Das Corona-Impfzentrum in Gelnhausen ist startklar.
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Das Corona-Impfzentrum in Gelnhausen ist startklar.

Main-Kinzig-Kreis

Corona-Impfzentrum in Gelnhausen ist startklar - Für Susanne Simmler ist es „der Beginn eines Marathons“

  • Lena Quandt
    vonLena Quandt
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Einen Tag früher als geplant ist das Corona-Impfzentrum in Gelnhausen – die Anlaufstelle für Impfwillige im Altkreis Schlüchtern – einsatzbereit. Nur an Kleinigkeiten muss noch geschraubt werden, hieß es am Donnerstagnachmittag bei einem Blick hinter die Kulissen mit den Verantwortlichen des Landkreises. Eines steht bereits fest: Es ist eine Aktion, die ihresgleichen sucht.

Gelnhausen - Landrat Thorsten Stolz, Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernentin Susanne Simmler (beide SPD), Kreisbeigeordneter Winfried Ottmann (CDU) sowie Dr. Wolfgang Lenz, Inhaber der ärztlichen Impfleitung, und Günter Seitz vom Gefahrenabwehrzentrum führten durch die zum Corona-Impfzentrum umfunktionierte Sporthalle der Kreisrealschule in Gelnhausen. Erst vor 14 Tagen hatte der Main-Kinzig-Kreis die Aufforderung für das Errichten von Impfzentren erhalten (Lesen Sie hier: Mit dem Corona-Ticker für den Main-Kinzig-Kreis bleiben Sie auf dem Laufenden). Eines befindet sich nun in der Barbarossastadt, das andere in Hanau. Mobile Impfteams ergänzen die Zentren für Impfaktionen in Pflegeheimen oder Krankenhäusern.

Corona-Impfzentrum in Gelnhausen: So viele Einwohner im Main-Kinzig-Kreis können geimpft werden

420.000 Bürger zählt der Main-Kinzig-Kreis. Noch ist der Impfstoff gegen das Coronavirus nicht verfügbar, aber sobald dies der Fall ist, könnten 60 Prozent der Einwohner in den nächsten Monaten geimpft werden – eine logistische Meisterleistung. „Auf die Infrastruktur kommt es dabei an“, sagt Stolz. Infrastruktur, das bedeutet unter anderem das Schaffen von Räumlichkeiten, Personal-Akquise, das Einrichten von PC-Arbeitsplätzen und eines stabilen Wlan-Netzes sowie das Installieren von Spuckschutzen oder das Aufkleben von Abstands-Markierungen auf den Hallenböden. Auch der Rettungsdienst hat seinen Platz und ist, falls Impfreaktionen auftreten, vor Ort vertreten.

Landrat Thorsten Stolz (rechts) führte durch das Corona-Impfzentrum in Gelnhausen.

Bei der Führung durch das Corona-Impfzentrum in Gelnhausen am Donnerstag wurde schnell deutlich, dass der Pieks in den Arm des Patienten nur der letzte Schritt in einer langen Reihe ist. Die Aktion ist abgesehen von den medizinischen Aspekten vor allem ein Verwaltungsakt, an dem viele „Rädchen“, wie Simmler sagt, beteiligt sind. Das Zentrum in Gelnhausen wird – sobald der Impfstoff gegen das Coronavirus verfügbar ist – an sieben Tagen die Woche jeweils von 7 bis 22 Uhr geöffnet sein, dafür müssen zum Beispiel Dienstpläne für ein Drei-Schichten-System erstellt werden. Auch das ist ein wichtiger Teil der Arbeit.

Städte und Gemeinden haben Main-Kinzig-Kreis bei Aufbau der Corona-Impfzentren unterstützt

Alleine ist all das für den Main-Kinzig-Kreis nicht zu bewältigen. Deshalb richtet Stolz seinen Dank an die Städte und Gemeinden des Kreises, die beim Aufbau der Corona-Impfzentren tatkräftige Unterstützung leisten. Dankbar ist er etwa dafür, dass sich eine große Zahl an Ärzten und medizinischem Personal freiwillig gemeldet hat, um in den Zentren zusätzlich im Dienst zu sein. Auch im Landkreis Fulda haben sich schon viele Freiwillige gemeldet. „Ganze Praxisteams haben sich bereiterklärt. Manche schließen sogar für einen Tag ihre Praxen, um zu helfen“, lobt Lenz. Er sagt: „Das ist gelebte Solidarität.“

Etwas Privatsphäre: Die Beratungsboxen im Corona-Impfzentrum in Gelnhausen sind voneinander abgetrennt.

