In der August-Schärttner-Halle in Hanau war Heinrich Raab aus Neuberg der erste Besucher.
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In der August-Schärttner-Halle in Hanau war Heinrich Raab aus Neuberg der erste Besucher.

Start auch im Vogelsberg

Alle Corona-Impfzentren in Hessen geöffnet: 180 Impfungen in Hanau und Gelnhausen - Minister: „Langsamer Start“

In Hessen sind seit Dienstag, 9. Februar, alle 28 Corona-Impfzentren geöffnet. Auch in Gelnhausen und Hanau im Main-Kinzig-Kreis wurde der Betrieb aufgenommen. Dort sind am ersten Tag insgesamt 180 Menschen geimpft worden. Innenminister Peter Beuth (CDU) zeigt sich trotz langsamen Starts durch fehlende Impfdosen zuversichtlich.

Hessen/Gelnhausen - Nach dem Start in sechs Impfzentren am 19. Januar - auch das Zentrum in Fulda war darunter - wurde am Dienstag hessenweit in allen 28 Zentren mit der Immunisierung der Menschen gegen das Coronavirus begonnen. Zunächst können sich in den Impfzentren Senioren in der höchsten Priorisierungsgruppe die Schutzimpfung geben lassen. Das sind überwiegend Männer und Frauen im Alter von über 80 Jahren. Das Problem: Nach wie vor mangelt es an Impfstoff, daher kann in den Impfzentren nicht in voller Auslastung geimpft werden.

Etwa 567.000 Menschen in Hessen sind aktuell nach der bundesweit geltenden Impfverordnung berechtigt, die Dosen priorisiert zu erhalten. Landesweit haben bereits rund 165.000 Menschen die Erst- und mehr als 65.000 Personen die Zweitimpfung erhalten. Am Dienstag sollten durch Impfungen mehr als 3.500 Erstimpfungen hinzukommen. (Bleiben Sie hier mit unserem Corona-Ticker Hessen auf dem Laufenden).

Hessen: Alle 28 Corona-Impfzentren sind geöffnet - 88 Menschen in Gelnhausen geimpft

Auch die Impfzentren des Main-Kinzig-Kreises in Gelnhausen und Hanau nahmen am Morgen ihren Betrieb auf. In der Sporthalle am Hallenbad in Gelnhausen hatten 88 meist ältere Bürger einen Termin - auch in den nächsten drei Wochen wird sich die Zahl der Impfungen zunächst nicht erhöhen. Für diesen Zeitraum sind 3700 Impfungen vorgesehen. Erst ab März, wenn mehr Impfstoff zur Verfügung steht, soll die Zahl nach und nach erhöht werden. Unter Volllast können in jedem der beiden Zentren etwa 1000 Impfungen pro Tag vorgenommen werden. Aktuell sind bereits mehr als 2000 Impftermine pro Zentrum vergeben worden.

Unter den Impfwilligen am ersten Tag waren auch gut ein Dutzend Personen aus den Bergwinkelkommunen Schlüchtern, Steinau, Bad Soden-Salmünster und Sinntal. Um einen reibungslosen Ablauf zu garantieren, hat der Main-Kinzig-Kreis für die beiden Impfzentren etwa 160 Personen akquiriert. Außerdem erhält das Team Unterstützung durch täglich etwa 20 Personen, die von den 29 Städten und Gemeinden des Kreises dafür abgestellt werden. „Wir haben alle Voraussetzungen geschaffen, um unseren Teil an diesem gigantischen Projekt zu leisten“, machte der Landrat des Main-Kinzig-Kreises, Thorsten Stolz (SPD) zum Impfauftakt deutlich. Auch Professor Dr. Dirk Maybauer, ärztlicher Leiter des Impfzentrums Gelnhausen, zeigte sich erfreut über den gelungenen Auftakt: „Die Stimmung im Team ist gut, wir freuen uns, dass es jetzt losgeht.“ 

Impfzentren in Hanau und Gelnhausen: Insgesamt 180 Menschen gegen Corona geimpft

Insgesamt sind in Hanau und Gelnhausen am Dienstag etwa 180 Personen geimpft worden. Das schreibt der Main-Kinzig-Kreis in einer Pressemitteilung. Parallel seien auch die mobilen Impfteams im Einsatz gewesen. In der August-Schärttner-Halle in Hanau war Heinrich Raab aus Neuberg pünktlich um 9 Uhr der erste Besucher. Der 83-Jährige zeigte sich sehr zufrieden, dass er nach mehreren Anläufen diesen Termin bekommen hatte. Der Vorgang selbst bereitete ihm „keine Aufregung“, und sichtlich entspannt wartete er laut Mitteilung auf den kleinen Stich in den Oberarm. 

Mit 88 Impfungen am Tag hält sich der Andrang im Impfzentrum Gelnhausen in Grenzen.

Die ärztliche Leiterin des Impfzentrums Hanau, Dr. Silke Hoffmann-Bär, war zufrieden zu dem offiziellen Auftakt. Sie war selbst an verschiedenen Stationen zwischen Eingangskontrolle und Abmeldung dabei, um zu beraten und sich einen persönlichen Eindruck zu verschaffen. „Die Abläufe werden in den kommenden Tagen zur Routine werden und die Abstimmung untereinander wird immer besser funktionieren“, blickt sie voraus. Insgesamt sind mit Ablauf des Dienstages im Main-Kinzig-Kreis bereits etwa 11.600 Impfungen erfolgt, darunter etwa 4150 Zweitimpfungen.

