Die Hausärztin Christiane Heister sowie Ute Eckert impften zuerst die Pflegedienstleiterin Anke Schweikert.
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Die Hausärztin Christiane Heister sowie Ute Eckert impften zuerst die Pflegedienstleiterin Anke Schweikert.

Alle Heimbewohner geimpft

Nach Corona-Impfungen ist Pflegedienstleiterin aus Steinau erleichtert: Schon jetzt schönster Tag des Jahres

Für Anke Schweikert war das zurückliegende Jahr mit nervenaufreibendem Dauerstress verbunden. Denn die Pflegedienstleiterin des Pflegeheims in Bellings war seit März vielfach mehr als sonst für Leben und Tod der Bewohnerinnen und Bewohner verantwortlich. 

Steinau - Mit der Corona-Impfaktion am vergangenen Samstag sieht sie die Einrichtung in Bellings auf der Zielgeraden. Alle 41 Bewohner und zwei Dutzend der Mitarbeiter des Pflegeheims sind nun geimpft. Nach etwa einer Woche wird davon ausgegangen, dass der geimpfte Körper Abwehrkräfte gegen das Coronavirus entwickelt hat.

Der Körper soll reagieren, erläuterte Dr. Claus Schubert, der eins der acht Corona-Impfteams des Main-Kinzig-Kreises leitet. Eine Rötung an der Einstichstelle, wie sie sich bei ihm selbst gezeigt habe, sei demnach durchaus erwünscht. Um sicher zu gehen, werde die Corona-Impfung nach drei Wochen wiederholt, damit auch diejenigen, bei denen die Impfnadel beispielsweise im Fettgewebe gelandet sei, einen wirksamen Impfschutz entwickeln könnten.

Impfaktion in Pflegeheim in Steinau - Für die Leiterin schon jetzt einer der schönsten Tage des Jahres

„Wir haben noch vier harte Wochen vor uns“, ist sich Anke Schweikert im Klaren. Dennoch sei der 2. Januar für sie garantiert der schönste Tag dieses Jahres gewesen, ist sie sicher. „Wir hängen an unseren Bewohnern, das ist wie eine Familie für uns“, erklärt die Pflegedienstleiterin aus Bellings.

Im „Wohnzimmer“ der Einrichtung unterrichtet der Mediziner Claus Schubert (rechts) einige der Mitarbeitenden.

Man hätte bei einer Covid-19-Infektion im Pflegeheim in Bellings ein bis zwei Drittel der Bewohner an den Tod verlieren können. Dies wäre für sie unvorstellbar gewesen. Deshalb waren die Mitarbeiter des Pflegeheims im Frühjahr im ersten Corona-Lockdown mit ihren Bewohnern in Quarantäne gegangen und hatten wochenlang in Wohnwagen auf dem Gelände gelebt, um Außenkontakte auszuschließen.

Nur 25 Beschäftige des Pflegeheims gegen Corona geimpft - Leiterin führt das auf diesen Grund zurück

Danach ging es das ganze Jahr darum, die Solidarität der Menschen aufrechtzuerhalten, mit langem Atem immer wieder das Hygienekonzept in der Corona-Pandemie zu verbessern und den Bewohnern mit ausbalancierten Besuchsregelungen Kontakte zu ermöglichen, so Pflegeheimleiter Georg Philipp Melloni. Die persönliche Ansprache des Leitungsteams sei dabei immer wieder gefordert gewesen.

Um die geforderten monatlichen Tests beim Personal vornehmen zu können, habe man eigens eine neue Stelle im Pflegeheim in Bellings geschaffen. Vor Monatsfrist sei damit begonnen worden, die Einverständniserklärungen einzuholen. Dass sich nur 25 der Beschäftigten gegen Corona impfen ließen, führt Anke Schweikert auf mangelnde Aufklärungsarbeit zu dem Impfstoff zurück und nennt die bundesweite Aufklärungskampagne zu Aids ab den 1980er Jahren als Vorbild.

Bewohnerin glücklich über Corona-Impfung - Dank an Pflegepersonal in Einrichtung in Bellings

Nachdem die Mitarbeiter gegen das Coronavirus geimpft waren, holten sie diese nacheinander die Bewohner des Pflegeheims in Bellings in den Impfbereich, der in den Räumen der angeschlossenen Gaststätte „Elefant“ aufgebaut war. Derzeit werde der Impfstoff tiefgefroren angeliefert, muss dann aufgetaut und portioniert werden. Mit der ersten Impfung sind nun alle Bewohner auf einem gutem Weg, künftig vor der tückischen Krankheit geschützt zu sein.

Frieda Helfrich, eine der Bewohnerinnen des Pflegeheims in Bellings drückt ihr Glück so aus: „Ich habe mich so sehr gefreut, dass wir heute die erste Impfung erhalten. Wir haben es bald geschafft und sind alle gesund geblieben. Ich bin so glücklich, dass wir bald alle sicher sind und wieder in Normalität übergehen können.“ Das Pflegepersonal habe seinen Job einwandfrei ausgeübt „und uns wie seine eigene Familie geschützt. Danke dafür!“ (bak)

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