„Es ist der Beginn eines Marathons“, sagt Simmler. Sie betont, dass es keine Impfpflicht gibt, appelliert aber: „Ich bitte jeden inständig, sich mit dieser Frage eingehend zu beschäftigen. Sich impfen zu lassen, ist für mich ein Akt der Nächstenliebe.“ Der Startschuss fällt indes mit der Verfügbarkeit des Impfstoffes gegen das Coronavirus. Erfolgreiche Testläufe haben in Gelnhausen in dieser Woche stattgefunden, berichten die Verantwortlichen. Dabei notierten alle Teilnehmer, wo was noch nicht rund läuft. Für die Feinjustierung „nutzen wir die Schwarmintelligenz“, sagt Lenz. Mit bis zu 2100 Impfdosen am Tag rechne der Main-Kinzig-Kreis, sagt er. 900 davon sollen täglich ins Corona-Impfzentrum nach Gelnhausen, 900 nach Hanau gehen – den Rest erhalten die mobilen Teams. Langfingern und Einbrechern erteilt Stolz eine Absage, die Impfdosen werden nicht vor Ort gelagert, sondern an geheimen Orten, „die die Verantwortlichen selbst nicht kennen“.

Sicherheitskonzept für Corona-Impfzentrum: Poller im Eingangsbereich

Einfach so vorbeischauen, geht nicht. Geimpft werden gegen das Coronavirus kann nur, wer eine Benachrichtigung vom Land Hessen bekommen hat (Lesen Sie hier: Mit dem Corona-Ticker für Hessen bleiben Sie auf dem Laufenden). Die Terminvergabe regelt ebenfalls das Land und – wie Stolz betont – nicht der Main-Kinzig-Kreis. Sicherheitspersonal überprüft am Eingang bei jeder Person, ob ein Termin vorliegt und misst die Körpertemperatur. Bei Fieber wird der Eintritt verwehrt, das wäre auch bei jeder anderen Impfung so, erklärt Lenz.

Und so geht‘s

Wie eine Corona-Schutzimpfung in den Impfzentren des Main-Kinzig-Kreises abläuft, das teilte der Kreis bei der gestrigen Führung auch schriftlich mit:

Terminvergabe: Geimpft wird nach Priorisierung. Alte Menschen und Risikogruppen erhalten den Impfstoff voraussichtlich zuerst. Die Terminvergabe wird vom Land Hessen organisiert. Wer infrage kommt, erhält Nachricht. Für einen vollen Impfschutz sind zwei Impfungen im Abstand von etwa drei Wochen notwendig.

Ankunft im Impfzentrum: Nur wer impfberechtigt ist, eine Einladung mit Reserviercode hat und gesund ist, erhält Zutritt. Es gelten die aktuellen Abstands- und Hygieneregeln sowie die Maskenpflicht.

Anmeldung: Hierbei werden die persönlichen Daten aufgenommen. Personalausweis oder Reisepass ist mitzubringen. Wer jünger als 60 Jahre alt ist, muss die Dringlichkeit seiner Impfung mit einem ärztlichen Attest belegen oder eine Bescheinigung des Arbeitgebers vorweisen. Falls ein Impfgespräch bereits geführt wurde, muss das ausgefüllte Merkblatt mitgebracht werden. Falls keines geführt wurde, wird dies vor Ort nachgeholt.

Arztgespräch: Ist im Vorfeld kein Impfgespräch geführt worden, wird dies in einer der Beratungsboxen nachgeholt. Die Bürger werden hierbei über Risiken und Nebenwirkungen der Corona-Schutzimpfung aufgeklärt.

Impfung: Nach der Aufklärung geht es in den Impfbereich. In separaten Kabinen werden die Bürger geimpft. Die Impfung erfolgt per Injektion in den Oberarm und wird von medizinischem Fachpersonal verabreicht. Bei der Wahl der Kleidung sollte darauf geachtet werden, dass der Oberarm leicht freigelegt werden kann.

Beobachtungsbereich: Nach der Impfung schließt sich eine 30-minütige Ruhepause in einem sogenannten Beobachtungsbereich an. Die Bürger verweilen dort unter der Aufsicht von medizinischem Fachpersonal. Impfreaktionen können in den ersten zehn Minuten auftreten.

Abmeldung: Bevor der Geimpfte das Zentrum verlässt, erhält er eine Abmeldung und seinen Impfpass.

Adresse: Das zuständige Impfzentrum für die Bewohner des Altkreis Schlüchtern befindet sich in der neuen Sporthalle der Kreisrealschule in Gelnhausen im Lohmühlenweg.

Apropos Sicherheit: Traurig, aber nötig. Für Corona-Impfzentren musste generell ein Sicherheitskonzept entwickelt werden. Poller schützen zum Beispiel den Eingangsbereich.

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