Auch im Impfzentrum im Vogelsbergkreis in der Hessenhalle Alsfeld sind am Dienstag die ersten Menschen geimpft worden. „Alles ist hervorragend gelaufen“, erklärt die Pressestelle des Vogelsbergkreises auf Nachfrage unserer Zeitung. Am Vormittag seien 24 über 80-Jährige und am Nachmittag 31 Personen aus der Ambulanten Pflege gegen das Virus geimpft worden. Die erste Impfung erhielt eine 91-jährige Frau.

Thorsten Stolz: Wir haben alle Voraussetzungen geschaffen, um unseren Teil an diesem Projekt zu leisten

Anlässlich der Öffnung aller Impfzentren sagte Innenminister Peter Beuth: „Rund 175.000 Angehörige der höchsten Priorisierungsgruppe haben seit letzter Woche Impftermine vereinbart. Aufgrund der geringen Impfstofflieferungen werden täglich pro Impfzentrum im Schnitt nur etwa 140 Erstimpfungen an fünf Tagen in der Woche erfolgen können. Zehnmal so viele Termine wären am Tag unter Volllast möglich. Auch wenn der heutige Start ein langsamer ist, geben uns die Zusagen der Impfstoffhersteller die Zuversicht, dass wir in den nächsten Monaten schneller mehr Menschen mit den schützenden Dosen vor dem Coronavirus versorgen können.“

Gleichwohl zeichne sich bei den rund 567.000 Angehörigen der ersten Priorisierungsgruppe eine hohe Impfbereitschaft ab. „Die Erstimpfungsquote bei Bewohnerinnen und Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen ist weiter gestiegen und liegt inzwischen bei fast 71 Prozent“, sagte Beuth.

Video: Das Impfzentrum in Fulda öffnet

Rund 19.000 Termine für Erstimpfungen wurden für die laufende Woche vereinbart. Die Impfzentren der kreisfreien Städte und Landkreise erhalten nach ihrem Bevölkerungsanteil die benötigten Dosen der Firma Biontech. Zurzeit stehen in der Bundesrepublik Impfstoffe der Firma Biontech, des Herstellers Moderna sowie seit wenigen Tagen von Astrazeneca zur Verfügung. Trotz zuletzt reduzierter Lieferungen von Biontech hat das Mainzer Unternehmen stetige Lieferungen und konkrete Mengen über mehrere Wochen in Aussicht gestellt. Wöchentlich sollen demnach durchschnittlich fast 60.000 Impfdosen des Herstellers nach Hessen geliefert werden.

„Dabei gilt für Hessen weiterhin: Jede Lieferung wird halbiert, um die notwendige Zweitimpfung sicher garantieren zu können. Geimpft ist, wer beide Dosen erhalten hat“, unterstrich Beuth. Der tatsächliche Fortschritt der Bundesländer beim Impfen lasse sich sinnvoll nur an der Zahl der Zweitimpfungen bemessen, da erst dann der Impfschutz seine volle Wirkung entfalte.

Peter Beuth: Die Erstimpfungsquote bei Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen ist weiter gestiegen

Bisher hat Hessen 12.000 Dosen der Firma Moderna erhalten. Mittlerweile wurden mehr als 1.200 Menschen mit dem Impfstoff vornehmlich in Alten- und Pflegeheimen geimpft. Hessen hat die ersten 26.400 Dosen des Astrazeneca Impfstoffs am vergangenen Wochenende erhalten. Die Impfzentren können die Impfstoffe von Astrazeneca gemäß der bundesweit geltenden Corona-Impfverordnung an Personen der höchsten Priorisierungsgruppe, die unter 65 Jahre alt sind verimpfen. Demnach können Impfstoffe des Herstellers Astrazeneca zunächst an medizinisches Personal in den Krankenhäusern der COVID-19-Versorgung, aber auch an Rettungsdienste und Mitarbeiter mobiler Pflegedienste verimpft werden. Die Weiterverteilung des Astrazeneca-Impfstoffs organisieren die Impfzentren eigenständig. 

Die Anmeldung zum Impfen ist weiterhin über zwei Wege möglich: telefonisch über die Hotline 116 117 oder online über die Internetseite impfterminservice.de. Seit 3. Februar konnten sich Berechtigte bei einer zweiten Runde der Terminvergabe für eine Impfung anmelden. Anders als beim ersten Mal, bei dem es wegen des knappen Impfstoffes eine Begrenzung von zunächst 60.000 Terminen gegeben hatte, ist die Vergabe nun nicht limitiert. Doch wie schon im Januar gab es auch dieses Mal teils technische Probleme, und die Anrufenden hängen stundenlang in der Warteschleife.

Corona-Impfung: Terminvereinbarung weiterhin per Telefon oder im Internet möglich

Mittlerweile können auch Paartermine gebucht werden. Das ist gerade für ältere Menschen ein wichtiger Schritt. Konkret kann nun ein Paar in einem Buchungsvorgang zwei Impftermine in einem Zeitraum von 30 Minuten erhalten. Das war zunächst technisch nicht möglich. (dpa, kw, hoß)

 

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