in dieser Woche in einer Pressemitteilung.

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